Angebliche Bitcoin-Wechselbörse MyCoin macht dicht

Es handelt sich um klassischen Finanzbetrug: MyCoin mit Sitz in Hongkong zog ein Schneeball-System auf. 3000 Anwender wurden mit hohen Renditen gelockt. Später sollten sie durch Anwerbung von Neukunden ihre Investitionen retten.

Die Bitcoin-Wechselbörse MyCoin mit Sitz in Hongkong hat den Betrieb eingestellt. Mit ihr sind Kundengelder im Wert von rund 3 Milliarden Hongkong-Dollar (340 Millionen Euro) verschwunden, wie die South China Morning Post berichtet. 3000 Personen sollen dort investiert haben.

Bitcoin-Stapel (Bild: ZDNet.com)

Anders als bei Mt. Gox oder Flexcoin gab es der chinesischen Zeitung zufolge aber keinen Sicherheitsvorfall, sondern es soll sich um schlichten Betrug mit Finanzdienstleistungen gehandelt haben. Investoren wurden hohe Renditen von bis zu 50 Prozent versprochen. Dass nicht alles mit rechten Dingen zuging, wurde im Dezember klar, als der Bitcoin-Dienst die Nutzungsbedingungen änderte und Kunden dadurch letztlich Abhebungen von ihren Konten unmöglich machte. Zugleich wurden Prämien für die Vermittlung von Neukunden ausgesprochen, was auf ein klassisches Schneeballsystem hindeutete.

Die Zeitung zitiert einen Bitcoin-Investor, der rund 150.000 Euro verloren hat: „Anscheinend weiß niemand, wer dahinter steckt. Jeder sagt, er sei selbst nur ein Opfer. Dabei haben uns die auf den oberen Stufen immer gesagt, wir bekämen unser Geld zurück, wenn wir mehr Neukunden fänden.“

Recherchen der Zeitung zufolge hat der einzige öffentlich gemeldete Direktor des Unternehmens dieses schon im November verlassen. Er wurde durch eine Nachfolgerin ersetzt, die den Geschäftsregistern in Hongkong zufolge für weitere 167 Firmen verantwortlich zeichnet.

Auf einer Informationsseite von MyCoin wird Anwendern vorgeschlagen, ihr Konto „aufzustocken“, indem sie eine Überweisung an eine Firma namens Rich Might Investment tätigen. Deren Direktor ist im November 2014 zurückgetreten, wobei er seine Anteile an eine Firma namens Fascinating Horizon Overseas mit Sitz auf den Jungferninseln übertrug. Rich Might Investment hat außerdem gestern einen „Rücktritt des Firmensekretärs und Direktors“ angemeldet. Weder MyCoin Hongkong noch sein Kundenservice sind telefonisch zu erreichen.

Auf seiner Website beschreibt sich MyCoin als „weltweit erste Firma für Bitcoin-Handel, E-Commerce, Mining-Maschinen, Spiele und Bitcoin-Einkaufszentren“. In ihrer FAQ wird auch eine ungewöhnliche „wörtliche“ Übersetzung von Bitcoin als „Goldstück“ angeboten. Während MyCoin mit leeren Versprechungen Anleger lockte, ist der Wert von Bitcoin an legalen Handelsbörsen von rund 1000 Dollar zum Jahresende 2013 auf heute etwa 200 Dollar eingebrochen.

[mit Material von Claire Reilly, News.com]

Themenseiten: Bitcoin, China, Sicherheit

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