Cloud Computing im Jahr eins danach

Die auf den von Edward Snowden zur Verfügung gestellten Dokumenten basierenden Enthüllungen haben das Vertrauen der Nutzer in die Cloud heftig erschüttert. Im Gastkommentar für ZDNet zieht Mihai Morcan, Leiter von Dell Services in Deutschland, eine Bilanz. Seiner Ansicht nach sind für Firmen abseits der Public Cloud die Vorteile durch das Konzept Cloud Computing immer noch attraktiv.

Vor einem Jahr hätte das kaum jemand für möglich gehalten: Cloud Computing, langjähriger Superstar unter den Trendthemen, musste einen Dämpfer hinnehmen. Zunächst hatte es noch so ausgesehen, als könnte die Cloud den riesigen Datenschnüffelskandal, der uns seit Mitte 2013 beschäftigt, unbeschadet überstehen. Aber als schließlich kein Ende der immer neuen Enthüllungen abzusehen war, wurde auch klar: In so einem Umfeld überlegen es sich Unternehmen dreimal, ob sie ihre Daten, und vor allem ihre kritischen Daten, einer Sphäre anvertrauen wollen, der sie nicht so recht trauen können.

dell-mihai-morcanMihai Morcan, der Autor dieses Gastkommentars für ZDNet, ist bei Dell Deutschland Leiter des Bereichs Services (Bild: Dell).

Mittlerweile ist klar, dass viele Unternehmen zögern, sich hier zu engagieren, und dass man über sicherere und vertrauenswürdigere Alternativen nachdenkt. Kein Wunder, dass sich das Wachstum des Cloud Computing zum Jahresende merklich abgeschwächt hat.

Interessant ist, dass das Konzept des Cloud Computing dabei grundsätzlich kaum in Frage gestellt wurde: Skalierbarkeit, Flexibilität und Kostentransparenz, diese Vorteile sind zu attraktiv, als dass Unternehmen hier vorschnell die Flinte ins Korn werfen wollen. An der Cloud führt auf Dauer kein Weg vorbei. Die Frage ist nur: Wie kann man die Cloud organisieren, damit sie nicht nur effizient, sondern auch sicher ist? Wie könnte also die Cloud jenseits von systematischem Datenausspähen funktionieren?

Hier erweist es sich als Vorteil, dass Cloud Computing selbst keine Technologie ist, sondern ein Nutzungskonzept, das sich mit vielen Technologien verbinden lässt. Die zumeist diskutierte „Public Cloud“ ist nur ein Modell, und dabei für Unternehmen keineswegs das wichtigste. Private-Cloud-Lösungen, die Cloud Services bestimmten Standorten zuordnen, lokalisieren sowohl die Rechenleistung, als auch die Speicherung der Daten genau dort, wo der Kunde sie haben will. Beziehungsweise dort, wo er sie aufgrund seiner eigenen Compliance-Regelungen lokalisieren muss: in einem bestimmten Land, in einem bestimmten Rechtsraum, vielleicht auch in einem bestimmten sozialen Umfeld.

Das Wachstum beim Cloud-Computing hat sich infolge der NSA-Affäre verlangsamt (Grafik: Bitkom).Das Wachstum beim Cloud-Computing hat sich infolge der NSA-Affäre verlangsamt (Grafik: Bitkom).

So oder so gibt es zahlreiche Ansätze, wie und wofür die Cloud genutzt werden kann. Die in der Öffentlichkeit intensiv diskutierte Verlagerung kritischer Daten in die Public Cloud ist nicht die einzige Nutzungsart. Von der Bereitstellung flexibler Ressourcen für zeitlich begrenzte Projekte, zum Beispiel beim Testen neuer Software, bis zur Nutzung von Anwendungsdiensten aus einer unternehmenseigenen Private Cloud gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten.

Ein zentrales Problem für die Sicherheit von Daten, die sich nicht ausschließlich innerhalb des eigenen Hauses bewegen, bleibt der Übertragungsweg. Wegen der Definitionen durch das IP-Protokoll können sich die Daten ihren Weg über verschiedene Routen suchen, und nicht jeder ist wirklich sicher.

