Silk-Road-Prozess: Ulbricht schuldig gesprochen

Die Geschworenen benötigten nur etwa drei Stunden für ihre Einigung. Als Strafmaß gilt lebenslange Haft als wahrscheinlich. Die Verteidigung dürfte das Urteil anfechten. In Hollywood laufen schon die Vorarbeiten für einen Film über Silk Road und seinen Drahtzieher "Dread Pirate Roberts".

Ein Geschworenengericht in Manhattan hat Ross Ulbricht für schuldig befunden, die Darknet-Handelsplattform Silk Road eingerichtet und betrieben zu haben. Der heute 30-Jährige war nach Überzeugung der Jury nicht nur der Betreiber mit dem Online-Namen „Dread Pirate Roberts“, die Geschworenen gaben auch allen sieben Anklagepunkten recht, darunter Verschwörung zum Drogenhandel, Anstiftung zu sechs (nie durchgeführten) Mordversuchen, Computereinbrüche und Geldwäsche.

Logo Silk Road (Screenshot: ZDNet.com)

Nach fast einen Monat währenden Verhandlungen brauchte die Jury keine drei Stunden, um zu ihrem einstimmigen Entscheid zu gelangen. Über das Strafmaß entscheiden die Richter, Ulbricht droht aber eine lebenslange Haftstrafe.

Die Verteidigung wird vermutlich Berufung einlegen. Ulbrichts Mutter hat Wired zufolge seine Abführung aus dem Gerichtssaal mit den Worten kommentiert: „Das ist nicht das Ende.“

Ulbricht hatte Silk Road 2011 gegründet. Ob als berechtigterweise anonyme Handelsplattform oder als Umschlagplatz für illegale Waren wie Drogen, bleibt offen. Klar ist, dass der Drogenhandel schon bald bedeutende Umsätze brachte. Zum Zeitpunkt der Schließung waren dort geschätzte 1,2 Milliarden Dollar für illegale Güter bezahlt worden. Ulbrichts Verteidigung beruhte auf seiner Darstellung, die Kontrolle über Silk Road bald nach der Gründung an Unbekannte abgegeben zu haben.

Einer der Anklagepunkte in New York lautete auch, Ulbricht sei Organisator oder „Drahtzieher“ eines fortlaufenden kriminellen Unternehmens gewesen. Er wird in den USA üblicherweise gegen bekannte Mafiabosse und Anführer von Drogenkartellen ins Spiel gebracht, die Straftaten überwiegend von Untergebenen ausführen lassen.

Der Prozess um Silk Road hat einige überraschende Wendungen genommen. So wurde bekannt, dass die Ermittler zwischenzeitlich Mark Karpeles verdächtigten, den CEO der Bitcoin-Wechselbörse Mt. Gox. Als zusätzliches Motiv nahmen sie etwas naiv an, er wolle damit für Bitcoin als anonyme Bezahlform werben. Ulbricht wurde dagegen von einem Studienfreund belastet, der in den Anfangstagen an der Programmierung des Darknet-Marktplatzes mitwirkte.

Die Anklage konnte über Ulbrichts gelaufene Transaktionen von 700.000 Bitcoin nachweisen, umgerechnet gut 14 Millionen Euro. Er wurde mindestens zweimal von Hackern erpresst und versuchte mehrfach, Auftragskiller zu finden, um sich solche Erpresser vom Hals zu schaffen.

Der Fall hat auch jenseits von Fachpresse und Internet-Communitys lebhaftes Interesse gefunden. Reporter Nick Bilton von der New York Times schreibt an einem Buch über Ulbricht, den studierten Kriminellen mit der sanften Stimme, das anschließend von Hollywood verfilmt werden soll. Die Staatsanwaltschaft hingegen kann ihn als Präzedenzfall für ihr Vorgehen gegen andere anonyme Online-Märkte nutzen, auf denen (auch) Drogen und kriminelle Dienstleistungen angeboten werden. Dagegen dürfte der vielfach geäußerte Wunsch nach einer anonymen, aber legalen Handelsplattform im Internet nun auf Jahre hinaus Utopie bleiben.

[mit Material von Nick Statt, News.com]

Themenseiten: Bitcoin, E-Commerce, Gerichtsurteil

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