Erster Eindruck: Release Candidate von Linux Mint 17

Gemäß den bisherigen Release-Zyklen wird voraussichtlich in den kommenden ein bis zwei Wochen die neue Final der populären Linux-Distribution Mint erscheinen. ZDNet wirft einen ersten Blick auf den Release Candidate von Mint 17 Qiana inklusive der Desktop-Umgebungen Cinnamon und Mate.

Linux MintVor einigen Tagen wurde der Release Candidate von Linux Mint 17 unter dem Codenamen Qiana veröffentlicht. Er enthält die beiden Desktop-Umgebungen Cinnamon und Mate und zeigt schon einmal die zahlreichen Änderungen und Verbesserungen, die die neue Version der Linux-Distribution mit sich bringt – und das nicht nur hinsichtlich der Desktop-Varianten.

Bei den rund 1,2 GByte großen Imagedateien der einzelnen Editionen handelt es sich um hybride ISO-Abbilder, die entweder auf DVD gebrannt oder mittels des Unix-Befehls dd auf einen USB-Stick kopiert werden können. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn bereits Ubuntu installiert ist. Denn obwohl beide Distributionen UEFI-Bootsysteme unterstützen, sollte man diese nicht gemeinsam mit der Debian-basierenden Distribution installieren, da das entsprechende Bootverzeichnis auch bei der neuen Linux-Mint-Version noch immer ‚Ubuntu‘ heißt und es hierdurch zu Konflikten kommt.

Überdies geht die Mint-Installationsroutine auf den Ubuntu-Installer Ubiquity zurück. Hier muss man sich allerdings fragen, warum nicht jenes Installationsprogramm zum Einsatz kommt, das für die Debian-Edition von Linux Mint genutzt wird. Dieses bietet mehr Funktionen und ist flexibler, da sich damit beispielsweise die EFI-Bootpartition ändern lässt.

Außerdem zeigt der Installer auch bei der Auswahl der jeweiligen Zeitzone Schwächen. Um den entsprechenden Standort auswählen zu können, ist ein Klick auf eine Weltkarte erforderlich. Nutzt man hierfür jedoch eine kleine Karte und wählt gleichzeitig ein eher kleines Land wie die Schweiz aus, so kann die Standorteinstellung zu einem mühsamen Unterfangen werden.

Fängt man dann noch an, eine Buchstabenfolge in die Textzeile unterhalb des Kartenfensters einzutippen, so führt dies bei der Texterkennung schnell zu bizarren Wortvorschlägen: Tippt der Nutzer etwa ‚Zürich‘ ein, erhält er alle möglichen Vorschläge – außer dem korrekten. Erst die Eingabe des vollständigen Namens führt schließlich zum gewünschten Ergebnis.

Linux Mint – Cinnamon

Ist die Installation jedoch erst einmal abgeschlossen und das System entsprechend neu gestartet, zeigt sich – je nach gewählter Desktop-Variante – etwa eine saubere, neue Cinnamon-Umgebung in der Version 2.2.

Linux Mint 17: Cinnamon Desktop (Bild: ZDNet.de)Der Cinnamon-Desktop liegt im kommenden Linux Mint 17 in der Version 2.2 vor (Bild: ZDNet.de)

Dabei handelt es sich um die neueste Variante der Desktop-Umgebung, die aus den Mint-Erweiterungen für die GNOME Shell (MGSE) als Reaktion auf die Veröffentlichung von GNOME 3 hervorging und die mit jedem Release nicht nur schneller, sondern auch flexibler und zuverlässiger wird.

So wurde in der aktuellen Cinnamon-Version etwa die Einstellungsanzeige merklich verbessert. Sie präsentiert sich nun einheitlicher und ist besser kategorisiert als in den Vorgängerversionen. Die Einstellungen für den Bildschirmschoner sowie das Energiemanagement sind ebenfalls optimiert worden und wirken jetzt aufgeräumter. Die Datums- und Uhrzeiteinstellungen haben gleichermaßen Verbesserungen erfahren: Sie sind nun sinnvoller und einheitlicher umgesetzt. Auch die Systray-Icons in der Cinnamon-Taskleiste sind jetzt flexibler angelegt und besser zugänglich. Zudem unterstützt die neue Version den HiDPI-Modus für Retina-Displays. Deutlich anwenderfreundlicher sind auch die Möglichkeiten der „Aktiven Ecken“ gelungen.

Linux Mint – Mate

Wer sich während der Linux-Mint-Installation für die Anfang März erschienene Desktop-Variante Mate 1.8 entschieden hat, erhält eine Arbeitsumgebung, die im Vergleich zu Cinnamon 2.2 weniger generalüberholt wirkt. Mate ist jedoch nicht nur für Nutzer, die die GNOME-2-Desktops und deren Menüs lieben, die richtige Wahl, sondern auch für Geräte, deren Hardwareausstattung limitiert ist. Mate läuft im Test auf dem Netbook Samsung N150 Plus trotz limitierter CPU- und Grafikressourcen sehr performant.

