FBI-Direktor: Sony-Hacker waren „nachlässig“

Laut James Comey haben sie zwar Proxy-Server verwendet, um ihre Idendität zu verschleiern, aber nicht durchgängig. So konnte das FBI nach eigenen Angaben ihre Spur anhand der IP-Adressen nach Nordkorea zurückverfolgen. Daher ist es der "festen Überzeugung", dass Nordkorea hinter den Angriffen auf Sony Pictures steckt.

FBI-Direktor James Comey hat sich am Mittwoch bei einer Veranstaltung an der Fordham University in New York zur Vorgehensweise der Hacker geäußert, die sich Ende November Zugriff auf Server von Sony Pictures verschafft hatten. Ihm zufolge nutzten die Angreifer Proxy-Server, um ihre wahre Identität zu verschleiern, seien aber mehrmals „nachlässig“ gewesen, so dass das FBI ihre Spur nach Nordkorea zurückverfolgen konnte.

FBI-Direktor James Comey (Bild: FBI)

„Entweder weil sie nicht daran gedacht haben oder aufgrund eines technischen Problems haben sie sich direkt verbunden, und wir konnten feststellen, dass die von ihnen verwendeten IP-Adressen ausschließlich von den Nordkoreanern genutzt werden“, sagte Comey nach Angaben von Dark Reading. „Sie haben es sehr schnell abgebrochen, als sie den Fehler bemerkten, aber nicht, bevor wir sehen konnten, woher sie stammten.“

Die US-Bundespolizei hat aufgrund dessen kaum Zweifel daran, dass die Cyberattacke gegen Sony Pictures von Nordkorea ausging. Durch das schlampige Vorgehen der Angreifer konnten sie direkt mit nordkoreanischen IP-Addressen in Verbindung gebracht werden, wie die New York Times anmerkt.

Corney erklärte zudem, dass die Cyberkriminellen Ablenkungsmethoden eingesetzt hätten, um die Spuren ihrer Identität zu verwischen. Allerdings ging er nicht näher auf ihre konkreten Fehler ein, die das FBI zu der „festen Überzeugung“ führten, dass Nordkorea hinter den Angriffen steckt. Letztlich handelt es sich also lediglich um Indizien und es ist nicht abschließend geklärt, ob tatsächlich die nordkoreanische Regierung für die Angriffe verantwortlich ist.

Grund für die Attacke war offenbar der anstehende US-Start der Filmkomödie „The Interview“, in der zwei Fernsehjournalisten in einen Anschlagsversuch auf den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-Un verwickelt werden. Die Hackergruppe „Guardians of Peace“ hatte das Werk als „Film des Terrorismus“ bezeichnet.

Über welche Sicherheitsmechanismen Sony Pictures verfügte, ist nicht bekannt. Unter anderem wurden von den Hackern Daten gestohlen, die auf nicht mit dem Internet verbundenen Systemen besser aufgehoben gewesen wären – etwa umfangreiche Personaldateien und mehrere vollständige unveröffentlichte Filme. Für Sony besonders pikant waren aber die entwendeten und in der Folge publizierten E-Mails. Sie enthüllten etwa Versuche der Hollywood-Studios, den Einfluss von Google auf die Regierung zu verringern und das umstrittene Gesetz SOPA doch noch durchzudrücken.

In einem ungewöhnlich deutlichen Schritt machte US-Präsident Barack Obama Nordkorea zuletzt direkt für die Angriffe verantwortlich und verhängte in der Folge Sanktionen gegen die Volksrepublik. Er begründete sie mit „provokativen, destabilisierenden und repressiven Handlungsweisen sowie politischen Vorgaben der Regierung Nordkoreas einschließlich destruktiver, erpresserischer Cyberaktivitäten im November und Dezember 2014“.

Nordkorea selbst hat bisher jegliche Beteiligung an dem Angriff auf Sony Pictures dementiert. „Wir wissen nicht, wo sich Sony Pictures in Amerika befindet und warum es das Ziel des Angriffs wurde“, sagte ein Sprecher der National Defense Commission der staatlichen Nachrichtenagentur Korean Central News Agency. Der Angriff sei aber möglicherweise eine „gerechte Tat“ von Unterstützern und Sympathisanten Nordkoreas gewesen und eine Reaktion auf die Forderung, den „US-Imperialismus“ zu beenden.

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com]

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Themenseiten: Federal Bureau of Investigation, Hacker, Sony Pictures

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