Prüfer: Polen schlecht auf Cyberangriffe vorbereitet

In einem Bericht des Ministeriums für Verwaltung und Digitalisierung von 2012 steht beispielsweise, Cybercrime stelle nur eine geringe Bedrohung dar. Es habe auch keine finanzielle Auswirkungen auf den Staat. Koordinationsaufgaben in diesem Bereich habe es daher derzeit keine.

Polnische Behörden sind in einem staatlichen Audit ihrer Cybersicherheitsmaßnahmen durchgefallen. Die Najwyższa Izba Kontroli (Oberste Kontrollkammer, abgekürzt NIK) befindet, es gebe viel zu wenig Zusammenarbeit und auch nicht die nötigen Kompetenzen, um mit Cyberbedrohungen fertig zu werden. Das erklärte ihr Direktor Marek Bienkowski bei einer Sicherheitskonferenz in Warschau.

Polen: Partnerland der CeBIT 2013 (Bild: ZDNet.de)

Die im Sommer begonnene Prüfung ist noch nicht abgeschlossen, eine offizielle Bekanntgabe steht noch aus. Die offenen Worte des Direktors lassen aber darauf schließen, dass die Befunde eindeutig sind.

Er sagte konkret, Innenministerium, Ministerium für Verwaltung und Digitalisierung sowie Verteidigungsministerium kommunizierten zu wenig miteinander. Polizei und wissenschaftliche Computernetze seien schlecht ausgerüstet. Nur aus wenigen bestimmten Anlässen habe es effiziente Maßnahmen gegeben. Die Polizei und der Inlandsgeheimdienst ABW seien sich der Gefahr zwar bewusst, der Polizei fehlten aber die nötigen Sicherheitssysteme, dem ABW die Ressourcen.

Politisch sei die Situation noch schlimmer. Die zuständigen Politiker warteten lieber Direktiven der EU ab, erklärte Bienkowski. Das nationale Sicherheitsbüro habe zwar ein Cybersecurity-Framework entwickelt, aber es sei nur eine Empfehlung. Im Innenministerium gebe es beispielsweise keine festen Verpflichtungen zur Absicherung der staatlichen Systeme. Dort fühle sich auch niemand verantwortlich.

Das Ministerium für Verwaltung und Digitalisierung reagiere nur spontan auf Zwischenfälle, die sich gerade ereignen, geht die Schelte des Prüfers weiter. Es gebe keine Vorbereitung, keine langfristige Vision. Auch habe das 2011 gegründete Ministerium viel zu wenig Kompetenz in den Bereichen Cybercrime und digitale Bedrohungen. Und nachdem es vor drei Jahren aus dem Innenministerium ausgegliedert wurde, werden mit diesem keine Akten mehr ausgetauscht.

„Wir waren baff, als wir in einem Bericht [des Ministeriums für Verwaltung und Digitalisierung] von 2012 lasen, Cybercrime stelle nur eine geringe Bedrohung dar, sei ohne finanzielle Auswirkungen auf den Staat, und das Ministerium übernehme in diesem Bereich derzeit keine Koordinationsaufgaben“, zitiert die polnische Agentur PAP den Auditor.

Die Ministerien wollen den Bericht vorerst nicht kommentieren. Sie berufen sich darauf, dass ihnen das Ergebnis noch nicht vorliege.

[mit Material von Michiel van Blommestein, ZDNet.com]

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