Sony-Hack: NSA hat seit 2010 Zugriff auf Server in Nordkorea

Der US-Auslandsgeheimdienst überwacht schon seit mehr als fünf Jahren nordkoreanische Hacker mithilfe von Malware. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Computerexperten, ehemalige US-Regierungsvertreter und neue Unterlagen (PDF) aus dem Fundus des Whistleblowers Edward Snowden, die Der Spiegel zur Verfügung gestellt hat. Das sei der Grund dafür, dass die US-Regierung Nordkorea für den Hackerangriff auf Sony Pictures verantwortlich gemacht habe.

NSA-Zentrale in Fort Meade, Maryland, USA (Bild: nsa.gov)

2010 ist es demnach der NSA mithilfe von Südkorea und anderen Verbündeten gelungen, in die nordkoreanischen Netzwerke einzudringen. Das Geheimprogramm habe sich zu dem ambitionierten Projekt entwickelt, Schadsoftware zu platzieren, um die von nordkoreanischen Hackern benutzten Computer und Netzwerke auszuspionieren. Die Zahl der staatlichen Hacker in dem Land schätze das südkoreanische Militär auf rund 6000, so die New York Times weiter.

Ein „Frühwarnsystem“ aus Software habe eine wichtige Rolle bei der Entscheidung von Präsident Barack Obama gespielt, schon relativ früh die Regierung von Kim Jong-Un zu beschuldigen, sie habe den Angriff auf Sony Pictures angeordnet – ein Schritt, der vor allem in der Sicherheits-Community für Verwunderung gesorgt hatte.

Brian Hale, Sprecher des nationalen Geheimdienstdirektors der USA, sagte, er könne den Bericht der New York Times nicht kommentieren, da er sich auf den Hackerangriff auf Sony beziehe. Er bestätigte allerdings, dass die US-Intelligence Community (USIC) genaue Kenntnisse habe über die vielen Versuche Nordkoreas, in den vergangenen Jahren kommerzielle Netzwerke und Cyber-Infrastrukturen in den USA zu infiltrieren.

„Die USIC verfolgt routinemäßig Nordkoreas Angriffe. Auch wenn sich eine Situation nie wiederholt, ist es unser gemeinsames Ziel, Bösewichte davon abzuhalten, kommerzielle Netze und Cyber-Infrastrukturen in den USA auszunutzen, zu stören oder zu beschädigen“, sagte Hale. „Wenn klar wird, dass Cyberkriminelle die Möglichkeit und die Absicht haben, Schaden zu verursachen, arbeiten wir gemeinsam an der Verteidigung der Netzwerke.“

Zu den Angriffen auf Sony Pictures im November hatte sich eine Hackergruppe namens Guardians of Peace bekannt. Sie erbeuteten neben internen Daten und Geschäftsgeheimnissen auch mehrere unveröffentlichte Kinofilme. Die von ihnen im Internet veröffentlichten Daten enthielten Outlook-Postfächer von Sony-Managern, persönliche Informationen von Mitarbeitern und Kopien von Ausweisen von Schauspielern und Crew-Mitgliedern und auch Honorarabrechnungen.

Unter anderem verlangten die Hacker, den Vertrieb von „The Interview“ zu stoppen, den sie als „Film des Terrorismus“ bezeichneten. In dieser Komödie werden zwei Fernsehjournalisten in einen Anschlagsversuch auf den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-Un verwickelt.

Nordkorea hatte jegliche Beteiligung an dem Angriff auf Sony Pictures dementiert. „Wir wissen nicht, wo sich Sony Pictures in Amerika befindet und warum es das Ziel des Angriffs wurde“, sagte ein Sprecher der National Defense Commission der staatlichen Nachrichtenagentur Korean Central News Agency. Der Angriff sei aber möglicherweise eine „gerechte Tat“ von Unterstützern und Sympathisanten Nordkoreas gewesen und eine Reaktion auf die Forderung, den „US-Imperialismus“ zu beenden.

[mit Material von Michelle Myers, News.com]

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2 Kommentare zu Sony-Hack: NSA hat seit 2010 Zugriff auf Server in Nordkorea

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  • Am 20. Januar 2015 um 9:53 von Oh

    Na dannn … die US Geheimdienste dürfen also grundlos und präventiv andere Staaten und alle Bürger weltweit ‚hacken‘? Woher nehmen die sich eigentlich das Recht?

    Das (!) ist doch mit legalen Mitteln nur in seltenen Fällen möglich.

    Darf man nun auch die US Regierung an den Pranger stellen als Land, das Cyber-Terroristen fördert? Oder dürfen die das, weil sie unsere Freiheit und Grundrechte ‚verteidigen‘ – und trotzdem sie diese mit Füßen treten? ;-)

    Schon ziemlich heuchlerisch das ganze Thema.

    Auf das normale Leben angewendet, stünde jeder Bürger durchgehend unter Generalverdacht, und würde ‚zum Schutz seiner Grundrechte‘ totalüberwacht – schöne heile Welt.

  • Am 20. Januar 2015 um 10:07 von PS:

    Und wie auch bei der Vorratsdatenspeicherung in Frankreich wurde weder durch die Speicherung, noch durch das kriminelle überwachen der USA nichts verhindert – weder, dass dumme Menschen auf widerliche Art und Weise morden, noch dass Hacker Sony angegriffen haben.

    Und wer beide Taten durchgeführt hat, kann man auch mit herkömmlichen kriminalistischen Mitteln herausfinden – es ist für die Ermittler nur weniger Bequem. Zum Preis der Einschränkung unser aller Grundrechte. Für mich ein zu hoher Preis.

    Hört sich vielleicht komisch an, aber Terror ist ein Risiko, mit dem wir leben müssen, so wie auch Autounfälle, Bus-, Flugzeug- und Zugunglücke dazu gehören, oder eben tödliche Krankheiten.

    Ein Leben ohne Risiken wird es nie geben – selbst wenn man auf ein Leben ohne Freiheit verzichten würde. Es wäre nur eine Illusion.

    Zumal das stets auch nur die Notmalbürger beträfe – elitäre Kreise (Reiche, Staatsbedienstete und Geheimdienste, Politiker) leben eh nach anderen Regeln, die genießen dann oftmals wie selbstverständlich Sonderrechte. Siehe DDR/Honnecker und seine ‚Kampfgenossen‘.

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