Internetnutzung in Deutschland weist weiterhin West-Ost-Gefälle auf

In Brandenburg hatten 2013 nur drei Viertel aller Haushalte einen Internetzugang. Einzig Thüringen lag hier von den neuen Bundesländern über dem Bundesdurchschnitt. Spitzenreiter bei der regelmäßigen Internetnutzung sind Hamburg und Rheinland-Pfalz.

Bei der Internetnutzung in Deutschland gibt es nach wie vor messbare Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern. Zwar ist mittlerweile eine Mindestbandbreite von 1 MBit/s für 99,9 Prozent aller Haushalte verfügbar, im Osten nutzen jedoch deutlich weniger einen Internetanschluss als im Westen. Das teilt der Hightech-Verband Bitkom auf Basis aktueller Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat mit.

Bei der Internetnutzung und Breitbandversorgung gibt es noch deutliche Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern (Grafik: Bitkom).

Demnach hatten in Brandenburg im vergangenen Jahr lediglich drei Viertel der Haushalte (76 Prozent) einen Internetzugang. In Mecklenburg-Vorpommern (78 Prozent), in Sachsen (82) und in Sachsen-Anhalt (85) waren es etwas mehr. Einzig Thüringen lag mit 89 Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 88 Prozent. Führend waren Niedersachsen (92 Prozent), die Stadtstaaten Bremen (91) und Hamburg (90) sowie Schleswig-Holstein (90). „Die Unterschiede zwischen Ost und West bei der Nutzung von IT und Internet sind nach wie vor signifikant“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Vier von fünf Deutschen (80 Prozent) sind laut Eurostat mindestens einmal wöchentlich online. Auch hier liegen Mecklenburg-Vorpommern (67 Prozent der Einwohner), Brandenburg (68), Sachsen (74) und Sachsen-Anhalt (75) deutlich unter dem Schnitt. An der Spitze stehen Hamburg und Rheinland-Pfalz mit je 84 Prozent der Einwohner.

Das West-Ost-Gefälle bei der Internetnutzung dürfte auch mit der unterschiedlichen Breitbandversorgung in alten und neuen Bundesländern zusammenhängen. Derzeit ist für fast zwei Drittel aller deutschen Haushalte (64 Prozent) Breitband-Internet mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 MBit/s verfügbar, meist per Festnetz. Das ergab Mitte dieses Jahres eine Studie des TÜV Rheinland im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ob derart schnelle Zugänge vorhanden sind, hängt maßgeblich von der Siedlungsstruktur ab. Für vier von fünf (82 Prozent) Haushalte in deutschen Städten sind aktuell Anschlüsse mit über 50 MBit/s verfügbar, für jeden fünften Haushalt (20 Prozent) in ländlichen Gemeinden. Rohleder begründet diesen Unterschied mit hohen Investitionskosten für die Anbieter: „Die Investitionen pro Festnetzanschluss sind im ländlichen Raum etwa drei- bis fünfmal so hoch wie in der Stadt. Da die Endkunden auf dem Dorf nicht mehr zahlen als in der Stadt, ist ein Ausbau für private Anbieter nicht immer wirtschaftlich machbar.“

In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sind die Haushalte mit jeweils rund 90 Prozent weitgehend versorgt mit solch schnellen Anschlüssen. In westdeutschen Flächenstaaten liegt der Versorgungsgrad meist zwischen 60 und 70 Prozent. Da die neuen Bundesländer tendenziell dünner besiedelt sind, sind laut Bitkom für entsprechend weniger Haushalte 50-MBit/s-Anschlüsse verfügbar: in Sachsen derzeit für 46 Prozent der Haushalte, in Mecklenburg-Vorpommern für 43 Prozent, in Brandenburg für 35 Prozent, in Thüringen für 35 Prozent und in Sachsen-Anhalt für 32 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Computernutzung. Laut Eurostat-Umfrage hat jeder zehnte Deutsche (10 Prozent) noch nie einen PC, Laptop oder Tablet-Computer genutzt. In Brandenburg war es sogar jeder sechste (16 Prozent), in Mecklenburg-Vorpommern jeder siebte (15 Prozent) und in Sachsen jeder achte (13 Prozent). Auch bei diesem Kriterium hebt sich Thüringen positiv ab: Lediglich jeder dreizehnte Thüringer (7 Prozent) hat noch nie in seinem Leben einen Computer genutzt.

Themenseiten: Bitkom, Breitband, Internet, Marktforschung

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