Google testet ungenutztes Funkfrequenzband um 3,5 GHz

Neuen Anträgen zufolge experimentiert es etwa mit dynamischer Frequenzzuweisung. In dem Band könnten Kleinzellen-Funkdienste eine alternative Versorgung zu Mobilfunk besonders in Großstädten ermöglichen. Die FCC beschäftigt sich seit 2012 mit der Option.

Google hat einem Bericht des Wall Street Journal zufolge unbemerkt Pläne vorangetrieben und Tests durchgeführt, um vielleicht eines Tages ein alternatives Funknetz im Spektrum um 3,5 GHz anbieten zu können. Dieses Frequenzband wird in den USA „Innovation Band“ genannt. Die Kommunikationsbehörde FCC untersucht seit drei Jahren, in welcher Form es sich nutzen und freigeben ließe.

Google-Logo (Bild: Google)

Der Frequenzbereich würde sich vor allem für kleinzellige Nahbereichsnetze eignen, die in Städten eine Alternative zu Standard-Mobilfunktechniken oder vielmehr Ergänzung dazu wären. Er wird derzeit fast nicht genutzt.

Der ursprüngliche FCC-Vorschlag von 2012 sah die Konzeption eines „Citizens Broadband Radio Service“ vor, also eines Breitband-Funkdiensts für Bürger, der bis zu 150 MHz Bandbreite bekommen könnte. Sie würde nicht in statische Blocks aufgeteilt und versteigert, sondern dynamisch nach Bedarf zugewiesen. Es könnte drei Schichten geben: für Behörden, priorisierte Zugänge (PALs) und einen weitgehend unbeschränkten „General Authorised Access“ (GAA), wie Fierce Wireless Tech berichtet.

Über Google ist bekannt, dass es vergangenes Jahr eine Testlizenz für das 3,5-GHz-Band beantragt hat, die für seine Zentrale in Mountain View und eine Niederlassung in Washington DC gilt. Dies meldete der technische Berater Steven Crowley, der auch schon Googles Pläne für ein Netz aus LTE-Basisstationen im Bereich um 2,6 GHz öffentlich gemacht hatte.

Das Wall Street Journal verweist zudem auf zwei kürzlich von Google angeheuerte Funkspezialisten: Andrew Clegg war zuvor bei der National Science Foundation beschäftigt, Preston Marshall bei der Militärforschungsbehörde DARPA. Zudem hat Google 2014 mit Alpental Technologies ein Start-up übernommen, das billige Funktechniken mit großem Durchsatz entwickelte.

Cleggs Name taucht auf einem diese Woche von Google bei der FCC eingereichten Anträgen auf, in dem um eine Modifikation der 3,5-GHz-Lizenz gebeten wird. Er steht dort neben dem von Milo Medin, dem Vice President für Zugangsdienste. Einer der Anträge zeigt, dass Google Ausbreitungstests durchführen und eine Kanalzuweisung mittels Spectrum Access System (SAS) erproben möchte. Außerdem erklärt Google dort, die Tests hätten keine Störung für andere Nutzer des fraglichen Frequenzbands – etwa das Verteidigungsministerium – zur Folge.

SAS ist ein von Google entwickeltes System, um ein Frequenzspektrum dynamisch zuzuweisen, ganz wie es die FCC fürs 3,5-GHz-Band vorsieht. Google hat es für Versuche mit freien Fernsehbändern in den USA und Großbritannien entwickelt. Dieser Idee steht etwa der Netzbetreiber AT&T ablehnend gegenüber, der dadurch ein Durcheinander auf dem 3,5-GHz-Band erwartet.

Google ist mit seinem Projekt Fiber bereits Zugangsprovider in mehreren US-Städten geworden. Es sorgt dort per Glasfaser für Durchsätze von 1 GBit/s zum Preis von 70 Dollar monatlich – ohne Datenlimit. Projektleiter für Google Fiber war kein anderer als ebenfalls Milo Medin.

[mit Material von Liam Tung, ZDNet.com]

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Themenseiten: AT&T, Federal Communications Commission (FCC), Google, Telekommunikation

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