Cisco-CEO sagt „knallharte Konsolidierung“ der IT-Industrie voraus

John Chambers erwartet, dass Unternehmen wie IBM und HP in zehn Jahren keine bedeutsame Rolle mehr spielen. In Gefahr sieht er vor allem Unternehmen, die Standalone-Produkte statt kompletter Architekturen anbieten. Netzwerkspezialist Cisco selbst will die Nummer Eins bei Software Defined Networking, Cloud, Kollaboration und dem "Internet der Dinge" werden.

CEO John Chambers hat auf der Hausmesse Cisco Live in Mailand eine „knallharte, knallharte Konsolidierung“ der IT-Industrie vorausgesagt. „Wenn Sie sich die führenden Unternehmen in der Branche ansehen – die meisten von ihnen werden in zehn Jahren nicht mehr in einer Weise existieren, die bedeutsam ist“, sagte er.

Cisco

Als Beispiele griff der Chef des Netzwerkspezialisten IBM und Hewlett-Packard heraus, deren Umsatzentwicklung nicht mehr überzeugen könne. Insbesondere Unternehmen, die Standalone-Produkte statt kompletter Architekturen vermarkten, sieht er in Gefahr. „Hier werden einzelne Firmen zerquetscht werden zwischen Cisco und White-Label-Anbietern.“

Cisco hingegen werde sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Zwar ist sich Cisco seiner eigenen Probleme bewusst, erwartet aber einen Aufschwung durch Software Defined Networking (SDN), Cloud-Computing, Kollaboration und das „Internet der Dinge“, das es bevorzugt als „Internet of Everything“ bezeichnet. Chambers gab sich optimistisch, dass sein Unternehmen in all diesen Märkten die führende Position erreichen kann.

Als Voraussetzungen für ein erfolgreiches Internet der Dinge nannte der CEO eine schnelle IT und in einem noch nie dagewesenen Tempo beschleunigte Innovationen. Dadurch werde es möglich, in Echtzeit die richtigen Daten an die richtigen Geräte zu übermitteln. Das sei zwar einfacher gesagt als getan, räumte Chambers ein, hatte zugleich aber ein schlichtes Rezept für die erfolgreiche Umsetzung parat: „Wir müssen uns ansehen, was uns Apple gelehrt hat. Es muss einfach sein.“

Kurzfristig muss der Netzwerkausrüster aber ganz andere Probleme lösen, nachdem das Vertrauen in die Sicherheit seiner Produkte erschüttert wurde durch Berichte, dass der Auslandsgeheimdienst NSA in den USA hergestellte Hardware auf dem Transportweg abfing und mit Hintertüren ausstattete. Im seinen neuen Buch „No Place to Hide“ veröffentlichte Glenn Greenwald, journalistischen Partner von Whistleblower Edward Snowden, weitere Dokumente, die das konkret auf Router und andere Ausrüstung von Cisco beziehen.

Nachdem schon Ciscos Chefjustiziar davor warnte, dass die NSA damit das Vertrauen in die gesamte Branche unterminiert, legte CEO John Chambers jetzt mit einem Brief an US-Präsident Obama nach und forderte „neue Verhaltensstandards“ hinsichtlich der Spähaktionen der NSA. Cisco ist offenbar noch stärker als andere US-Technikfirmen auch von den wirtschaftlichen Verlusten betroffen, in denen sich der Vertrauensverlust niederschlägt. Nicht zuletzt chinesische Kunden halten sich mit Bestellungen zurück, aber auch aufstrebende Märkte wie Brasilien und Mexiko wenden sich nach den NSA-Veröffentlichungen von Ciscos Netzwerktechnik ab.

„Wir liefern unsere Produkte weltweit aus, von innerhalb wie auch von außerhalb der Vereinigten Staaten, und wenn diese Beschuldigungen zutreffen, dann unterminieren diese Handlungen das Vertrauen in unsere Branche und die Fähigkeit von Technikfirmen, Produkte weltweit auszuliefern“, heißt es in dem an Barack Obama gerichteten Brief. „Wir können so einfach nicht arbeiten – unsere Kunden vertrauen darauf, dass wir in der Lage sind, Produkte vor ihre Tür zu liefern, die den höchsten Standards von Integrität und Sicherheit genügen.“

[mit Material von Rachel King, News.com]

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1 Kommentar zu Cisco-CEO sagt „knallharte Konsolidierung“ der IT-Industrie voraus

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  • Am 21. Mai 2014 um 5:57 von Daniel K.

    Ich sehe auch die Zukunft mancher mittelständischer deutscher IT-Firmen kritisch. Z.B. gibt es einige, die branchenspezifische Arbeitsablaufoptimierungssoftware anbieten. Wenn man es genau betrachtet sind die Anforderungen an die Software aber gar nicht so branchenspezifisch. Man braucht nur die Leute, die was von der Branche verstehen um mit den Kunden reden zu können und die kleinen Unterschiede umzusetzen. Wenn da mal eine große IT-Firma ernsthaft in den Markt drängen würde oder sich ein Mittelständler trauen würde seine Lösung für andere Branche zu adaptieren, gingen da schnell mal einige Entwickler-Arbeitsplätze verloren. Und mit den Technolgien die da noch oft eingesetzt werden, würden die es schwer wieder haben wieder einen Job zu finden.

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