Digia will Qt in eigenständiges Unternehmen auslagern

Dadurch soll die Fragmentierung zwischen dem Open-Source- und kommerziellen Arm verschwinden. Noch vor dem Release von Qt 5.4 im Oktober sollen "die ersten Teile zusammenkommen". Davon erhofft sich Digia eine bessere Wettbewerbsposition gegenüber konkurrierenden Technologien.

Digia hat angekündigt, Qt in ein eigenständiges Unternehmen auszulagern, um dessen kommerzielle und Open-Source-Aktivitäten unter einem Dach zu vereinen. Wie Qt-Chefarchitekt Lars Knoll in einem Blogbeitrag ausführt, gab es bisher eine strikte Trennung zwischen dem Open-Source-Projekt und dem kommerziellen Arm, sodass Qt nicht mit einer Stimme sprechen konnte. Durch die Auslagerung soll diese Fragmentierung aufgehoben werden.

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„Auch wenn das Open-Source-Projekt und die kommerzielle Seite von Qt sehr voneinander abhängig sind, sind sie in den letzten Jahren auseinandergetrieben“, schreibt Knoll. „Auf lange Sicht hilft die Trennung niemandem. Tatsächlich schwächt die Fragmentierung unser Ökosystem und erschwert es, Qt gegen konkurrierende Technologien und Tools zu positionieren. Die Trennung zwischen den Open-Source- und kommerziellen Angeboten führt oft dazu, dass wir mit uns selbst konkurrieren statt mit anderen Technologien.“

Knoll zufolge haben die Hauptbeitragenden den Plänen für eine Zusammenführung beider Bereiche bereits im Juni zugestimmt. Noch vor dem Release von Version 5.4 der Bibliothek zur plattformübergreifenden Programmierung grafischer Benutzeroberflächen im Oktober sollen „die ersten Teile zusammenkommen“.

Laut Digias Bilanz für das erste Quartal (PDF) stiegen die mit Qt erwirtschafteten Umsätze zuletzt um 20 Prozent auf 4,8 Millionen Euro. Zugleich verzeichnete der Geschäftsbereich jedoch einen operativen Verlust von 900.000 Euro, was das finnische Unternehmen mit „Investitionen ins Wachstum“ begründete. Digia erwartet, dass die Umsätze des Qt-Geschäfts in diesem Jahr um 6,5 Prozent zulegt und der operative Gewinn um 5,3 Prozent steigt. Innerhalb von Digia trägt Qt rund 20 Prozent zum Gesamtergebnis bei.

Das noch zu gründende Unternehmen wäre das vierte Zuhause für das Application Framework. In den frühen Neunzigerjahren von Haavard Nord und Eirik Chambe-Eng entwickelt, wurde es lange Jahre unter dem Dach der von ihnen gegründeten Firma Trolltech gepflegt. 2008 ging es in Besitz von Nokia über, das Trolltech für 104 Millionen Euro übernahm. Im März 2011 sicherte sich Digia zunächst die Verwertungsrechte an dem C++-Framework und Serviceverträge, ehe es im August 2012 auch das restliche Qt-Geschäft von Nokia erwarb.

Seitdem ist Digia für das gesamte Qt-Geschäft verantwortlich, inklusive Produktentwicklung, kommerzielle und Open-Source-Lizenzierung sowie Service. Laut Knoll stammen 75 Prozent der Codebeiträge für das Open-Source-Projekt von Qt von Digia-Mitarbeitern. Zudem verwalte Digia unter anderem den Release-Prozess und die Test-Infrastruktur, womit es mehr als 85 Prozent der Entwicklungskosten trage.

[mit Material von Chris Duckett, ZDNet.com]

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