Arbeiterschutz: Samsung entschädigt erkrankte Mitarbeiter

Jahrelang bestritt Samsung jede Verantwortung für Arbeiter in seinen Halbleiterfabriken, die sich schwere Krankheiten wie Leukämie zuzogen. Erst nach öffentlichem Druck entschuldigt es sich für sein Verhalten gegenüber den Mitarbeitern und ihren Familien. Eine unabhängige Schiedskommission soll über Entschädigungen entscheiden.

Samsung will bisher verweigerte Entschädigungen für schwer erkrankte Mitarbeiter zahlen, die in seinen Halbleiterfabriken tätig waren. Der koreanische Elektronikkonzern entschuldigte sich ausdrücklich für sein eigenes Verhalten gegenüber den Mitarbeitern und ihren Familien.

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„Wir sind tief betrübt … Samsung hat den Schmerz und die Schwierigkeiten der Opfer und ihrer Familien nicht beachtet“, erklärte Co-CEO Kwon Oh-hyun von Samsung Electronics bei einer Pressekonferenz in Seoul. „Wir entschuldigen uns aufrichtig bei ihnen dafür, dass wir das Problem nicht früher gelöst haben. Arbeiter sind an Leukämie und anderen unheilbaren Krankheiten erkrankt, und einige sind gestorben. Ihr Einsatz hat Samsung geholfen, zu dem zu werden, was es heute ist. Wir werden die Mitarbeiter entschädigen, die durch berufsbedingte Krankheiten gelitten haben und gestorben sind, nachdem sie in den Fabriken von Samsung Electronics tätig waren.“

Jahrelang bestritt Samsung jeden Zusammenhang mit der Arbeit in seinen Fabriken und berief sich auf eine von ihm beauftragte Studie der US-Beratungsfirma Environ International Corp, die 2011 zu dem Schluss kam, dass seine Werke sicher seien. Im gleichen Jahr entschied aber auch schon ein Verwaltungsgericht in Seoul, dass giftige Chemikalien in den Fabriken Samsungs die Krankheit von zwei Samsung-Mitarbeitern „verursacht oder zumindest gefördert haben“. Zu den beiden Opfern gehörte Hwang Yu-mi, die seit Oktober 2003 in einer Fabrik von Samsung arbeitete, 2005 mit Leukämie diagnostiziert wurde und im März 2007 im Alter von 23 Jahren starb.

Die Arbeiterschützer von SHARPS (Supporters for the Health and Rights of People in the Semiconductor Industry) berichten von über 200 ähnlichen Vorwürfen gegen Samsung und andere Chiphersteller – 181 davon gegen Samsung. Für öffentlichen Druck sorgte unter anderem der durch Crowdsourcing finanzierte koreanische Film „Another Promise“, der sich mit seinem ursprünglichen Titel „Another Family“ auf einen bekannten Werbeslogan Samsungs bezog und durch das Schicksal von Hwang Yu-mi inspiriert wurde.

Samsung reagiert jetzt auch auf Forderungen der Oppositionspolitikerin Sim Sang-jeung, die das Unternehmen per Gesetz zwingen wollte, sich zu entschuldigen und die betroffenen Arbeiter zu kompensieren. Es will eine unabhängige Schiedskommission einrichten, die über Entschädigungen entscheiden soll. Samsung sagte außerdem zu, die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken zu überprüfen.

[mit Material von Rich Trenholm, News.com]

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