Bundesjustizminister Maas fordert Einblick in Googles Suchalgorithmus

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) fordert von Google, „transparenter“ mit seinem Algorithmus umzugehen, den es für das Ranking in seiner Suchmaschine einsetzt. Hintergrund ist eine seit 2010 gegen Google gerichtete Kartelluntersuchung der EU-Kommission wegen des möglichen Missbrauchs seiner beherrschenden Stellung im Suchmarkt.

Bundesjustizminister Heiko Maas (Bild: Frank Nürnberger/BMJV)Bundesjustizminister Heiko Maas (Bild: Frank Nürnberger/BMJV)

„Am Ende geht es darum, wie transparent die Algorithmen sind, die Google benutzt, um seine Suchergebnisse zu sortieren“, sagte Maas in einem Interview mit der Financial Times. „Wenn eine Suchmaschine einen solchen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat, dann ist dies eine Angelegenheit, mit der wir uns befassen müssen.“

Laut dem deutschen Justiz- und Verbraucherschutzminister ist Googles Einfluss auf den Suchmarkt in Europa „außergewöhnlich“. Sein Marktanteil bei der Websuche liege in der EU bei über 90 Prozent, im Vergleich zu 68 Prozent in den USA. „Daher glaube ich, Googles Macht über Verbraucher und Marktteilnehmer außergewöhnlich ist“, so Maas. „Wir müssen darüber nachdenken, welche Vorsichtsmaßnahmen es gibt, damit diese Macht nicht missbraucht wird.“

Weiter erklärte der SPD-Politiker, dass Deutschland eine einvernehmliche Lösung in dieser Sache anstrebe. Zugleich sprach er zum wiederholten Male aber auch von einer Entflechtung von Google als letztes Mittel, falls dieses seine marktbeherrschende Stellung missbrauche. Mit solch einem Schritt hatte Maas schon im Juni gedroht.

Es ist jedoch fraglich, wie ernst der Internetkonzern solche Drohungen nimmt. Der jetzigen Forderung, seine Suchalgorithmen – und damit sein zentrales Geschäftsgeheimnis – offenzulegen, dürfte er kaum nachkommen.

Google-Gegner kritisieren, dass die Formeln zur Sortierung der Suchergebnisse Googles eigene Dienste bevorzugen und somit Konkurrenten schaden. Mit einer Offenlegung könne Google beweisen, dass es seiner Verantwortung gerecht werde. Das Unternehmen argumentiert hingegen, dass diese Transparenz seinen Suchdienst anfällig für Spam machen und Rivalen sein Geschäftsgeheimnis in die Finger spielen würde.

Andere Politiker sehen Maas‘ Forderung kritisch. So erklärte etwa Bundestagsmitglied Volker Ulrich (CSU), zuständiger Berichterstatter im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz: „Dieser Vorstoß verfehlt sein politisches Ziel. Die Algorithmen sind Privateigentum und zum Teil patentgeschützt. Maas fordert nicht weniger als eine Zwangsenteignung.“ Damit zeige der Justizminister seine politische Hilflosigkeit, so Ulrich weiter. „Unsere Verpflichtung in dieser Legislaturperiode ist es, die Integrität der Daten weiter zu schützen und den Datenschutz vorantreiben. Wir wollen vor einem zu sorglosem Umgang mit dem Netz warnen und die Eigenverantwortung des Einzelnen stärken. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir effektiven Datenschutz mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung und mit dem IT-Sicherheitsgesetz erreichen werden.“

Im Rahmen der EU-Kartelluntersuchung hatte Google mehrmals Zugeständnisse gemacht und im Februar sogar eine vorläufige Einigung erzielt. Vergangene Woche erklärte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia jedoch, dass die Reaktionen von Wettbewerbern auf Googles jüngste Lösungsvorschläge „sehr, sehr negativ“ ausgefallen seien. Daher wird der Suchkonzern nun nochmals nachlegen müssen.

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8 Kommentare zu Bundesjustizminister Maas fordert Einblick in Googles Suchalgorithmus

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  • Am 16. September 2014 um 22:15 von Judas Ischias

    So ein lächerlicher Wichtigtuer.
    Da kann er ja gleich die Rezepte von 4711, Coka Cola, Chanel Nr. 5 verlangen. ;)
    Diese Politikfatzken werden immer schlimmer und ahnungsloser.

  • Am 16. September 2014 um 22:19 von Hans Wurst

    Für mehr Transparenz in der Politik – um einschätzen zu können welche Politiker mit wem sympathisieren – verlange ich eine Offenlegung aller Nebeneinkünfte aller Politiker.

    Es wäre nicht überraschend, wenn Maas nur die „xxxx“ (Bitte bleiben Sie sachlich, Die Redaktion“) von Microsoft wäre… wäre nicht der erste Politiker siehe ODF.

    Der Algorithmus ist geistiges Eigentum und höchst schützenswert… dann muss auch Bayer alle Rezepte von Medikamenten offenlegen und das Verfielfältigen erlauben.

    • Am 16. September 2014 um 23:59 von Ist ...

      … schon Schei…e, wenn das gestige Idol ‚Google‘ verdientermaßen angegangen wird, und das wird noch schlimmer, selbst wenn Du Dich zerreisst.

      Der Datendiebstahl und die Degradierung von Anwendern zu Produkten, zu Datenvieh, müssen beendet werden. Und Google (und Facebook) ist nun mal der größte Datendieb – wird Zeit, dass Google zerschlagen wird. Dieser Konzern verdummt die Menschen, und wer da noch Zweifel hat, möge die Inhaltlich schäbigen Pro-Google Kommentare lesen, die jede Sauerei weichzeichnen und verteidigen.

      • Am 17. September 2014 um 8:12 von Frank

        Wo ist der Angriff verdient?

        Yahoo und Microsoft haben eigene Algorithmen… und selbst DIE listen Google Dienste weiter oben eben WEIL sie von den Kunden bevorzugt werden.

        Sie sollten sich informieren statt lächerlich zu machen.

        Wäre der Algorithmus offen könnten SEO Spammer dies missbrauchen und schlimmer als zu Zeiten der Link Farmen die Suchmaschinen zumüllen.

      • Am 17. September 2014 um 8:27 von punisher

        Genau, deswegen stehen die dummen Nutzer immer wochenlang am um das „neueste“ Produkt von Google zu kaufen, halt, das war garnicht Google…sry vertan ;)

  • Am 17. September 2014 um 8:48 von Judas Ischias

    @Ist, oder soll ich PeerH schreiben, Du hast mal wieder nichts verstanden. ;(
    Außerdem war dein Kommentar ziemlich daneben, bist nicht weit entfernt von dem Kommentar, den Mac-Harry letztens abgelassen hat.

    • Am 17. September 2014 um 14:56 von Peter

      Warum falsch? Ich denke, dass da jeder Buchstabe richtig ist, und jede Aussage den Punkt trifft. Google ist doch ein Datenkrake, und das Produkt ist doch der Anwender, und der Kunde die Werbeindustrie? Wo ist denn da was falsch?

  • Am 17. September 2014 um 14:06 von HermannK

    Herr Maas will einen unzulaessigen Ausforschungsbeweis. Er kann nicht unbegruendet (= „Google bovorzugt seine Kunden unfair.“) vermuten und in der Beweisaufnahme erst die Begruendung erzeugen.

    Also: Zunaechst muss er die Beweise auf den Tisch legen. Aber auch dann bekommt er keine Geschaeftsgeheimnisse geschenkt.

    Es ist erstaunlich, wie populistisch manche Politiker daherkommen.

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