Sony-Pictures-CEO macht Mitarbeitern Mut und droht Medien

The Verge hat dennoch die E-Mail-Korrespondenz des Studios ausgewertet und ein gegen "Piraterie durch Suchmaschinen" gerichtetes Projekt namens Goliath aufgedeckt. Es tritt für Blockaden von Servern durch ISPs ein und versucht, Googles Einfluss im Justizministerium zurückzudrängen.

Sony Pictures hat gestern eine Mitarbeiterversammlung einberufen, auf der die Chefetage versuchte, die Angestellten zu ermutigen. Laut Variety sagte CEO Michael Lynton: „Das wird uns nicht in die Knie zwingen. Sie sollten sich keine Sorgen über die Zukunft dieses Studios machen.“

(Logo: Sony)

Lynton verurteilte nicht nur den „kriminellen Angriff“, sondern entschuldigte sich auch bei den Mitarbeitern, dass die Unbekannten Zugriff auf deren persönliche Daten bekamen. Dem Bericht zufolge spendete die Belegschaft seinen Ausführungen Beifall.

Parallel hat Sony Redaktionen wie die New York Times aufgefordert, eventuell in ihren Besitz gekommenes Material von Sony zu löschen. Sollten die Journalisten dem nicht nachkommen, droht Sony mit Konsequenzen: Für eventuelle „Schäden oder Verluste durch Ihre Nutzung oder Verteilung“ der Materialien würden die Medien zur Verantwortung gezogen.

Dieser Aufforderung ist beispielsweise The Verge nicht nachgekommen, das Sonys Korrespondenz über Google ausgewertet hat. Demnach verfolgen die großen US-Filmstudios eine Kampagne namens „Project Goliath“, wobei Goliath ein interner Name für Google scheint. Beteiligt sind die Lobbygruppe MPAA und die Studios Universal, Sony, Fox, Paramount, Warner Bros sowie Disney.

Im Rahmen der im Januar 2014 begonnenen Aktion beschlossen sie, stärker für Blockaden von Servern einzutreten. Es wurden Risiken diskutiert, um öffentliche Reaktionen wie die auf den Gesetzesentwurf SOPA zu vermeiden. Im Rahmen von Project Goliath soll außerdem „Piraterie durch Suchmaschinen“ bekämpft werden, wobei die angeführten Beispiele laut The Verge eindeutig auf Google verweisen.

Zudem geht es um angebliche Drohungen Googles gegenüber der Staatsanwaltschaft und Überlegungen der Studios, wie es den Einfluss des Suchkonzerns auf das Justizministerium zurückdrängen kann. Die Gruppe beschloss diesbezüglich unter anderem, „bessere Beweise gegen Goliath“ zu sammeln. Im Fazit der Publikation heißt es, die E-Mails der rund 60 an den geheimen Diskussionen beteiligten Studio-Vertreter zeigten eine „bemerkenswerte Feindseligkeit gegenüber Goliath“.

Ende November hatten Medien erstmals von einem erfolgreichen Hackerangriff auf Sony Pictures (SPE) berichtet. Die Angreifer behaupteten, interne Daten und Geschäftsgeheimnisse erbeutet zu haben. Sie drohten mit der Veröffentlichung der gestohlenen Daten, falls Sony Pictures die nicht näher genannten Forderungen der Hacker nicht erfülle. SPE produziert und vertreibt Spielfilme sowie TV-Serien. Andere Sparten des japanischen Elektronikkonzerns waren zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht betroffen.

Kurz darauf tauchten die ersten Daten im Internet auf. Darunter waren Outlook-Postfächer, persönliche Informationen von Mitarbeitern und Kopien von Ausweisen von Schauspielern und Crew-Mitgliedern, die an Filmprojekten von Sony Pictures gearbeitet haben. Wenige Tage später erschienen zudem mehrere unveröffentlichte Filme auf Filesharing-Sites.

In einer besonders pikanten E-Mail-Korrespondenz zwischen CEO Michael Lynton und Co-Chairman Amy Pascal wird die Schauspielerin Angelina Jolie als „verzogene Göre mit minimalem Talent“ bezeichnet. Außerdem machten die Studiobosse rassistische Witze über den Filmgeschmack des US-Präsidenten Barack Obama. Weitere Veröffentlichungen sind als „Weihnachtsgeschenk an Sony“ angekündigt.

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Themenseiten: Google, Hacker, Politik, Sony, Sony Pictures, Urheberrecht

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