Indischer Android-One-Hersteller an Nokia-Fabrik interessiert

Nokia bestätigt einen Interessenten, kann aber keinen Namen nennen. Die Anlage in Chennai steht seit einem Monat still: Microsofts Aufträge sind ausgelaufen, und Nokia selbst stellt keine Smartphones mehr her. Aufgrund eines Steuerstreits sind Nokias Vermögenswerte in Indien eingefroren, was einen Verkauf unmöglich macht.

Der indische Smartphone-Hersteller Lava erwägt angeblich einen Kauf von Nokias Smartphonefabrik in Chennai. Das berichtet die Economic Times. Lava war zuletzt als einer der Partner von Android One auffällig geworden. Es lässt seine Smartphones der Marken Lava und Xolo bisher in China herstellen, würde aber gern mehr in seiner Heimat fertigen.

Nokia-Logo (Bild: Nokia)

Nokia hat die Arbeiten in der indischen Fabrik diesen Monat auslaufen lassen, nachdem ein Fertigungsabkommen mit Microsoft zu Ende ging. Sie wurde nicht mit der Gerätesparte an Microsoft verkauft. Damals arbeiteten 6000 Angestellte in der Fabrik, von denen viele Nokias Abfindungsangebot akzeptierten.

Aufgrund eines anhaltenden Streits um angeblich ausstehende Steuern konnte Nokia die Fabrik nach eigenen Angaben bisher nicht verkaufen: Das Finanzamt habe eine Sperre verhängt, ließ es wissen, dabei gehe es für Indien um „ein voll funktionsfähiges Ökosystem für die Elektronikherstellung“. Laut der Economic Times hat der finnische Konzern unlängst im Hinblick auf einen möglichen Verkauf seine Lizenz verlängern lassen.

Lava ist IDC zufolge der drittgrößte indische Smartphone-Hersteller – und einer der am schnellsten wachsenden weltweit. Im dritten Quartal kam er dort auf einen Marktanteil von 8 Prozent – gegenüber 6 Prozent im Vorquartal. Er überholte damit Karbonn, das ebenfalls auf Android One setzt und sein Modell Sparkle V neuerdings auch in Großbritannien anbietet.

Gegenüber ZDNet.com kommentierte Nokia, es könne eine Kontaktaufnahme durch einen Interessenten an der Anlage in Chennai bestätigen, aber darüber hinaus keine Auskunft geben. Es betont weiter, dass Indien Interesse daran haben müsste, die Verkaufssperre aufzuheben: „Nach dem Produktionsende in Chennai fordern wir die Regierung auf, das von der Steuerbehörde angeordnete Einfrieren der Vermögenswerte aufzuheben, sodass wir eventuelle Verkaufsoptionen prüfen können. Das ist nicht nur für Nokia dringlich, das keine Smartphones mehr herstellt, sondern auch für ein Land, das lokale Herstellung fördern und seine Abhängigkeit von Elektronikimporten vermindern will. Wir glauben, dass ein Verkauf weit bessere Beschäftigungsperspektiven für die Region brächte und die Regierungsinitiative ‚Make in India‘ unterstützen würde.“

Nokia hat zwar erst vor zehn Tagen ein Android-Tablet vorgestellt, dieses wird jedoch von Foxconn in China produziert und auch vertrieben. Nokia hat das Projekt als Beispiel für künftige Lizenzierungen seiner Marke bezeichnet. Sein Interesse gilt vor allem der auf dem Tablet aufgespielten, von ihm entwickelten Launcher-Software, wie Techcrunch berichtet.

[mit Material von Liam Tung, ZDNet.com]

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Themenseiten: China, Indien, Lava, Nokia, Smartphone

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