Autonomy-CEO wirft HP Irreführung von Aktionären vor

Hintergrund ist der Streit um die Buchhaltung von Autonomy. Mike Lynch zufolge hat HP seine Anschuldigungen bisher nicht belegt. Zudem verweist er auf einen Bericht der Financial Times, wonach das HP-Management schon vor der Übernahme von Autonomys Geschäftspraktiken wusste.

Autonomy-CEO Mike Lynch hat in einem offenen Brief Hewlett-Packard vorgeworfen, seine Aktionäre getäuscht zu haben. Hintergrund ist der Streit um die Buchhaltung des von HP im Oktober 2011 übernommenen Unternehmens. Es gebe Beweise dafür, dass HPs Behauptungen falsch seien, Autonomy habe „Offenlegungen versäumt“ und Geschäfte „völlig falsch bewertet“.

Logo von Hewlett-Packard

Lynch zufolge hat HP die angeblichen Verfehlungen nur allgemein formuliert, statt sie genau zu benennen. Die von HP-Chefin Meg Whitman vorgebrachten Anschuldigungen gegen ihn und sein Unternehmen seien zudem „aufwieglerisch und verleumderisch“.

In den vergangenen 16 Monaten habe HP wiederholt Unterlagen aus dem Kontext gerissen, um falsche Eindrücke zu erwecken und „unserem Ruf zu schaden“, so Lynch weiter. Außerdem habe HP bisher keine Informationen oder Beweise vorgelegt, um seine Anschuldigungen zu belegen. „HP hat sich mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren wiederholt geweigert, dem Autonomy-Management die Anschuldigungen oder Beweise zu zeigen. Trotzdem hat es ausgewählte Dokumente und E-Mails gegenüber den Medien offengelegt“, schreibt Lynch. „Wie rechtfertigt HP das?“

Des Weiteren zitiert der Autonomy-CEO aus einem im Februar veröffentlichten Bericht der Financial Times, wonach das HP-Management Autonomys Geschäftspraktiken kannte. Die Zeitung beruft sich dabei auf Prüfberichte, Buchhaltungsunterlagen und interne E-Mails. „Wenn HP andere Beweise hat, warum legt es sie nicht offen?“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lynch gegen Vorwürfe von HP wehrt. Sein Unternehmen soll laut HP Hardwareverkäufe genutzt haben, um seine Softwareumsätze zu schönen. Der Computerhersteller hatte unter dem damaligen CEO Leo Apotheker Autonomy für 11,2 Milliarden Dollar gekauft, um sich stärker auf Software auszurichten. Rund ein Jahr später schrieb HP 8,8 Milliarden Dollar auf den Wert der Investition ab. Als Grund nannte es Autonomys Buchhaltung. „Der Großteil dieser Wertminderung steht in Zusammenhang mit ernsthaften Verstößen gegen Buchhaltungsprinzipien, versäumten Offenlegungen und schlicht falschen Darstellungen bei Autonomy Corporation plc, die vor HPs Übernahme von Autonomy liegen, und mit ihren Auswirkungen auf die erwartete langfristige finanzielle Entwicklung von Autonomy“, teilte HP zu dem Zeitpunkt mit.

Derzeit untersuchen das britische Serious Fraud Office und auch die US-Justiz die Buchführung von Autonomy. Darüber hinaus haben HP-Aktionäre gegen CEO Meg Whitman und das Unternehmen selbst geklagt. Sie sollen 2012 nicht rechtzeitig bekannt gemacht haben, dass HP für Autonomy zu viel bezahlte und Betrug vermutete.

[mit Material von Zack Whittaker, ZDNet.com]

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Themenseiten: Autonomy, Hewlett-Packard, Software, Übernahmen

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