Google meldet erneut deutliche Zunahme von Regierungsanfragen nach Nutzerdaten

Im ersten Halbjahr beträgt das Plus 15 Prozent. Die meisten Anfragen kommen erneut aus den USA. Hierzulande steigt die Zahl der Auskunftsersuchen um 25 Prozent auf 3338. Im Durschnitt beantwortet Google 65 Prozent aller Anfragen ganz oder zumindest teilweise.

Google hat nach eigenen Angaben mehr Anfragen von Regierungen nach Nutzerdaten erhalten als je zuvor. Dem aktualisierten Transparenzbericht zufolge stieg die Zahl in den vergangenen fünf Jahren um 150 Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 beträgt das Plus alleine 15 Prozent.

Google-Logo

Insgesamt erhielt der Internetkonzern zwischen Januar und Juni 31.698 Anfragen nach Registrierungsdaten, E-Mails oder auch IP-Adressen seiner Nutzer. In 65 Prozent der Fälle übermittelte Google alle oder zumindest einige der angeforderten Daten.

Die meisten Anfragen kamen wie zuletzt auch von der US-Regierung. Ihre Zahl kletterte gegenüber dem zweiten Halbjahr 2013 um 19 Prozent auf 12.539. Den zweiten Platz in der Statistik belegt Deutschland mit 3338 Anfragen (plus 25 Prozent), von denen 48 Prozent ganz oder teilweise beantwortet wurden. Sie betrafen 4272 Nutzer beziehungsweise Konten (plus 31 Prozent).

In der Statistik sind National Security Letters, die nach dem US-Gesetz Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) ausgestellt werden, nicht enthalten. Sie unterliegen der Geheimhaltung und stehen im Zentrum der Unterlagen, die der Whistleblower Edward Snowden über die Spähprogramme des US-Auslandsgeheimdiensts National Security Agency (NSA) veröffentlicht hat.

In einem Blogeintrag schreibt Richard Salgado, Legal Director of Law Enforcement and Information Security bei Google, dass einige Länder die Befugnisse ihrer Überwachungsbehörden ausgeweitet hätten, um auch Zugriff auf Daten von ausländischen Internet Service Providern zu erhalten. Die US-Regierung forderte er in dem Zusammenhang auf, das Überwachungsgesetz Electronic Communications Privacy Act (ECPA) zu reformieren und den USA Freedom Act zu verabschieden.

Die ECPA-Reform sieht vor, dass Behörden von Unternehmen nicht mehr ohne Gerichtsbeschluss die Herausgabe von Kundendaten verlangen dürfen. Der USA Freedom Act wiederum würde es Firmen wie Google erlauben, mehr Details über Regierungsanfragen offenzulegen. Auch die Kontrolle über die Anfragen würde verschärft.

Beide Gesetzesvorhaben werden parteiübergreifend im US-Repräsentantenhaus und im Senat unterstützt. Es ist allerdings unklar, ob sie auch verabschiedet werden, da in diesem Jahr ein Drittel der Senatoren neu gewählt wird.

Deutsche Behörden haben im ersten Halbjahr 2014 3338 Anträge auf Herausgabe von Nutzerdaten gestellt, wovon 48 Prozent Google ganz oder teilweise beantwortet hat (Bild: Google).Deutsche Behörden haben im ersten Halbjahr 2014 3338 Anträge auf Herausgabe von Nutzerdaten gestellt, wovon 48 Prozent Google ganz oder teilweise beantwortet hat (Bild: Google).

[mit Material von Seth Rosenblatt, News.com]

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Themenseiten: Datenschutz, Google, Internet, Privacy, Überwachung

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10 Kommentare zu Google meldet erneut deutliche Zunahme von Regierungsanfragen nach Nutzerdaten

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  • Am 16. September 2014 um 12:00 von Hmm...

    … wen wundert das? Wer Daten sammelt, weckt Begehrlichkeiten. Wer derart exzessiv Daten sammelt, weckt sehr große Begehrlichkeiten. Google sammelt noch mehr Daten.

