Mobile-Chef von Yahoo: Wir brauchten die Übernahmen, um aufzuholen

Die rund 40 Zukäufe seit 2012 galten überwiegend Talenten. Die Zahl der Mobilentwickler ist seither von 37 auf über 500 gestiegen. Yahoo war laut Adam Cahan im Mobilsektor 12 bis 18 Monate verspätet. Künftig setzt es auf Native Advertising und seinen Werbemarkt Gemini.

Yahoos Mobile-Chef Adam Cahan hat den Zukauf von mehr als 40 Unternehmen binnen zwei Jahren in einem Interview gerechtfertigt: Sie seien notwendig gewesen, um einen Rückstand gegenüber der Konkurrenz aufzuholen. „Die deutliche Mehrzahl der Übernahmen galt Talenten. Wir mussten wachsen.“ Yahoo habe 2012, als Marissa Mayer CEO wurde, 37 Mobilentwickler gehabt. Heute seien es über 500.

Yahoo-Zentrale (Bild: Richard Nieva / CNET)

Cahan räumt auch ein, Mayers Plänen gegenüber zunächst skeptisch gewesen zu sein. „Ich dachte, wenn Mobile eine große Sache wird, sollte jeder auf Mobile konzentriert sein. Warum sollten wir eine unabhängige Abteilung dafür einrichten?“ Diese wurde im Oktober 2012 gegründet; Cahan bekam den Auftrag, sie zu leiten.

Der 42-Jährige war selbst erst ein Jahr vor Mayer zu Yahoo gestoßen, und zwar im Zug einer Übernahme: Yahoo kaufte Cahans Start-up IntoNow im Mai 2011 für rund 20 Millionen Dollar. Seine App diente dazu, laufende Fernsehsendungen auf Facebook und Twitter zu kommentieren. Sie wurde erst dieses Jahr eingestellt.

Unter der Leitung von Cahan und Mayer hat Yahoo rund 40 Firmen aufgekauft – hauptsächlich Start-ups wie das mit Spracherkennung beschäftigte SkyPhrase oder die Firma hinter der Mobilvideo-App Ptch. Die große Ausnahme war der Kauf der Blogplattform Tumblr für gut eine Milliarde Dollar – Mayers bisher größte Übernahme. Die wachsende Mobilabteilung überarbeitete in der Zwischenzeit so gut wie jede Smartphone-App des Unternehmens, von Wetter über Finanzen bis zur Foto-App Flickr. Mit News Digest wurde auch eine neue App gestartet, die Nachrichten automatisch zusammenfasst.

Mit all dem Aufwand hat es Yahoo auf den wachsenden Mobilwerbemarkt abgesehen. Im Januar sagte Mayer noch gegenüber Analysten, Yahoos Einnahmen mit Mobilwerbung seien „unwesentlich“, obwohl der Mobiltraffic mehr als die Hälfte der monatlichen Zugriffe ausmacht – 430 von 800 Millionen. Dagegen kommen aktuell 59 Prozent von Facebooks Werbeeinahmen aus dem Mobilsektor.

Cahan nennt Facebook als Vorbild und Wegbereiter. Yahoo „rundet die Ecken ab“, sagt er: „Wir kamen zu der Erkenntnis, dass wir ganz schön spät dran sind. 12 oder vielleicht sogar 18 Monate verspätet. Wir müssen richtig schnell wachsen.“

Ein Schlüsselelement ist das im Februar eingeführte Produkt Gemini – ein Werbemarktplatz, auf dem Werbetreibende mobile und native Anzeigen kaufen können. (Unter Native Advertising versteht die Branche als solche kaum erkennbare Werbung, die auf die Interessen des Nutzers zugeschnitten ist.) Auch Aviate, das im Januar übernommen wurde, weist Cahan eine bedeutende Rolle zu. Es ähnelt Google Now, indem es selbsttätig Informationen anbietet, die den Nutzer interessieren dürften. Hier könnten Yahoo-Angebote wie Sport und Finanzen miteinander verbunden werden, und es wäre auch eine geeignete Umgebung für Native Advertising.

[mit Material von Richard Nieva, News.com]

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Themenseiten: Facebook, Marketing, Mobile, Smartphone, Yahoo

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