Führende PR-Firmen erklären sich gegen Manipulationen von Wikipedia

Elf der größten Branchenvertreter verpflichten sich, Wikipedias Nutzungsbedingungen einzuhalten. Dies liegt "im Interesse der Branche sowie aller Wikipedia-Nutzer". Sie beziehen sich damit auf Fälle wie den von Wiki-PR im vergangenen Jahr.

Elf große PR-Firmen haben sich in einer gemeinsamen Erklärung verpflichtet, die Nutzungsrichtlinien von Wikipedia zu respektieren. Sie reagieren damit auf eine Klagedrohung der Wikimedia Foundation vom vergangen Jahr, die „verdächtiges Editieren“ zugunsten bestimmter Produkte bemerkt hatte – auch wenn sie nicht den jetzigen Unterzeichnern galt.

Logo von Wikipedia

Der Erklärung bezieht sich ausdrücklich auf diesen Fall: „Frühere Handlungsweisen von Vertretern unserer Branche haben zu einem angestrengten Verhältnis [zu Wikipedia und ihren Redakteuren] geführt. Unsere Firmen sind der Meinung, dass es im Interesse der Branche sowie aller Wikipedia-Nutzer liegt, dass Wikipedia ihr Ziel erreicht, eine zutreffende und objektive Online-Enzyklopädie zu erstellen. Darum sollten kluge Kommunikationsprofis sich im Zuge ihrer ethischen Richtlinien an die Vorgaben von Wikipedia halten.“

Die elf Unterzeichner sind Beutler Ink, Ogilvy & Mather, Fleishman Hillard, Peppercomm, Burson-Marsteller, Ketchum, Porter Novelli, Voce Communications, Edelman, Allison + Partners sowie Glover Park Group. Die Nutzungsbedingungen von Wikipedia verbieten ausdrücklich „Einstellen falscher oder unzutreffender Inhalte in der Absicht, andere damit zu täuschen“, den „Versuch, den Anschein zu erwecken, ein anderer Benutzer oder eine andere Person zu sein“ sowie allgemein „Betrug“.

Das Thema erreichte im vergangenen Oktober die breite Öffentlichkeit, als Wikimedia nach Nachforschungen 250 Nutzerkonten sperrte, die offenbar dem bezahlten Einstellen von Artikeln und ihrer Bearbeitung im Sinne der Auftraggeber dienten. Als so genannte „Sockenpuppen“ waren sie zusätzlich angelegte Konten bereits unter anderem Namen angemeldeter Wikipedia-Nutzers, deren Anlegen technisch bislang nicht zu verhindern ist.

Damit reagierte die Enzyklopädie auf Berichte über eine erhebliche Zunahme interessenbeeinflusster Artikel. Sie stand offenbar im Zusammenhang mit der Firma Wiki-PR, die ihre Dienstleistung mit „Wikipedia-Autoren zu mieten“ umschreibt und bekannte Unternehmen wie Priceline und Viacom zu ihren Kunden zählt. Frühere Wiki-PR-Kunden gaben an, zwischen 500 und 1000 Dollar für eine erstellte Wikipedia-Seite bezahlt zu haben – und dann laufend 50 Dollar monatlich für die Überwachung auf mögliche Veränderungen der Seite sowie darauf reagierende Bearbeitungen.

Wiki-PR-CEO Jordan French gab sich damals gelassen und versprach eine baldige „Klärung“. Er verteidigte auch Wiki-PR als Forschungsfirma, deren vorrangiges Ziel darin bestehe, die Enzyklopädie zu verbessern. „Unsere Leute leisten eine Menge kostenlose Arbeit für Wikipedia, einfach weil es interessant und hilfreich für die Wikipedia-Community ist.“

[mit Material von Steven Musil, News.com]

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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