Amazon übernimmt Spiele-Streaming-Portal Twitch

Es ist mit einem Barpreis von 970 Millionen Dollar die bislang größte Akquisition des Onlinehändlers. Zuvor war auch Google als Käufer der erfolgreichen Live-Video-Plattform im Gespräch. Laut CEO Emmett Shear entschied sich Twitch für Amazon, weil es seine langfristige Vision teile und seine Unabhängigkeit bewahren wolle.

Amazon hat die Übernahme von Twitch vereinbart, einer Live-Video-Plattform und Community für Gamer. Es ist mit einem Barpreis von 970 Millionen Dollar (circa 735 Millionen Euro) die bislang größte Akquisition des Onlinehändlers. Die Übernahme soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2014 abgeschlossen werden.

Amazon-CEO Jeff Bezos (Bild: CNET)Amazon-CEO Jeff Bezos (Bild: CNET)

Zuvor war wiederholt Google als Käufer der erfolgreichen Plattform im Gespräch gewesen, doch die Verhandlungen scheiterten offenbar. „Wir haben Amazon gewählt, weil sie an unsere Community glauben, unsere Wertvorstellungen sowie langfristige Vision teilen – und uns helfen wollen, schneller dahin zu kommen“, schreibt CEO Emmett Shear in einem Brief an die Twitch-Community. „Für uns bleibt fast alles gleich: unser Firmensitz, unsere Mitarbeiter, unsere Marke und vor allem unsere Unabhängigkeit. Aber mit Amazons Unterstützung werden wir über die Mittel verfügen, um ein noch besseres Twitch für euch zu gestalten.“

Amazon-CEO Jeff Bezos bezeichnete es als globales Phänomen, Videospiele zu übertragen und zu betrachten. „Twitch hat eine Plattform geschaffen, die viele Millionen Menschen zusammenbringt, die monatlich Milliarden Minuten Spiele ansehen“, erklärte er. Das sei besonders erstaunlich, da Twitch erst seit rund drei Jahren bestehe.

Recode erfuhr von einem Informanten, Amazon übernehme Twitch, um mehr jüngere Zuschauer zu erreichen und in dieser Hinsicht an Netflix sowie Youtube vorbeizuziehen. Der Onlinehändler sei wahrscheinlich vor allem am Potenzial für Videowerbung interessiert, da das Live-Streaming-Portal insbesondere junge Männer anspreche, eine ebenso attraktive wie schwer zu erreichende Zielgruppe von Käufern.

Twitch ging ursprünglich aus der 2007 gegründeten „Lifecasting“-Plattform Justin.tv hervor, die Videofeeds und öffentliche Chaträume kombinierte, sodass Zuschauer die ausgestrahlten Inhalte live kommentieren konnten. Namensgeber Justin Kan sendete in den Anfangstagen mittels einer Kopfkamera über Justin.tv sein komplettes Leben, 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Daraus entwickelte sich eine Live-Videostreaming-Plattform, auf der die Nutzer auch ihre Videospiele abfilmen und live ins Internet übertragen konnten. Als im Laufe der Jahre das Spiele-Livestreaming immer beliebter wurde, benannte sich das Unternehmen offiziell in Twitch Interactive Inc um.

Amazon ist schon länger im Bereich Videospiele aktiv, wenn auch bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Die in diesem Jahr vorgestellte TV-Settop-Box Fire TV dient auch als Spielekonsole, zu der ein optionaler Spielecontroller erhältlich ist. Auch die Übernahme des unabhängigen Spiele-Entwicklers Double Helix Games im Februar 2014 wies darauf hin, dass Amazon sich in Zukunft noch weit stärker bei Videospielen engagieren will.

[mit Material von Donna Tam, News.com]

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