China warnt Microsoft vor Behinderung seiner Kartelluntersuchung

Am Montag befragten die Kartellwächter Microsofts Deputy General Counsel Mary Snapp, nachdem sie vergangene Woche mehrere Büros des Konzerns durchsucht hatten. Die Aufsichtsbehörde SAIC wirft Microsoft nicht direkt eine Behinderung ihrer Ermittlungen vor, empfiehlt aber ein bedächtiges Vorgehen.

Die China State Administration for Industry and Commerce (SAIC) hat Microsoft aufgefordert, jegliche Versuche zu unterlassen, die von ihr eingeleitete Kartelluntersuchung zu behindern. Nach Informationen von Reuters befragte die Wettbewerbsbehörde am Montag Microsofts Deputy General Counsel Mary Snapp in der Sache.

Microsoft

Vergangene Woche hatte die SAIC mehrere Büros von Microsoft in Peking, Shanghai, Guangzhou und Chengdu durchsucht. Dabei fertigten die Kartellwächter Kopien von Geschäftsunterlagen wie Bilanzen und Verträgen an. Zudem teilten sie mit, dass sich die Ermittlungen auch gegen zwei nicht genannte Führungskräfte aus Redmond richteten.

Worum es bei der formalen Kartelluntersuchung genau geht, ist derweil noch unklar. Weder die chinesischen Behörde noch Microsoft selbst haben sich bisher konkret dazu geäußert. Die SAIC erklärte lediglich, man untersuche mögliche Wettbewerbsverstöße.

„Microsoft hat versprochen, die chinesischen Gesetze zu respektieren und die Ermittlungsarbeit der SAIC vollständig zu unterstützen“, zitiert Reuters aus einer E-Mail der Kartellbehörde. Microsoft wollte sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur nicht direkt äußern, betonte aber schon vergangen Woche, dass seine „Geschäftspraktiken in Einklang mit den chinesischen Gesetzen“ stünden.

Die SAIC ist offenbar besorgt, dass Microsofts Produkte gegen die chinesischen Richtlinien für Kompatibilität und Dokumenten-Authentifizierung verstoßen. Dadurch seien chinesische Verbraucher gezwungen, mehr Microsoft-Produkte einzusetzen, als sie es sonst täten.

Was die Kartellwächter dazu bewegt hat, jetzt eine Warnung an Microsoft auszusprechen, ist unklar. Zumindest liegen bisher keine Anzeichen dafür vor, dass der Softwarekonzern die Ermittlungen der Behörde behindert hat.

Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden über die NSA-Überwachung ist China bemüht, seine Abhängigkeit von US-Firmen zu reduzieren. Zunächst verbannte es Windows 8 von Regierungssystemen. Ende Mai warf es den USA dann massive Cyberspionage vor. Anfang Juni beschuldigte es Apple und Google des Geheimnisdiebstahls im Auftrag der NSA. Zuletzt strichen die chinesischen Behörden Symantec von einer Liste empfohlener Sicherheitsanbieter, dasselbe Schicksal ereilte aber auch das russische Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab.

[mit Material von Don Reisinger, News.com]

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Björn Greif
Autor: Björn Greif
Redakteur ZDNet.de
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