Gespräche über Stellenabbau bei SAP vorerst gescheitert

Das bestätigten am Sonntag Vertreter beider Seiten. Mitte September sollen die Verhandlungen vor einer Schlichtungsstelle fortgesetzt werden. "Insgesamt macht die ganze Reorganisation einen sehr chaotischen Eindruck", lautet das Fazit des Betriebsrats.

Die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern von SAP über die geplanten Stellenstreichungen in Deutschland sind ohne Ergebnis vorzeitig beendet worden. Das haben der Betriebsrat und der Walldorfer Softwarekonzern am Sonntag bestätigt. Die Arbeitnehmerseite kritisiert, dass das Unternehmen bisher nicht plausibel darlegen konnte, warum bestimmte Stellen abgebaut werden sollen.

SAP-Zentrale in Walldorf (Bild: SAP)

Die Gespräche werden zunächst nicht wieder aufgenommen werden, wie die Verhandlungsparteien mitteilten. Stattdessen ist in einem nächsten Schritt ein Verfahren vor einer Schlichtungsstelle geplant, das nach Angaben des Betriebsrats Mitte September starten könnte.

Gegenüber der Nachrichtenagentur DPA erklärte ein Unternehmenssprecher, man sei in dieser Sache sämtlichen Pflichten nachgekommen. Nach Informationen des Mannheimer Morgen will SAP in Deutschland 318 Stellen abbauen. Damit fallen die Streichungen im Vergleich zu anderen Regionen wie Irland, China oder Indien eher „dünn“ aus, wie es vom Betriebsrat heißt. Insgesamt sollen weltweit 2000 Stellen gestrichen und kleinere Niederlassungen geschlossen werden. Ende des Jahres soll SAP aber mehr Mitarbeiter haben als vor dem Restrukturierungsprogramm „Simplify and Optimize“. Geplant sind offenbar 3000 neue Stellen.

Laut einer Mitteilung des Betriebsrats hat SAP den Betroffenen „höchstmögliche Standards an Respekt und Fairness“ zugesichert. Leistung, Gehalt oder Krankheit würden bei der Auswahl keine Rolle spielen. Es gehe vielmehr um Mitarbeiter, „die an Themen arbeiten, die gestoppt oder in andere Bereiche/Teams verschoben werden und/oder deren ‚Skill-set‘ in Hinblick auf den zukünftigen Bedarf in strategischen Bereichen nicht mehr passen“.

Bislang aber seien noch keine Weiterqualifizierungsangebote an den Betriebsrat oder Betroffene herangetragen worden. Weiter bemängeln die Arbeitnehmervertreter, dass in bestimmten Bereichen bis zu zehn Prozent der Stellen wegfielen und andere Bereiche fast gar nicht betroffen seien. „Insgesamt macht die ganze Reorganisation einen sehr chaotischen Eindruck“, so das Fazit des Betriebsrats.

Unter dem Motto „Simplify and Optimize“ will Bill McDermott die frischgebackene SAP SE von einer Unternehmensstruktur, die darauf abzielt, Lizenzen fest installierter Software zu vertreiben, in ein Cloud-Unternehmen umbauen. Etwa drei Prozent der Mitarbeiter müssten daher gehen, hatte der inzwischen alleinige CEO bei der Bekanntgabe der Pläne erklärt. Weltweit beschäftigt SAP derzeit 67.700 Mitarbeiter, 17.200 davon in Deutschland.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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