Yahoo schließt chinesische Niederlassung

Betroffen sind bis zu 300 Mitarbeiter - etwa 2 Prozent der weltweiten Belegschaft. Sie waren mit Forschung und Entwicklung beschäftigt. Diese Felder sollen andernorts konsolidiert werden. Ein Angebot in chinesischer Sprache unterhielt Yahoo nicht.

Yahoo hat einen Bericht der South China Morning Post bestätigt: Es wird sein Büro in Peking schließen. Dort arbeiteten bisher etwa 300 Mitarbeiter an Forschung und Entwicklung. Es ist Yahoos einzige Niederlassung in der Volksrepublik.

(Bild: Yahoo)

Eine Website in chinesischer Sprache bietet Yahoo nicht an. Die Beschäftigten in Peking wurden einem Sprecher zufolge am Mittwoch informiert. Es nannte keine Zahl; die Angabe, 200 bis 300 Mitarbeiter würden entlassen, kommt von Bloomberg. In Relation zu 12.500 Beschäftigten weltweit (Stand Ende 2014) entspräche dies einer Reduktion um etwa 2 Prozent.

„Wir nehmen beständig Modifikationen vor, um geschäftsübergreifend Zusammenarbeit und Innovation voranzubringen“, heißt es in Yahoos Mitteilung. „Wir werden bestimmte Aufgaben in weniger Büros zusammenführen, darunter unsere Zentrale in Sunnyvale, Kalifornien.“

Investoren drängen Yahoo zunehmend, seine Ausgaben zu reduzieren. Insbesondere Starboard fordert von CEO Marissa Mayer Einsparungen von mindestens 500 Millionen Dollar jährlich. Im letzten halben Jahr sind schon etwa 600 Stellen weggefallen, größtenteils in Indien und Kanada.

Yahoos frühere Aktivitäten in China brachten Probleme mit sich. 2007 legte es eine Klage bei, in der ihm zwei Journalisten vorwarfen, ihre Daten herausgegeben zu haben. Sie wurden daraufhin zu Haftstrafen von zehn Jahren verurteilt. Yahoo sah sich nicht in der Verantwortung: Es habe nur den chinesischen Gesetzen entsprochen.

China hat gerade erst ein von der US-Regierung beanstandetes Antiterrorgesetz vorläufig aufgeschoben. Der Entwurf sieht vor, ausländische Technikfirmen und Dienstleister dazu zu verpflichten, kryptografische Schlüssel und Quelltexte auszuhändigen sowie Hintertüren einzufügen, um Behörden eine Überwachung Verdächtiger zu ermöglichen. Daten chinesischer Nutzer sollten zudem in inländischen Rechenzentren vorgehalten werden.

Yahoo-CEO Mayer ist fast drei Jahre im Amt. Beim Umsatz lag Yahoo zuletzt leicht unter den Erwartungen. Vor allem sind es aber fehlende Produktinnovationen und ein nachlassendes Anzeigengeschäft, die Anleger irritieren. Bei Displaywerbung ging Yahoos Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zurück. Im letzten Jahr war es ohnehin auf Position 4 im weltweiten Anzeigenmarkt zurückgefallen – mit 2,3 Prozent Anteil erstmals hinter Microsoft. Laut eMarketer führen Google und Facebook deutlich.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

Themenseiten: China, IT-Jobs, Yahoo

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