EU-Parlament beschließt Universal-Ladegerät für Mobiltelefone

Spätestens 2017 müssen Hersteller ihre Geräte zu einem einheitlichen Ladegerät kompatibel machen. Darin sieht die EU eine Erleichterung für den Verbraucher und eine Entlastung für die Umwelt. Durch die Standardisierung können angeblich 51.000 Tonnen Elektromüll pro Jahr vermieden werden.

Das EU-Parlament hat einen Gesetzentwurf zur Neufassung der Vorschriften für Funkanlagen durchgewinkt. Er verpflichtet die Hersteller, alle in der EU angebotenen Mobiltelefone zu einem einheitlichen Ladegerät kompatibel zu machen. Der Entwurf wurde zuvor bereits mit dem Rat vereinbart, der ihn noch formal verabschieden muss.

Apple nutzt statt Micro-USB weiterhin seinen Dock-Connector (Bild: CNET).Apple nutzt statt Micro-USB weiterhin seinen Dock-Connector (Bild: CNET).

Das neue Gesetz wurde mit 550 Stimmen angenommen, bei 12 Gegenstimmen und 8 Enthaltungen. Die Mitgliedstaaten müssen die darin enthaltenen Vorschriften innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. Die Hersteller haben dann noch ein Jahr – also bis 2017 – Zeit, sich auf die verbindliche Anwendung der neuen Vorschriften vorzubereiten.

„Ich bin besonders erfreut, dass wir uns auf die Einführung eines gemeinsamen Ladegeräts einigen konnten“, sagte die deutsche EU-Abgeordnete Barbara Weiler (SPD). „Dies ist eine gute Nachricht für den Verbraucher und für die Umwelt. So können wir zu Hause Kabelsalat und in der Umwelt 51.000 Tonnen Elektromüll pro Jahr vermeiden.“

Schon 2009 hatten die EU, die UN-Sonderorganisation International Telecommunications Union (ITU) und führende Handyhersteller eine Übereinkunft getroffen, standardmäßige Micro-USB-Anschlüsse in ihren Geräten zu verbauen, die auch zum Laden genutzt werden können. Die Vereinbarung wurde auch von Apple unterzeichnet, das aber auch in seiner neuesten iPhone-Generation noch auf eine Lösung mit zusätzlichem Adapter setzt.

Teilweise bestehen Hersteller allerdings selbst dann auf der unbedingten Verwendung ihres eigenen Ladezubehörs, wenn ihre Geräte via Micro-USB geladen werden können. Das gilt beispielsweise für Googles Android-Smartphone Nexus 4. In der Betriebsanleitung heißt es: „Verwenden Sie nur das Ladegerät und das Micro-USB-Kabel im Lieferumfang Ihres Nexus 4. Verwendung eines anderen Ladegeräts oder Kabels kann das Telefon beschädigen.“

Diese oder ähnliche Anweisungen sind künftig nicht mehr zulässig. Hier müssen die Hersteller innerhalb der nächsten drei Jahre nachbessern.

Die EU sieht in der Standardisierung nicht nur eine Erleichterung für den Nutzer, sondern auch einen Vorteil für die Umwelt. Denn dann muss mit einem neuen Smartphone nicht zwangsläufig auch ein neues Ladegerät gekauft werden, während das alte, zumeist noch funktionsfähige auf dem Müll landet.

Der jetzt verabschiedete Gesetzentwurf sieht außerdem eine Reform der Richtlinie für Funkanlagen vor. Sie soll für eine effiziente Nutzung des Funkspektrums sorgen und sicherstellen, dass sich die zunehmende Vielfalt von Geräten nicht gegenseitig beeinträchtigt. Darüber hinaus soll sie gewährleisten, dass grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen erfüllt werden.

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Themenseiten: European Union, Handy, Smartphone

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Neueste Kommentare 

8 Kommentare zu EU-Parlament beschließt Universal-Ladegerät für Mobiltelefone

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  • Am 14. März 2014 um 8:29 von Roman

    So ein Dreck!
    Wenn apple auf Usb umstellen muss, kann unser Haushalt 10 Lightning Stecker wegschmeissen….

    • Am 14. März 2014 um 20:55 von Wieso?

      Solange die Geräte noch laufen (mind. Drei Jahre), muss nix weggeworfen werden. Und zum Schluss finden sie einen neuen Abnehmer über Ebay. :-)

  • Am 14. März 2014 um 9:05 von Oliver

    In der Spielzeugindustrie gibt es seit der D-Mark ein Multi-Netzteil, mit verschiedene Steckern und eine variable Volteinstelleung beim output!

    Warum gibts sowas nicht für Smartphones und Tablets???????????
    Man verpflichtet ja auch nicht die Autoindustrie ihre Autos so zu bauen, dass jeder x-beliebige Motor rein passen soll, falls dieser kaputtgehen soll!!!!
    WAS IST MIT DEM LEBENSMITTEL-MASSENMÜLL…. KEINE LOBBY!!!!!

    • Am 14. März 2014 um 9:39 von punisher

      Motor? nee, aber die jeweiligen Zapfsäulen sind gleich ;) Das ist auch eher mit den Steckern zu vergleichen oder nicht?

  • Am 14. März 2014 um 11:15 von Jo

    Soweit ich das verstehe gehts doch eh um das Ladegerät nicht ums Kabel… Lightning kann also bleiben. Find ich auch gut, kann man doppelseitig verwenden… wenn aber tatsächlich die EU Micro-USB im Gesetz verankern will ist das schlicht blödsinnig! Was ist mit zukunftigen Entwicklungen oder zum Beispiel kabellosem Laden?

    • Am 14. März 2014 um 13:08 von Ganz großes Fragezeichen

      Ich verwende schon seit ewig das iPhone Netzteil um auch meine Samsung S2 zu laden. Einfach den USB-Stecker ziehen und gegen das jeweils andere Kabel tauschen. Ist eine feine Sache.

  • Am 14. März 2014 um 12:39 von Mac-Harry

    Es ist noch NICHT beschlossen. Es ist eine Vorlage, die noch zu ratifizieren ist. Aber ganz davon abgesehen sieht das Vorhaben keine Vorschriften zu Kabeln, sondern zu LADEGERÄTEN vor. Lightning am A-Ende und USB am B-Ende, wie von Apple derzeit vorgelegt kann also bleiben. Das ist definitiv NICHT betroffen. Es geht um die Ladegeräte (common charger im Quelltext der EU).

    Na dann bekommen wir beim Apple-Geräten eben auch die hässlichen billigen schwarzen ollen Pofel-Dinger, wie sie an PC’s schon lange üblich sind. Es soll ja Menschen geben, die Pofel gut finden.

    • Am 15. März 2014 um 14:22 von Judas Ischias

      Es soll auch Menschen geben, die das Appel-Zubehör nicht gutfinden!

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