Project Loon: Google verbindet erste Schule mit dem Internet

Ein Jahr nach der ersten Vorstellung demonstriert Google die Fortschritte des Ballonprojekts. Die Ballons erreichen längere Flugzeiten, LTE-Technik kann Mobiltelefone in entlegenen Regionen direkt mit Internetzugang versorgen. Mitte 2015 soll Project Loon aus der Experimentierphase kommen und in mindestens einem Land dienstbereit sein.

Ein Jahr nach der ersten Vorstellung von Project Loon hat Google erstmals eine brasilianische Schule durch einen hochfliegenden Ballon mit dem Internet verbunden. Es wollte damit die zwischenzeitlichen Fortschritte demonstrieren und hofft darauf, in einem weiteren Jahr aus der experimentellen Phase zu kommen sowie laufende Dienste anbieten zu können.

Die Schule befindet sich in Campo Maior, einer kleinen abgelegenen Ortschaft in Brasilien. Die meisten Bewohner verfügen weder über Internet noch eine Mobilfunkverbindung. Sie müssen die wenigen Positionen rund um den Ort nutzen, an denen überhaupt eine schwache Verbindung zu bekommen ist – und dazu sogar teilweise in Bäume klettern. Das Wort „Vaga-Lume“ prägten sie dafür, weil die nachts in Bäumen leuchtenden Handys an umherfliegende Leuchtkäfer erinnern.

Flugbahn des Ballons Ibis 152 (Bild: Google)Flugbahn des Ballons Ibis 152 (Bild: Google)

„Dieser Testflug zeigt auch einige wesentliche Fortschritte von Project Loon auf“, heißt es in der Google+-Seite des Projekts. „Nahe dem Äquator zu starten, hat uns gelehrt, mit dramatischen Temperaturen, extremer Feuchtigkeit und Skorpionen klarzukommen. Und wir haben erstmals LTE-Technik getestet. Sie könnte uns erlauben, Mobiltelefone direkt mit Internetzugang zu versorgen und damit Möglichkeiten eröffnen, das Internet an weitere Orte zu bringen.“

Zuvor erforderte Loon eine Basisstation und eine Spezialantenne, um eine WLAN-Verbindung bereitzustellen. Das Projekt wurde im Forschungslabor Google X konzipiert, das auch die Computerbrille Google Glass hervorbrachte. Ein Ring hochfliegender Ballons, von stratosphärischen Winden rund um die Welt getragen, sollte das Internet in ländliche, entlegene und unterversorgte Regionen der Welt bringen. Bei seiner Ankündigung vor einem Jahr wurde es als eines der „Mondflug“-Projekte bezeichnet, die nicht von heute auf morgen zu realisieren seien. Tatsächlich spiele die Projektbezeichnung Loon auch ausdrücklich darauf an, dass die Idee „ein wenig verrückt“ sei.

Während die Ballons bei den ersten Testflügen in Neuseeland bestenfalls ein paar Tage in der Luft blieben, konnte Google seither durch kontinuierliche Verbesserungen die durchschnittliche Flugzeit um ein Vielfaches steigern. Nicht selten sind sie 75 Tage unterwegs, und ein Ibis 152 benannter Ballon fliegt bereits seit über 100 Tagen. Ein früherer Ballon umrundete den Globus dreimal vor seinem Abstieg. Mit seiner ersten Weltumrundung in 22 Tagen stellte er sogar einen Weltrekord ein.

„Die Ballons liefern die zehnfache Bandbreite, ihre Steuerbarkeit wurde zehnfach verbessert, und sie fliegen zehnmal länger“, fasste Google-X-Chef Astro Teller die in einem Jahr gemachten Fortschritte gegenüber Wired zusammen. Seit den ersten öffentlichen Testflügen in Neuseeland legten Googles Ballons insgesamt mehr als 1,5 Millionen Kilometer zurück.

„Ich hoffe, dass wir an Loons zweitem Geburtstag eine mehr oder weniger ständige Gruppe von Ballons oben haben, statt Experimente zu unternehmen“, sagte Teller weiter. „In einem oder mehreren Ländern werden Sie Ihr Mobiltelefon anschalten und mit den Ballons verbinden können. Ja, Loon wird dienstbereit sein.“

[mit Material von Dara Kerr, News.com]

Themenseiten: Forschung, Google, Internet, Kommunikation

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