Twitter setzt auf Umsätze mit Datenzugriffslizenzen

"Wir glauben, dass diese Daten kolossale Erkenntnisse für Firmen enthalten." Als Beispiel nennt President Adam Bain einen Hersteller von Friteusen. Dieser nimmt angeblich Tweets über matschige Pommes als Basis für die Neukundenakquise.

Twitter-President Adam Bain hat sich zur wirtschaftlichen Perspektive seines Unternehmens geäußert. Auf dem Dublin Web Summit in Irland sagte er, Twitter erwarte beträchtliche Umsätze aus der Lizenzierung seiner Datenströme, wie VentureBeat berichtet.

Twitter-Zentrale (Bild: James Martin / CNET)

Ein Jahr nach dem eher verhalten aufgenommenen Börsengang von Twitter am New York Stock Exchange steht die Frage nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell immer noch im Raum, zumal das Wachstum der Nutzerbasis nachgelassen hat. Bain fasste in Dublin zusammen, er sehe vor allem drei große Umsatzquellen: Werbung, Daten und E-Commerce.

Das Geschäft mit den Datenlizenzen hat dem Manager zufolge innerhalb der letzten zwölf Monate um 171 Prozent zugelegt. Die 500 Millionen Tweets, die 284 Millionen Nutzer täglich erstellen, seien eine wichtige Informationsquelle für bestimmte Firmen.

Beispielsweise sei er einmal von einem Hersteller von Friteusen für Restaurants kontaktiert worden, was ihn zunächst gewundert habe. Es stellte sich aber heraus, dass diese Firma nach Tweets suchte, in denen matschige Pommes frites erwähnt wurden. Den darin erwähnten Restaurants unterbreitete sie anschließend ein Kaufangebot für eine neue Friteuse oder Reparaturdienste.

„Wir glauben, dass diese Daten kolossale Erkenntnisse für Firmen enthalten“, wird Bain zitiert. „Einmalig daran ist, dass es sich um die unserer Meinung nach größte Sammlung öffentlicher Konversationen handelt. Für die Nutzung gibt es einige interessante Ansätze.“

Auch über das Potenzial des E-Commerce für Twitter sprach Bain – schließlich experimentiert das Unternehmen schon mit einem „Jetzt kaufen“-Button und ermöglicht es, Waren per Tweet in einen Amazon-Einkaufskorb zu legen. „Das steht noch am Anfang. Wir experimentieren mit diversen Preispunkten und Produkten. Vor allem aber versuchen wir herauszufinden, welche Emotionen man generieren muss, damit die Menschen etwas spontan kaufen. In diesem Bereich ist es unsere Aufgabe, Gefühle zu monetarisieren.“

Twitter hat vor einer Woche Produktchef Daniel Graf degradiert und ihm die Zuständigkeit für alle Teams genommen, die Verbraucherprodukte entwickeln. Seine Rolle übernimmt Twitters Vice President Kevin Weil, der seit 2009 für den Mikroblogging-Dienst tätig ist und damit schon als Veteran gilt. Die Personalie zeigt, dass CEO Dick Costolo unzufrieden ist mit der Zeit, die von ersten Experimenten bis zu offiziellen Produkteinführungen vergeht.

Einen Tag zuvor hatte Twitter eine Kooperation mit IBM angekündigt, die offenbar technische Basis für die angestrebten Datenlizenzen ist. Gemeinsam wollen die Firmen Enterprise-Applikationen und Beratungsdienste anbieten, die sich Twitters Daten zunutze machen. Die Auswertung übernehmen IBMs cloudbasierte Analysedienste wie Watson Analytics.

[mit Material von Tom Jowitt, TechWeekEuope.co.uk]

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