Twitch stellt Live-Videostreaming-Plattform Justin.tv ein

Die Schließung hängt wahrscheinlich mit der erwarteten Übernahme von Twitch durch Google zusammen. Mitgründer und Namensgeber Justin Kan sendete über das 2007 gestartete Justin.tv zunächst seinen gesamten Tagesablauf. Später entwickelte es sich zu einer offenen Live-Videostreaming-Plattform mit Millionen Nutzern.

Twitch hat seine Livstreaming-Plattform Justin.tv geschlossen. Das gab das Unternehmen, das angeblich vor der Übernahme durch Google steht, am Dienstag auf der Justin.tv-Website bekannt. Dort heißt es: „Twitch steht nun im Fokus der Ressourcen des Unternehmens. Das bedeutet unglücklicherweise, dass wir Justin.tv abschalten müssen. Wir danken allen, die in den letzten sieben Jahren Videos gesendet und angesehen haben.“

Justin.tv wurde am 19. März 2007 als „Lifecasting“-Plattform von Namensgeber Justin Kan, Emmett Shear, Michael Seibel und Kyle Vogt gegründet. Sie kombinierten darin Videofeeds und öffentliche Chaträume, sodass Zuschauer die ausgestrahlten Inhalte live kommentieren konnten. In den Anfangstagen sendete Kan mittels einer Kopfkamera über Justin.tv sein komplettes Leben, 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche.

Justin.tv wurde am 5. August eingestellt (Screenshot: ZDNet.de)

Später kamen weitere Kanäle hinzu, auf denen andere Personen über ihr Leben berichteten. Zudem folgten eine Integration mit Social Networks wie Facebook, Twitter und MySpace sowie eine App, die Livestreaming von einem Smartphone aus ermöglichte. Letztlich entwickelte sich daraus eine offene Live-Videostreaming-Plattform. Darüber konnten Nutzer beispielsweise ihre Fortschritte in Videospielen ins Internet übertragen, aber auch urheberrechtlich geschützte Inhalte wie TV-Bilder von Sportereignissen, wodurch die Plattform in die Kritik geriet. Um solche unrechtmäßigen Übertragungen zu unterbinden, wurden im August 2009 Echtzeitfilter installiert.

Als Spiele-Livestreaming immer beliebter wurde, startete Justin.tv eine Subdomain namens gaming.justin.tv und im Juni 2011 dann Twitch als eigenständige Livestreaming-Plattform für Spiele. Im Februar wurde das dahinter stehende Unternehmen offiziell von Justin.tv in Twitch Interactive Inc umbenannt.

„Wir sind unglaublich stolz auf das Erbe von Justin.tv. Es war nicht nur die Geburtsstätte von Twitch, sondern auch der Pionier für Live-Video im Internet“, sagte Twitch-COO Kevin Lin. „Es hat einen besonderen Platz in unseren Herzen sowie einen besonderen Platz in der Geschichte des Internets, und wir werden es vermissen.“

Die Schließung von Justin.tv hängt wahrscheinlich mit der schon im Mai erwarteten Übernahme von Twitch durch Google zusammen. Vergangene Woche soll der Kaufvertrag unterzeichnet worden sein. Google zahlt dem Vernehmen nach über eine Milliarde Dollar für die Spiele-Streaming-Plattform.

Mit dem Kauf von Twitch würde Google seine führende Position im Bereich Videostreaming noch ausbauen. Schließlich ist hier das 2006 für 1,65 Milliarden Dollar gekaufte Youtube ohnehin schon die Nummer eins, die monatlich mehr als 6 Milliarden Stunden Video an über eine Milliarde Nutzer sendet. Im Vergleich bleibt Twitch mit 50 Millionen Besuchern pro Monat und 1,1 Millionen Abonnenten (Kosten: 5 Dollar pro Monat) deutlich zurück. Da es speziell Spiele streamt, würde es Google aber zumindest einen neuen inhaltlichen Schwerpunkt bringen. Die in Spiele-Apps eingebundene Liveübertragungstechnik könnte auch technisch für den Internetkonzern interessant sein.

[mit Material von Steven Musil, News.com, und Leon Spencer, ZDNet.com]

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