NSA-Affäre: US-Regierung drohte Yahoo mit Bankrott

Yahoos Anwälte haben in einem Blogeintrag weitere Details zu dem von der US-Regierung angedrohten Bußgeld veröffentlicht, mit dem die Herausgabe von Nutzerdaten erzwungen werden sollte. Demnach sollte die Strafzahlung von 250.000 Dollar täglich jede Woche verdoppelt werden, bis Yahoo den Forderungen nachgekommen wäre. Damit wäre sie geeignet gewesen, den Internetkonzern innerhalb weniger Wochen zahlungsunfähig zu machen.

NSA

„Einfaches Nachrechnen zeigt, dass Yahoo durch die Nichterfüllung der Forderung im ersten Monat eine Strafe von mehr als 25 Millionen Dollar drohte, und eine Strafe von mehr als 400 Millionen Dollar im zweiten Monat, wenn das Gericht dem Antrag der Regierung entsprochen hätte“, schreiben die Anwälte Marc Zwillinger und Jacob Sommer in dem Blogeintrag.

Yahoos Umsatz im Kalenderjahr 2008 betrug 7,2 Milliarden Dollar. In dem Jahr hatte die Regierung von Präsident Bush versucht, über das Geheimgericht Foreign Intelligence Surveillance Court Yahoo zur Teilnahme am Überwachungsprogramm PRISM zu zwingen.

Schon im vierten Monat wäre das Bußgeld höher gewesen als der Nettowert des Internetkonzerns. Im fünften Monat hätte die Gesamtstrafe bei 7,3 Billionen Dollar gelegen – die damalige Staatsverschuldung der USA betrug 9,5 Billionen Dollar. Damit hätte Yahoo sehr schnell jegliche Gewinne und sein gesamtes Vermögen inklusiver aller Barreserven verloren, was das Aus für das Unternehmen bedeutet hätte.

Yahoo musste schließlich die behördlichen Anforderungen umsetzen, obwohl es sie für verfassungsrechtlich bedenklich hielt. Aus im Juni 2013 veröffentlichten Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden geht hervor, dass neben Yahoo praktisch alle wichtigen US-Technikfirmen einschließlich Google, Facebook, Apple und AOL den Forderungen nachkamen. NSA-Dokumenten zufolge schloss sich Microsoft dem PRISM-Programm schon vor der Entscheidung zu Yahoos Beschwerde an.

Yahoo drängt noch immer zur Freigabe weiterer Dokumente aus dem eigentlichen Gerichtsverfahren der Jahre 2007 bis 2008. Die jetzt vom FISC-Berufungsgericht freigegebenen 1500 Seiten will das Unternehmen vollständig veröffentlichen. “Wir werden weiterhin Anforderungen und Gesetze anfechten, die wir als rechtswidrig, unklar oder zu breit ausgelegt betrachten”, bekräftigte der Chefjurist von Yahoo in der vergangenen Woche.

[mit Material von Zack Whittaker, ZDNet.com]

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15 Kommentare zu NSA-Affäre: US-Regierung drohte Yahoo mit Bankrott

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  • Am 17. September 2014 um 8:34 von Judas Ischias

    Und trotzdem werden die speziellen Apple-Propagandisten weiter behaupten, dass Apple keine Daten weiter gegeben hat. ;)
    Auch wenn deren Oberäpfel weiter behaupten werden, dass Apple selbst gar keinen Zugriff auf die Daten hat.
    Oder sie haben ein kleines Türchen für die NSA eingebaut, damit man weiterhin die Hände in Unschuld waschen kann. ;)
    Zumindest in der Öffentlichkeit für ihre treuen, gläubigen Kunden und pleite gehen will Apple bestimmt auch nicht, was sonst, trotz des hohen, im Ausland gehortenden Vermögens, passieren würde.;)

    • Am 17. September 2014 um 9:18 von mathias

      Meine Güte hast du ein armseliges Leben deren einziger Sinn das bashen eines Unternehmens ist. Wieso muss mann eigentlich bei jeder Meldung und selbst wenn sie sich auf das Jahr 2008 bezieht, gleich das Unternehmen aus Cupertino erwähnen.Ich würde mir an deiner Stelle mal Professionelle Hilfe suchen.

      • Am 17. September 2014 um 10:00 von bug

        Warum wohl? Weil dieses Unternehmen meint uns offensichtlich und dreist anlügen zu dürfen.

      • Am 19. September 2014 um 22:54 von Judas Ischias

        Na Mathias, hast Du denn heute schon den Bericht gelesen, Transparenzbericht:Auch Apple erhält Anfragen nach US Patriot Act?
        Kam um 14:29 Uhr.

