Atos kauft Supercomputer-Hersteller Bull

Es bietet 4,90 Euro pro Aktie in bar, was einer Gesamtsumme von 620 Millionen Euro entspricht. Aufsichtsräte und zwei Größaktionäre haben dem Angebot bereits zugestimmt. Mit der Übernahme würde Atos zum größten europäischen Cloud-Anbieter aufsteigen.

Atos will das französische Traditionsunternehmen Bull übernehmen. Es bietet dafür 4,90 Euro pro Aktie in bar, was einem Aufschlag von 30 Prozent gegenüber dem Durschschnittspreis der Bull-Aktie (3,77 Euro) in den vergangenen drei Monaten entspricht. Daraus ergibt sich ein Kaufpreis von insgesamt 620 Millionen Euro.

Atos kauft Bull

Bedingung für das öffentliche Angebot ist, dass Atos mindestens 50 Prozent plus eine Aktie an Bulls Grundkapital erwirbt. Atos plant zudem, die Aktien von Bull durch einen Squeeze-out oder einen späteren Zusammenschluss von der Börse zu nehmen.

Die Aufsichtsräte beider Unternehmen haben dem Angebot bereits einhellig zugestimmt. Gleiches gilt für die Großinvestoren Crescendo Industries und Pothar Investments, die gemeinsam einen Anteil von 24,2 Prozent an Bull halten.

Durch die Übernahme würde Atos zum größten europäischen Anbieter für Cloud-Lösungen aufsteigen. Sogar Microsoft mit Azure könnte das französische Unternehmen so hinter sich lassen. Nur Amazon Web Services wäre noch größer. Mit der Akquisition will Atos zugleich die Bereiche Managed Services und Systemintegration stärken. Außerdem hofft es auf Kosteneinsparungen in Höhe von 80 Millionen Euro innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Gemeinsam werden Atos und Bull im Bereich Cloud Operations voraussichtlich 400 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. In dieser Summe sind ebenfalls die Einnahmen des 2012 von Atos, EMC und VMware gegründeten Cloud-Dienstleisters Canopy enthalten. Auch technologisch soll die Übernahme Atos stärken, denn Bull verfügt bereits über technische Fähigkeiten und Technologien, die bei Canopy derzeit noch in der Entwicklung sind.

Atos beabsichtigt darüber hinaus, eine Unternehmenseinheit für Cyber Security und Big Data unter der Marke Bull zu schaffen. Das Umsatzziel dieses neuen Geschäftsbereichs liegt bei 500 Millionen Euro. Beim Aufbau der Infrastruktur komme auch die Expertise Bulls im Bereich High-Performance-Computing zum Tragen. 2013 setzte Bull, das in mehr als 50 Ländern vertreten ist, knapp 1,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Atos erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit mehr als 76.000 Mitarbeitern in 52 Ländern insgesamt 8,6 Milliarden Euro.

„Ich begrüße diese Verbindung als einen wesentlichen Schritt, mit dem wir unsere europäische Führerschaft in den Bereichen Cloud Computing, Big Data und Cyber Security festigen“, kommentierte Thierry Breton, Chairman und CEO von Atos. Das gelte auch hinsichtlich der Zielsetzung, Atos bis 2016 zu einem führenden Unternehmen und zur wichtigsten IT-Marke in Europa zu machen. Bulls Know-how bei High Computing Power, Data Analytics Management und Cyber Security würde das Angebot von Atos ideal ergänzen, so Breton weiter. „Dank unserer Integrationsfähigkeiten und unserer Kultur der operativen Leistungsfähigkeit, ziehen Kunden, Mitarbeiter und Anteilseigner von Atos und Bull großen Nutzen aus dieser Transaktion.“

In der Region DACH arbeiten rund 500 Mitarbeiter für Bull, weltweit sind es 9300. Zuletzt konnte sich das Unternehmen einen Auftrag für eine Supercomputer am Deutschen Klimarechenzentrum sichern.

Für Atos stellt Bull ein gute Ergänzung dar. Bull ist vor allem in Frankreich und in Europa stark. Zudem generiert es inzwischen neun Prozent des Umsatzes im Wachstumsmarkt Cloud (Bild: Atos).Für Atos stellt Bull ein gute Ergänzung dar. Bull ist vor allem in Frankreich und in Europa stark. Zudem generiert es inzwischen neun Prozent des Umsatzes im Wachstumsmarkt Cloud (Bild: Atos).

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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Björn Greif
Autor: Björn Greif
Redakteur ZDNet.de
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