Bitcoin-Börse Mt. Gox löst sich auf

Sie hat bei einem Gericht in Tokio die Genehmigung für eine Liquidierung beantragt. Die ursprünglich geplante Sanierung nach US-Konkursrecht hält sie nicht mehr für durchführbar. Die zuständige Richterin hatte CEO Mark Karpeles für eine Anhörung nach Dallas bestellt. Ihn ersetzt jetzt ein vom Gericht eingesetzter Verwalter.

Die Bitcoin-Wechselbörse Mt. Gox aus Japan steht vor einer Liquidierung, statt wie früher geplant eine Sanierung nach US-Konkursrecht durchzuführen. Sie hat bei einem Gericht um Tokio nach der dafür benötigten Genehmigung angefragt, wie das Wall Street Journal vorab berichtete und inzwischen offiziell bestätigt wurde (PDF). CEO Mark Karpeles wird durch einen vom Gericht bestellten Verwalter ersetzt werden.

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In den Unterlagen werden aufgetretene Schwierigkeiten als Grund genannt. Es sei nicht leicht möglich, sich mit den über den Globus verstreuten Gläubigern zu treffen, und es mangle auch an Sanierungskonzepten. Für die Gläubiger der Börse dürfte dies allerdings bedeuten, dass sie weniger von ihren Einlagen zurückerhalten als im Fall einer erfolgreichen Sanierung.

Mt. Gox hatte in Japan im Februar Konkurs angemeldet – und im März dann auch nach US-Recht (Chapter 15). Nach Cyberangriffen fehlten ihr 750.000 Bitcoin von Kunden und 100.000 eigene Bitcoin – mit einem Gesamtwert von derzeit etwa 350 Millionen Euro. Seither hat Mt. Gox nach eigenen Angaben 200.000 BTC (fast 90 Millionen Euro) „wiedergefunden„, die in einer leer geglaubten „Geldbörse nach dem alten System“ steckten.

Die Mehrzahl der Geschädigten ist in den USA ansässig. Im Fall eines Konkursverfahrens in den USA hätten sie sich mit ihren Ansprüchen an das dortige Gericht wenden können. Die zuständige US-Konkursrichterin hatte Mt.-Gox-CEO Mark Karpeles allerdings aufgefordert, persönlich das Verschwinden von 650.000 Bitcoin zu erklären. Die Anhörung war für 17. April in Dallas angesetzt. Karpeles‘ Anwälte deuteten letzte Woche an, dieser sei nicht bereit, in den USA auszusagen.

Karpeles zufolge gab es eine Sicherheitslücke im System von Mt. Gox, über die die dreistelligen Millionen-Euro-Summen gestohlen wurden. Wie das genau geschehen ist, hat Mt. Gox aber nie geschildert – im Gegensatz zur kleinen „Bitcoin-Bank“ Flexcoin. Diese hat vergangenen Monat aufgegeben, nachdem ihr 896 BTC (400.000 Euro) entwendet wurden, und als Erklärung die eigenen Programmierfehler erläutert.

So lag es auch an der fehlenden Transparenz, dass Hacker Mt. Gox Betrug unterstellten. Sie drangen in Karpeles‘ Reddit-Konto und seinen persönlichen Blog ein, wo sie ihm Bereicherung vorwarfen. Auch das zuständige japanische Gericht war mit den von Mt. Gox zur Verfügung gestellten Informationen nicht zufrieden und verlängerte daher die Frist zur Klärung der Umstände, unter denen die Millionensummen verschwunden sind.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

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Themenseiten: Bitcoin, E-Commerce, Mt. Gox

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