Aber auch dafür stehen mit der Verschlüsselung passende Techniken zur Verfügung. Dabei ist es aber keineswegs so, dass diese bereits auf breiter Front kompromittiert wären. Gerade die jüngst bekannt gewordenen Anstrengungen, mit neuen Superrechnern endlich jede Verschlüsselung knacken zu können, belegt ja indirekt, dass die An- und Abgreifer durchaus noch Handlungsbedarf haben.

Freilich hat der Skandal des letzten Jahres auch gezeigt, dass technische Lösungen immer begrenzt sein werden. Schließlich sind regierungsamtliche Datenschnüffler keineswegs nur auf technische Mittel angewiesen, sondern können noch mit anderen Argumenten Einblick in Daten verlangen.

Mit dem Skandal ist aber auch klar geworden, dass rechtliche Regelungen auf internationaler Ebene überfällig sind. Der deutsche Rechtsraum reicht für eine Regulierung nicht aus. Daten werden nun mal nicht nur national, sondern global ausgetauscht – ähnlich wie Passagiere und Fracht im Flugverkehr. Auch hier ist es gelungen, sich auf internationale Regelungen zu verständigen, die heute weltweit gelten und ohne die der Flugverkehr nicht funktionieren würde. Das sollte doch auch beim Cloud Computing möglich sein.

Die Abhöraffäre des letzten Jahres hat das Cloud Computing ohne Zweifel verändert. Mehr denn je steht heute die Sicherheit im Vordergrund, wodurch entsprechende angepasste Modelle der Cloud an Bedeutung gewonnen haben – in diese Richtung wird die Reise der Cloud weitergehen.

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Themenseiten: Analysen & Kommentare, Cloud-Computing, Dell, Gastbeiträge

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Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Cloud Computing im Jahr eins danach

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  • Am 23. März 2014 um 6:46 von Egon Wahr

    Da schreibt sich ein Dell-Unternehmensmanager den Markt schön – LÄCHERLICH! Es kann und wird NIE einen unternehmerischen Grund geben, meine Unternehmendaten aus der Hand/Verantwortung/Kostenkontrolle zu geben. Open Source bietet jegliche Sicherheit, die eigene Unternehmens-IT zu betreiben und das Herbeischreiben eines Pseudomarktes mit Lachen zu verfolgen. Kündigungsgrund/Inkompetenzbeweis meines IT-Chefa wäre, wenn er mir auch nur im Ansatz externe Clouddienste offerieren würde!

    • Am 24. März 2014 um 16:26 von Chris

      Grundsätzliche Zustimmung, allerdings kann man so nur dann argumentieren, wenn man die nötigen Ressourcen für eigene Entwicklungen zur Verfügung hat. Ist das nicht gegeben, bieten Cloud-Anwendungen eine durchaus nützliche Alternative…

      • Am 25. März 2014 um 16:43 von Egon Wahr

        Falsch! Gerade dann. In dem Fall kaufe ich externes know-how zur Implementierung eigener Serverstrukturen, die 1:1 meine Daten spiegeln und vernetzen – mit Open-Source bin ich dann um Quanten BILLIGER als mich bei BLUTSAUGERN in Abhängigkeiten zu begeben. Der Begriff CLOUD ist nur Marketingsprech oder Gehirnwäsche wie „Grüne Gentechnik“. Wer noch vorzieht eigenständig zu denken und nicht jeden Hype für bare Münze nimmt, wendet sich an einen mittelständigen Provider und kauft dort dezidierte Server samt Software. Es ist der feuchte Traum aller Wirtschaftsfaschisten Software und Hardware zum lebenslangen Abmelken in den Markt zu drücken. Microsoft lernt gerade, dass dieses Wirtschaftsmodell in Zukunft abkackt. Apple steht dieser Lernprozess noch bevor:-)

  • Am 10. April 2014 um 20:06 von IM_Carlos

    Dir ist scon klar, dass ein Quant recht klein ist? Oder dass Server und eine Infrastruktur mitunter deutlich teurer sind als eine Cloudlösung?

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