Forscher ergänzen Suchmaschine um Tag-Cloud

Das an der Universität Helsinki entwickelte System SciNet soll aus einem Suchvorgang einen Entdeckungs- und Verstehensprozess machen. Anwender rücken für ihre Anfrage wichtige und unwichtige Begriffe auf einem "Intent Radar" zurecht, bis das Ergebnis ihren Vorstellungen entspricht.

Forscher der Universität Helsinki haben eine neuartige Suchmaschine vorgestellt, die den Suchenden bei der Einschränkung des Themas durch Tags unterstützt. SciNet, so der Name, interpretiert den Suchvorgang als einen Erkennungsprozess, heißt es.

Suche mit Intent-Radar in SciNet (Screenshot: ZDNet.de bei Youtube)

Die Erfinder postulieren: „Nutzer von SciNet erhalten relevante und vielschichtige Suchergebnisse schneller, besonders wenn sie nicht genau wissen, wonach sie suchen oder wie sie eine Suchanfrage am besten formulieren können.“ Dies gilt selbstverständlich nur dann, wenn die erste Ergebnisseite einer üblichen Suchmaschine oder direkt bei einer Themenseite wie Wikipedia oder IMDB nicht genügt.

Im Mittelpunkt der Suche steht der so genannte Intent Radar aus konzentrischen Kreisen, die von Schlagwörtern (Tags oder auch Keywords) umgeben sind. Der Nutzer kann ihre Relevanz durch Drag and Drop im Kreissystem erhöhen und senken. Je näher am Zentrum, desto wichtiger ein Begriff. Dies, gekoppelt mit einer Vorschau der Treffer, ermöglicht eine einen Suchvorgang, bei dem nicht jede Seite extra besucht werden muss, die nur möglicherweise die gewünschten Informationen enthält.

Professor Giulio Jacucci vom Helsinki Institute for Information Technology (HIIT) glaubt, dass Menschen oft vor einer Suche zurückscheuen, wenn sie sich über das Thema im Unklaren sind. Mit Hilfe der Keyword-Wolke könnten sie ihre Überlegungen formen: „Einigen Schätzungen zufolge wird das digitale Universum aus Dokumenten und Daten sich bis 2020 um Faktor 10 vergrößern. Werkzeuge, die uns helfen, die mit Suche verbrachte Zeit in einen Entdeckungs- und Verstehensprozess zu verwandeln, gewinnen an Bedeutung, um Produktivität und Kreativität voranzubringen.“

Projektkoordinator Tuukka Ruotsalo ergänzt, die Suche entwickle sich oft erst während des eigentlichen Suchvorgangs. Dieses Problems nehme sich SciNet an.

Am HIIT ist außer der Universität Helsinki auch die Universität Aalto beteiligt. Das Suchprojekt hat aber bereits zu einer Ausgründung geführt: der Firma Etsimo Ltd., die die Suchmaschine für komplizierte Anfragen kommerzialisieren soll. An der Technik Interessierte finden in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Communications of the ACM“ einen Essay zu ihrem Modellierungsverfahren unter dem Titel „Interactive Intent Modeling: Information Discovery Beyond Search„.

Auf besondere Probleme dürfte Etsimo stoßen, wenn es an der Verwendung des Namens SciNet festhält. So heißen beispielsweise ein Supercomputing-Konsortium in Toronto, ein Studentennetzwerk der Universität Freiburg und eine Werbeagentur in Augsburg. Das sorgt für Verwirrung – auch wenn die Suchmaschine SciNet zwischen allen problemlos durch Schlüsselwörter unterscheiden kann.

Themenseiten: Forschung, Suchmaschine

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