Mitarbeiter von Sony Pictures weiter ohne E-Mail und Netzzugang

Der E-Mail-Zugang soll in den nächsten Tagen wieder stehen. Andere Netzwerk-Funktionen des "papierlos" arbeitenden Filmstudios können noch bis zu sechs Wochen auf sich warten lassen. Die Schadenssumme liegt dem CEO zufolge aber deutlich unter allen Schätzungen und wird von einer Versicherung abgedeckt.

Der CEO von Sony Pictures hat sich zur Situation des Filmstudios infolge des Hacks vom November 2014 geäußert. Michael Lynton zufolge gibt es keine „Störungen“ bei Zahlungen von Gagen und Gehältern, und geplante Filme erscheinen fristgerecht. Allerdings haben seine Mitarbeiter weiter keinen Zugriff auf ihre regulären E-Mail-Konten und ihr Netzwerk.

(Logo: Sony Pictures)

E-Mail werde in den nächsten Tagen wieder Funktionieren, erklärte Lynton der Agentur Reuters. Er ging nicht darauf ein, ob das Management inzwischen tatsächlich wie berichtet auf eine noch parallel vorhandene Blackberry-Umgebung ausgewichen ist.

Bis sämtliche Netzwerkfunktionen wieder zur Verfügung stehen, können noch drei bis sechs Wochen vergehen. Sony Pictures hatte sich stets als papierlos arbeitende, „ökologische“ Firma mit umfassenden digitalen Archiven präsentiert, was sich jetzt als Nachteil erweist.

Lynton, der zugleich auch CEO von Sony Entertainment ist, nahm auch zu Schätzungen Stellung, der Hack habe das Studio bis zu 100 Millionen Dollar gekostet. Er sagte, „es ist tatsächlich weit weniger als irgendeine Summe, die irgendjemand sich vorstellt.“ Eine Versicherung decke die Schadenssumme außerdem komplett ab.

Über den Film „The Interview“, der mutmaßlich Anlass für den Angriff gab, sagte Lynton, er habe bisher 36 Millionen Dollar eingespielt. Die Produktionskosten betrugen 44 Millionen Dollar, Sony hat aber zusätzlich 30 bis 40 Millionen Dollar ins Marketing gesteckt.

Eine Schuldfrage stelle bei Sony Pictures niemand, erklärte Lynton noch. Die Sicherheitsfirma Mandiant habe ihm gesagt, einem solch raffinierten Hackerangriff wären 90 Prozent aller US-Firmen erlegen. Über Sonys Sicherheitsvorkehrungen ist nichts bekannt, einige entwendete Daten wären aber auf nicht mit dem Internet verbundenen Systemen besser aufgehoben gewesen.

In der Filmkomödie „The Interview“ werden zwei Fernsehjournalisten in einen Anschlagsversuch auf den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-Un verwickelt. Die Hackergruppe „Guardians of Peace“ hat das Werk als „Film des Terrorismus“ bezeichnet. Es gelang ihr, etwa umfangreiche Personaldateien und mehrere vollständige unveröffentlichte Filme zu stehlen. Für Sony besonders pikant waren aber die entwendeten und in der Folge publizierten E-Mails. Sie enthüllten etwa Versuche der Hollywood-Studios, den Einfluss von Google auf die Regierung zu verringern und das umstrittene Gesetz SOPA doch noch durchzudrücken.

In einem ungewöhnlich deutlichen Schritt machte US-Präsident Barack Obama Nordkorea direkt für die Angriffe verantwortlich und verhängte in der Folge Sanktionen gegen die Volksrepublik. Er begründete sie mit „provokativen, destabilisierenden und repressiven Handlungsweisen sowie politischen Vorgaben der Regierung Nordkoreas einschließlich destruktiver, erpresserischer Cyberaktivitäten im November und Dezember 2014“. Er bezieht sich auf Angaben des FBI, das eindeutige Spuren nach Nordkorea meldet.

Nordkorea selbst hat bisher jegliche Beteiligung an dem Angriff auf Sony Pictures dementiert. „Wir wissen nicht, wo sich Sony Pictures in Amerika befindet und warum es das Ziel des Angriffs wurde“, sagte ein Sprecher der National Defense Commission der staatlichen Nachrichtenagentur Korean Central News Agency. Der Angriff sei aber möglicherweise eine „gerechte Tat“ von Unterstützern und Sympathisanten Nordkoreas gewesen und eine Reaktion auf die Forderung, den „US-Imperialismus“ zu beenden.

[mit Material von Don Reisinger, News.com]

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Themenseiten: Hacker, Sony Pictures

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