    • Am 19. September 2014 um 10:03 von Officer

      Das ist Staatsterror vom feinsten……..scheinbar hat der Congress die Geheimdienste nicht mehr unter kontrolle?
      Die NSA ist ein Krebsgeschwuer und wird den Staat USA verseuchen, wenn nicht etwas dagegen getan wird
      Die NSA ist nicht besser als der Terrorrismuss den sie vorgeben bekaempfen zu wollen!………Nur subtieler.

  • Am 17. September 2014 um 9:04 von Tim

    Mir stach das zuerst in die Augen: „NSA-Dokumenten zufolge schloss sich Microsoft dem PRISM-Programm schon vor der Entscheidung zu Yahoos Beschwerde an.“
    Das nennt man vorauseilenden Gehorsam. Und ja, klar, Google und Facebook als ergiebigste Ziele sind mit dabei.

  • Am 17. September 2014 um 10:03 von Frank Furter

    Was sollen denn diese bekloppten „Glaubenskriege“????

    JEDES Unternehmen mit Firmensitz, Rechenzentren, Cloudspeichern etc. in den USA unterliegt dem Patriot Act! Deshalb kann jedes Unternehmen vollkommen legal gezwungen werden, Daten an Regierungsstellen herauszugeben.
    Und wie am Beispiel yahoo (zwar nachträglich) an die Öffentlichkeit gebracht, sind diese Regierungsstellen nicht zimperlich bei den Mitteln ihrer Wahl.

    Und ist zulässig, zu vermuten, dass auch alle anderen Firmen in den USA die Daten in ihrem Besitz mehr oder minder freiwillig herausgegeben haben – unabhängig vom Firmenlogo oder Namen.

  • Am 17. September 2014 um 12:49 von Judas Ischias

    @Mathias,
    weil genau die hohen Herren von diesem Unternehmen aus Cupertino immer wieder in der Öffentlichkeit betonen, keine Daten an Regierungsstellen abzugeben.
    Und weil es hier ein paar Anhänger von der Firma aus Cupertino gibt, die diese Erklärungen, wie Du anscheinend auch, für bare Münze nehmen und hier versuchen, diese Erklärungen der Firma aus Cupertino als die Wahrheit zu verkaufen.
    Dies hat überhaupt nichts mit bashen zu tun.
    Und falls es dir dann wieder besser geht, es ist nicht nur Apple betroffen, sondern es sind ALLE IT-Firmen, auch wenn noch so oft das Gegenteil behauptet wird.
    Und was spielt es JETZT noch für eine Rolle, ob eine Firma schon vorher „freiwillig“ die Daten an Regierungsstellen abgegeben hat?
    „Jetzt“ sind jedenfalls „ALLE“, nach Patriot Act verpflichtet die Daten rauszurücken, egal wie dies passiert, ob durch eingebaute Hintertür oder ob einmal in der Woche Herr Cook persönlich mit den Daten in eine dieser Regierungsstellen fährt.

  • Am 18. September 2014 um 9:51 von tomte

    Quasselte Bush damals nicht von „flexible response“?

    Exponentiell steigende Erpressungszahlungen sind de facto die staatlich erzwungene Betriebsstillegung in wenigen Monaten – wenn nicht Wochen.

    Und das betraf und betrifft jede Firma im Reich des Bösen, sprich im Reich der NSA und des patriot act.

  • Am 18. September 2014 um 14:42 von hamster

    es ist nichts neues, dass kommis, egal in welchem forum, die apple-kritisch sind, als apple-bashing bezeichnet werden :D
    —-
    ich frage mich, warum sollte ausgerechnet apple, mit bald 1mrd kunden, von all den repressalien der us-behörden ausgenommen werden? das widerspricht jeder gesunden logik.
    mit der apple-schäfchen-logik würde das bedeuten:
    wäre die bundesregierung mit apple-geräten ausgestattet gewesen, hätte sie kein geheimdienst auf erden ausspionieren können. wow, so einfach kann das leben als treudoofer apple-kunde sein. bin beeindruckt :)

    • Am 18. September 2014 um 15:39 von Konstruktive Kritik

      an Apple wäre sehr erwünscht. Ihr Androidenanhänger und Applehater macht Apple einfach nur schlecht! => Applebashing

      • Am 19. September 2014 um 9:56 von koala17

        was soll das ganze Gerede um Apple und Konsorten?
        Die haben alle, ob gezwungen oder nicht, mit der NSA zusammengearbeitet. Daher sollten wir uns hier überlegen, ob wir die vermutlich betroffenen Firmen nicht irgendwie boykottieren und wenn wir alle nur massenweise Mails mit der Androhung von Klagen an die senden. Und vor allen Dingen: man muss nicht immer nur die neuesten amerikanischen Geräte oder Software haben.

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