Bitcoin Foundation verliert mindestens zehn Mitglieder

Ihr werden Intransparenz und eine fehlende ethische Grundhaltung vorgeworfen. Besonderen Anstoß erregte die Wahl von Investor Brock Pierce in das Direktorium. Die Foundation spielt in der Bitcoin-Community die Rolle eines Standardisierungsgremiums.

Nach der Ernennung eines neuen Direktors sind mindestens zehn Mitglieder aus der gemeinnützigen Bitcoin Foundation ausgetreten, wie Reuters berichtet. Bei der umstrittenen Personalie handelt es sich um den früheren Disney-Kinderstar und jetzigen Bitcoin-Förderer Brock Pierce.

Die Devise der Foundation ist es, den Menschen „Transaktionen zu ihren eigenen Bedingungen“ zu ermöglichen. Ihre Rolle kommt der einer Standardisierungsbehörde und zentralen Anlaufstelle nahe – obwohl Bitcoin dezentral konzipiert ist. Sie tritt auch als Werber für Bitcoin und als Lobbygruppe auf.

Der neue Direktor Pierce wird seit 2000 der Pädophilie verdächtigt und soll Minderjährige auch zu Sex gezwungen haben, was er abstreitet. (Die englischsprachige Wikipedia präsentiert heute mangels Beweisen eine stark gekürzte, einseitige Zusammenfassung dieser Anschuldigungen.) Sein in Konkurs gegangenes Start-up Digital Entertainment Network gab Berichten früherer Angestellter zufolge Drogen aus.

In jüngerer Zeit hat Pierce vier Start-ups im Bitcoin-Umfeld gegründet, darunter KnCMiner, das das erste Rechenzentrum für Bitcoin-Mining baute. Als Financier untersützte er ein Dutzend weitere. Zuletzt war er in den Schlagzeilen, weil er ein Gebot für die bankrotte Wechselbörse Mt. Gox abgab.

Bitcoin-Foundation-Mitglied Patrick Alexander kritisiert: „Dies ist nicht die Richtung, die diese Stiftung einschlagen sollte. Die Mitglieder der Stiftung müssen höchste moralische Werte im geschäftlichen wie im privaten Umgang anstreben, zumal es in ihr um Geld geht. Diesbezüglich ist die Erfolgsbilanz der prominenten Mitglieder bodenlos. Ich weiß, dass die meisten Mitglieder ganz anders sind, die Taten einiger weniger überschatten aber uns alle. Ich will nicht mehr mit diesen Menschen in Verbindung gebracht werden.“

Offenbar geht es aber nicht nur um die Personalie Pierce, sondern auch um fehlende Transparenz und schlechte Organisation, wie ein anderes Mitglied schreibt: „Die Geschäftsführung hat mehrfach leere Versprechungen zu Transparenz gemacht. Das ist ein Jahr her. […] Es gibt keine Finanzdaten. Es gibt keine Protokolle. Es gibt keine Aufzeichnungen über Abstimmungsergebnisse – ja nicht einmal darüber, wer überhaupt an der Wahl teilgenommen hat.“

Für die Bitcoin Foundation kommentierte Chefjustiziar Patrick Murck, man habe 1500 Mitglieder. „Demokratie ist manchmal chaotisch“, aber Vorschläge für die Durchführung künftiger Wahlen seien willkommen.

Gewählt hatten Pierce ausschließlich die Branchenmitglieder, die höhere Beiträge als Standardmitglieder zahlen. 65 Prozent der Stimmen fielen zu seinen Gunsten aus. Die Wahl galt zwei freien Positionen, die zuvor Mark Karpeles und Charlie Shrem innehatten. Karpeles was der CEO der möglicherweise bestohlenen, jetzt jedenfalls bankrotten Wechselbörse Mt. Gox, Shrem wird Geldwäsche in Verbindung mit dem anonymen, von der US-Polizei geschlossenen Online-Marktplatz Silk Road vorgeworfen.

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com]

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Themenseiten: Bitcoin, Bitcoin Foundation, Open Source

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