E-Book-Streit: Hachette-CEO schießt gegen Amazon zurück

Der Chef der Verlagsgruppe wirft Amazon vor, seine Gewinne und Marktanteile auf Kosten von Autoren, Verlagen und stationären Buchhandlungen erhöhen zu wollen. Er bestreitet, dass es um niedrigere Preise für E-Books gehe - Hachette biete schon über 80 Prozent seiner E-Books für 9,99 Dollar oder weniger an.

Hachette-CEO Michael Pietsch hat zu den monatelangen und noch immer ergebnislosen Verhandlungen mit Amazon Stellung bezogen und den Onlinehändler scharf kritisiert. Er unterstellte ihm, seine Gewinne und Marktanteile auf Kosten von Autoren, Verlagen und stationärem Buchhandel erhöhen zu wollen.

Amazon-CEO Jeff Bezos (Bild: CNET)Amazon-CEO Jeff Bezos (Bild: CNET)

Pietsch reagierte damit auf Amazons letzten Konterschlag vom Wochenende, mit dem der Onlinehändler erneut seinen Druck auf Hachette erhöhte. In einem offenen Brief rief Amazon Leser und Autoren auf, den Chef von Hachette per E-Mail zur Akzeptanz der von Amazon vorgeschlagenen Konditionen aufzufordern. Dazu lieferte der Brief Pietschs E-Mail-Adresse und vorformulierte Argumente. Der Appell an Pietsch lief darauf hinaus, er solle seine Autoren nicht länger als Druckmittel benutzen und Amazons Angebot annehmen, um sie herauszuhalten.

Der Hachette-Chef will mit seinem Schreiben nun wiederum allen antworten, die sich aufgrund von Amazons Kampagne an ihn wenden. „Wir nehmen gewöhnlich nicht öffentlich Stellung, während wir verhandeln“, heißt es darin. „Aber ich bin oft um eine Antwort Hachettes auf die von Amazon angesprochenen Themen gebeten worden und will darauf mit ein paar Tatsachen antworten.“

Pietsch bestreitet vehement, dass es bei dem Streit um niedrigere E-Book-Preise gehe – wie zuvor von Amazon angeführt, das zu einem Preislimit von 9,99 Dollar drängt. Tatsächlich kosteten bereits über 80 Prozent der von seiner Verlagsgruppe veröffentlichten E-Books 9,99 Dollar oder weniger. Die wenigen höherpreisigen Titel – meist zum Preis von 11,99 und 12,99 Dollar – kosteten weniger als die Hälfte der jeweiligen Druckversion. Auch die teuren Titel würden bald verbilligt, wenn zugleich eine Taschenbuchausgabe veröffentlicht werde.

„Wir wissen aus Erfahrung, dass es nicht nur einen angemessenen Preis für alle E-Books gibt und nicht alle E-Books in die 9,99-Dollar-Kategorie gehören“, schreibt Pietsch. „Anders als Händler investieren Verleger stark in einzelne Bücher – oft über Jahre hinweg, bevor wir die ersten Umsätze sehen.“ Investiert werde in Vorschüsse, Lektorierung, Gestaltung, Herstellung, Marketing, Lagerhaltung, Versand, den Schutz vor Piraterie und mehr. „Wir holen diese Kosten durch Verkäufe aller Versionen des Buches herein, die wir veröffentlichen – Hardcover, Taschenbuch, Großdruckausgabe, Hörbuch und E-Book“.

Für gedruckte Bücher nannte der Hachette-CEO Kosten zwischen 2 und 3 Dollar pro Exemplar, die durch Herstellung, Lagerhaltung und Transport entstehen. Diese Kosten fielen bei E-Books zwar nicht an, aber in ihrem Verkaufspreis sei ein entsprechender Anteil aller Investitionen enthalten, die für das Buch getätigt wurden.

Der Streit hat laut Pietsch begonnen, „weil Amazon auf Kosten von Autoren, stationären Buchhandlungen und uns sehr viel mehr Gewinn und sogar noch mehr Marktanteil anstrebt“. Er fordert Amazon auf, „die Sanktionen gegen Hachettes Autoren einzustellen, die sie ihnen einseitig auferlegt haben, und ihre Bücher wieder auf ein normales Niveau der Lieferbarkeit zurückzuführen“.

Bei den schwierigen Verhandlungen zwischen Amazon und Hachette geht es offenbar vor allem um die Konditionen für E-Books. Sie wurden im Mai öffentlich, nachdem der Onlinehändler seine Marktmacht ausspielte und gedruckte Bücher der Verlagsgruppe nicht mehr wie zuvor bevorratete, was zu längeren Lieferfristen führte. Diese und weitere Taktiken führten auch für betroffene Autoren zu Umsatzeinbußen, die ihrerseits eine Kampagne gegen Amazon anstießen.

Themenseiten: Amazon, E-Books, E-Commerce, Hachette Book Group; Inc.

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2 Kommentare zu E-Book-Streit: Hachette-CEO schießt gegen Amazon zurück

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  • Am 12. August 2014 um 19:55 von Hmm ...

    … ist doch komisch: die Verlage sind Schuld, Walt Disney ist Schuld – aber Amazon verteilt zum Selbstkostenpreis Kindle Geräte, fesselt die Kunden an sich, straft Kunden ab, unterdrückt Mitarbeiter, indem sie ihnen alle Einkäufe sperren, und macht in diesem Quartal lauf einer Angabe bis zu 800 Mio Dollar Miese und ist unschuldig?

    Nun: vielleicht ist verschenken von Produkten zum Zwecke der Steigerung des Marktanteils auf Dauer keine gute Strategie? Vielleicht geht es in dem ganzen Thema nur (!) um die 800 Mio Dollar Verlust – und Amazon versucht sich bei den Verlagen zu bedienen?

    Das klingt für mich doch viel plausibler – Amazon hat sich verhoben, nun haben sie finanzielle Probleme – selber Schuld.

    • Am 13. August 2014 um 10:26 von hugo

      Wir dürfen kein Geschäft zwingen ein bestimmtes Sortiment anbieten zu müssen!!!
      Jeder mündige Bürger kann ja wohl noch woanders kaufen oder sind wir schon soweit das wir alles nur noch bei Amazon kaufen wollen. Jeder kleine Buchhändler liefert heutzutage genausoschnell wie Amazon, heute bestellt, morgen da. Warum immer Amazon?

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