    • Am 16. September 2014 um 12:34 von Judas Ischias

      Ist mir sogar sehr recht. ;)
      Wenn Du im Restaurant wärst, würdest Du dich nicht freuen, wenn Du über Google Nest benachrichtigt würdest, dass es bei dir brennt, damit Du keine böse Überraschung erlebst, wenn Du nach Hause kommst? ;)
      Wenn dann noch günstigerweise der nächste Baumarkt empfohlen wird mit den aktuellen Sonderangeboten für deine neue Tapete. :-)
      Ich wäre darüber wirklich erfreut und sehr dankbar. ;)

      • Am 16. September 2014 um 15:00 von Aua

        Auch, wenn Google bei jeder Abwesenheit in Deiner privaten XXX Medien Sammlung herumstöbert, und allen Strolchen in der Nachbarschaft mitteilt, dass Du ausser Haus bist?

        Sorry, aber Du scheinst Null Wert auf Privatsphäre zu legen, und das ist traurig.

        • Am 16. September 2014 um 17:28 von Judas Ischias

          Wie sollte Google denn „allen Strolchen“ mitteilen, dass ich außer Haus bin? Passiert solches etwa bei Apple, dass Du denkst solch eine Unsitte würde auch von Google betrieben? ;)
          Außerdem sind die Strolche doch alle bei Zdnet, warum sollte ich mir da noch Sorgen wegen Google machen. :-)))

    • Am 16. September 2014 um 13:02 von C

      Tim Cook:
      1. Unser Geschäft ist nicht Daten sammeln
      2. Wir bauen keine Hintertüren in unsere Produkte ein

      zu 1:
      Die von Apple gespeicherten Daten werden von der NSA (u. a.) gerne verwendet, ausgewertet und z. T. sogar publiziert.

      zu 2:
      Es sind offene Vordertüren (Support-Dienste) eingebaut, damit es für die NSA noch leichter ist zuzugreifen, neben deren gekauften Zero-Days…

      Als US-Unternehmen entkommt man Patriot-Act, FISA/FISC sowieso nicht. Da kann der Front-Mann behaupten was er will.

      • Am 16. September 2014 um 15:03 von Hundi

        Hey, schreibt da Snowden? Wenn nicht, ist das nur peinliches Geschwätz eines Apple-Bashers, der vor Hass komische Dinge tut – ein gewisser Zwang zur Lüge ist erkennbar, sobald Apple gelesen wird. Da hat Dich Google aber sauber konditioniert. Brav, Brauner, nicht so viel sabbern. ;-)

        • Am 16. September 2014 um 15:32 von C

          @Namenlosen, @Hundi

          Nein, es schreibt nicht Snowden.
          Und ansonsten hast Du keine Ahnung, aber viele Posts.

  • Am 16. September 2014 um 23:34 von Judas Ischias

    Na Aua Namenlos, ist dir in dieser langen Zeit immer noch kein Grund eingefallen wie und warum Google den Strolchen in meiner Nachbarschaft mitteilen kann/sollte, dass ich ausser Haus bin?
    Siehst Du, alles Paranoia. ;(
    Du bist garantiert der Typ, der keine Leute mit Telefon, auf dem Android installiert ist, mehr in seine Wohnung lassen will. ;))
    Und zu meiner „privaten XXX Medien Sammlung“, da gibt es nur Musik, aus den 50er Jahren bis in die Neuzeit, zu hören.
    Alles, was Du vielleicht für speziell und wichtig befinden würdest, hat KEINEN “ Zugang zum Netz.
    Und meine Privatsphäre ist mir, trotz deiner gegenteiligen Vermutung, doch sehr wichtig.
    Das habe ich während meiner dreieinhalb Jahre Aufenthalt in Kenia perfektioniert. Schnell mal die Fenster schließen, damit die Nachbarn nix mitbekommen, war nicht, da wegen der großen Hitze nur Moskitonetze in den „Fenstern“.
    Da lernt man schon ganz schnell und im eigenen Interesse auf die Privatsphäre zu achten.

  • Am 21. September 2014 um 8:50 von Paul

    Über 30.000 Anfragen im ersten halben Jahr, und 65% beantwortet? Das sind über 20.000 verratene Anwfnder, die durch Googles Sammelwut leiden.

    Das ist böse, Google. Warum tut ihr nichts dagegen?

    • Am 21. September 2014 um 17:32 von Warum

      200x mehr erfolgreiche Anfragen an Google als an Apple. Was meinen die Android-Fans hier im Forum denn dazu? ;-)

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