Egal für welche Desktop-Variante man sich letztendlich entscheidet: Der erste Schritt nach der Installation des Release Candidates von Linux Mint 17 sollte das Aufspielen der neuesten Updates beziehungsweise Patches sein, woran der Nutzer durch das MintUpdate-Icon in der Taskleiste erinnert wird. Dies ist insofern wichtig, als dass die Linux-Mint-Entwickler nun insbesondere mehr Kernel-Updates als früher bereitstellen, da sie in der Vergangenheit immer wieder kritisiert wurden, das nicht in ausreichendem Maße zu tun.

Linux Mint 17 Mate (Bild: ZDNet.de)Die aktuelle Version der Desktop-Umgebung Mate, die als Alternative zu Cinnamon unter Linux Mint 17 installiert werden kann, wurde Anfang März veröffentlicht (Bild: ZDNet.de).

Außerdem wurde mit diesem Release die Aktualisierungsprozesse des Linux-Betriebssystems transparenter gestaltet: So beruht die automatische Auswahl eines Updates jetzt auf verschiedenen Ebenen, wobei jede Änderung abhängig von ihrer Relevanz und des damit geminderten Risikos einer dieser Ebenen zugeordnet ist. Bislang zeigte die Update-Funktion von Mint zudem lediglich die automatisch zur Installation freigegebenen Updates an und ignorierte die nicht angewählten Aktualisierungen. Dies wurde mit der neuen Mint-Variante geändert, sodass dem User kein womöglich wichtiges Update mehr entgeht.

Darüber hinaus enthält der kommende Release von Linux Mint ein neues Utility zur Treiberverwaltung, das das Ubuntu-Tool Jockey ersetzt. In ersten Tests wirkt der Driver Manager dabei nicht nur optisch ansprechender, sondern arbeitet auch zuverlässiger als sein Vorgänger. So konnte es mit Jockey etwa zu Problemen bei proprietären ATI-Treibern für Radeon-Grafikeinheiten kommen, wenn diese beispielsweise auf Netbooks oder Subnotebooks im Zusammenspiel mit AMD/ATI-Chipsätzen installiert wurden. Der neue Mint Driver Manager scheint solche Treiber jedoch ordnungsgemäß zu installieren und zum Laufen zu bringen.

Überdies beinhaltet der Release Candidate von Linux Mint 17 die folgenden Software-Komponenten, deren Versionierung sich bis zum Zeitpunkt der Final-Veröffentlichung allerdings noch ändern kann:

Weiterhin ist anzumerken, dass das neue Linux Mint auf den LTS-Distributionen von Ubuntu (Long-Term Support) basieren wird. Das bedeutet, dass dieser Release bis 2019 mit Sicherheitspatches versorgt werden wird. Größere Updates für das Programmpaket selbst sowie Backports sind durch die Entwickler hingegen bis 2016 gewährleistet.

Bis zu diesem Zeitpunkt werden mehrere sogenannte Punkt-Releases der Form Mint 17.x erwartet. Damit soll das Problem adressiert werden, dass die Menge an einzuspielenden Updates für die Basisinstallation mit der Zeit immer größer wird. Dieses wird jedoch nur dann gelöst, wenn Aktualisierungen pünktlich zur Verfügung stehen und sie wirklich alle Änderungen und Neuerungen enthalten, die seit dem letzten Major Release eingeflossen sind.

Fazit

Im ZDNet-Test wurde der Release Candidate sowohl auf Netbooks als auch auf vollwertigen Notebooks installiert. Dabei kamen neben UEFI-Bootsystemen auch Legacy-Systeme (BIOS) zum Einsatz. Die weitere Testumgebung beinhaltete unter anderem Intel- und AMD-CPUs, Grafikeinheiten von Nvidia und ATI (Radeon) sowie WLAN-Adapter von Broadcom und Atheros. Dabei gab es weder Fehlinstallationen, noch fehlende Geräte oder Treiber, die manuell nachinstalliert werden mussten, zu beanstanden. Auch die Installation mit Virtualbox unter Windows funktionierte. Allerdings musste hierfür in der Erstkonfiguration auf Auto-Login gestellt werden. Nach Installation der Virtualbox-Extension konnte diese Einstellung wieder deaktiviert werden.

[mit Material von J.A. Watson, ZDNet.com]

Themenseiten: Betriebssysteme, Desktop, Linux, Mint, Open Source

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10 Kommentare zu Erster Eindruck: Release Candidate von Linux Mint 17

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  • Am 24. Mai 2014 um 13:53 von Andreas Hopf

    Ich habe das Release jetzt schon über eine Woche neben dem aktuellen Kubuntu installiert, und wären Kubuntu noch an allen möglichen Ecken klemmt, läuft Mint bereits jetzt absolut rund. Wird wohl wieder einmal meine 1 Wahl und hat Windows schon seit Jahren verdrängt, also großes Lob.

  • Am 25. Mai 2014 um 1:47 von Guntram

    Seit 2002 nur noch mit Unix unterwegs, (SuSe – Fedora – Ubuntu – Mint) letzte Woche aus beruflichen Gründen auf einen alten Dual-Core mit 4 Gb Ram Windows 7 aufgespielt, Gott das ist die einzige Hölle und seit W2000 oder XP hat sich da nicht viel geändert, nur stress und permanentes herumgefummel damit es auch einigermaßen schnell läuft. Freiwillig würde ich nie mehr zurück auf Windoof wechseln.
    Ich habe alles was ich brauche bei Ubuntu dabei. Gimp 2.8 – Cinellera-cv – Blender – Bluefish – Aptana Studio – Apache – PhP – MySQL und noch vieles was bei Windoof Kohle kostete.
    Wenn jemand Interesse an Ubuntu hat, würde ich empfehlen 12.04 LTS als erstes aufzuspielen. Es läuft super stabil und hat noch bis ca. April 2017 alle Sicherheitsupdat garantiert und was nicht ohne ist hier gibt es das komplette Ubuntu 12.04 E-Book gratis, 1023 Seiten.
    http://openbook.galileo-press.de/ubuntu/
    LG
    Guntram

    • Am 28. Mai 2014 um 14:47 von Bkl

      Lass‘ doch die pubertäre Bezeichnung „Windoof“ sein. Auch „Windows“ hat seine Anhänger aus gutem Grund und das sollte man respektieren! Deine Meinung wird auch respektiert, sofern Du sie respektvoll (!) äußerst.

      • Am 17. Juli 2014 um 9:35 von Patrick Ogay

        Wenn man Milliardenbeträge ins Marketing stecken kann, gibt es natürlich schon ein paar Anhänger die das Produkt dann super finden.

        Deswegen warum sollen wir nicht auch schreiben, was wir denken?

        • Am 17. Juli 2014 um 10:50 von Martin Schaflechner

          Weil respektvoller Umgang damit anfängt, dass die eigene Position sachlich und fair vertreten wird und man nicht mit irgendwelchen Provokationen, Verunglimpfungen oder Beleidigungen um sich wirft.

          Zudem ist die User Experience eines Betriebssystems immer eine subjektive Angelegenheit.
          Wer bereits langjährige Erfahrungen mit Windows gemacht hat und plötzlich auf Ubuntu, Debian oder Mint umsteigt, wird höchstwahrscheinlich über mangelnde Nutzerfreundlichekeit meckern – und anders herum läuft es sehr ähnlich.

          Wichtig als Nutzer wäre es hier, so tolerant und offen zu sein, ein Experiment zu wagen und sich in ein anderes Ökosystem zu stürzen – das allerdings machen nur sehr wenige Menschen und deswegen gibt es nur wenige „objektive“ Meinungen zu dem Thema.

          • Am 17. Juli 2014 um 12:12 von Hehehe ...

            … der war gut. Sag das mal der Android-AgitProp-Fraktion hier im Forum – Respekt, Wahrheit, sachlicher Umgang … die wissen teilweise gar nicht, was damit gemeint ist … da ist ‚Windoof‘ ja harmlos dagegen! ;-)

          • Am 11. Dezember 2014 um 23:26 von Bernd

            Bin seit dem 11.12.14 mit meinem laptop auf linux mint umgestiegen. Muss sagen das es im Moment für mich als windoofer echt unübersichtlich, begriffe schlecht zu definieren sind, der hilfreiche explorer fehlt programme wegen der fachbegriffe nicht einfach installiert werden können, es keine laufwerkzuordnung gibt ich auf eine zwei partionen festplatte installiert habe und ohne mich zu fragen aus zwei eine partition gemacht. Trotzdem alles subjektiv ich bleibe dran und werde lernen und niemals user diskredtieren nur weil sie windows besser finden. Im Moment ist Windows, mal von der Virenbedrohung abgesehen unschlagbar.

        • Am 14. Januar 2015 um 16:09 von Philipp

          Ich muss aus Buchhaltungsgründen seit Jahren Lexware Faktura+Auftrag verwenden, können Sie uns erklären warum wir auf Windows verzichten sollen, nur weil Linux kostenlos ist? Die Datenbanken bekomme ich nicht auf diese Plattform, es wird Monate dauern, die Kundendaten manuell zu übertragen in ein anderes System.

      • Am 17. Juli 2014 um 10:17 von GGF

        „Windoof“ verwenden meistens die Leute die irgend etwas brauchen was angeblich noch schlechter ist wie das was sie selbst gerade verwenden. Das sieht man ja auch sonst in der Gesellschaft. Einer der fasst ganz unten ist sucht immer jemand der noch weiter unter ist. Das ist zwar sehr primitiv, aber viele Typen brauchen das einfach.

        • Am 17. Juli 2014 um 12:13 von @GGF

          Stimmt. Und weil das so ist, zeterst Du den ganzen lieben langen Tag nur gegen Apple – zu jedem Thema, ob es um Apple oder nicht um Apple geht, wird über Apple gezetert.

          Danke, dass Du meine Vermutung mit eigenen Worten bestätigst – Du brauchst das für Dein ‚Ego‘. Ein wahres Wort, meine Hochachtung! ;-)

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