Edward Snowden: Die NSA gefährdet die Zukunft des Internets

Das Problem kann ihm zufolge nur die Technikbranche selbst lösen. Snowden glaubt außerdem nicht, dass die NSA die gängigen Verschlüsselungstechniken knacken kann. Er stellt auch die Wirksamkeit der staatlichen Abhörprogramme im Kampf gegen den Terrorismus infrage.

Edward Snowden hat in einem Video-Interview auf der Konferenz South by Southwest, die derzeit in Austin (Texas) stattfindet, dem Geheimdienst NSA vorgeworfen, er gefährde die Zukunft des Internets. Snowden, der per Google Hangouts von Russland aus einer Podiumsdiskussion zugeschaltet war, sagte: „Die NSA setzt die Zukunft des Internets in Brand. Und die Menschen in diesem Raum sind die Feuerwehrmänner. Wir brauchen ihre Hilfe, um dieses Problem zu lösen.“

Ben Wizner, Moderator der Veranstaltung sowie Director des Speech, Privacy and Technology Project der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU), lobte Snowdens Enthüllungen. Sie hätten das Interesse an staatlicher Überwachung „wiederbelebt“. „Manchmal muss gründlich gekehrt werden, und Edward Snowden war der Besen“, sagte Wizner.

Edward Snowden hat per Google Hangouts an einer Podiumsdiskussion während der Konferenz South by Southwest teilgenommen (Screenshot: Seth Rosenblatt / CNET).Edward Snowden hat per Google Hangouts an einer Podiumsdiskussion während der Konferenz South by Southwest teilgenommen (Screenshot: Seth Rosenblatt / CNET).

Eine der ersten Fragen, die Wizner Snowden stellte, war, warum er sich an die Technokraten wende und nicht an die Politiker in der Hauptstadt Washington. „Die Technik-Community sind diejenigen, die besser helfen können, diese Situation zu klären, als die Leute in Washington“, antwortete Snowden. „Es wird eine technische Antwort benötigt. Es sind die Macher, die Denker und die Entwickler-Community, die dafür sorgen können, dass wir sicher sind.“

Dass es der NSA gelingen könnte, gebräuchliche Verschlüsselungstechniken auszuhebeln, hält Snowden für unwahrscheinlich. Die größere Gefahr gehe von gestohlenen Schlüsseln aus. „Ich glaube, dass die Verschlüsselung Bestand hat, solange wir keine groben Fehler in den Bereichen Mathematik und Physik machen.“

Kritik an der Technikbranche kam von Christopher Soghoian, Anwalt für Datenschutz und Principal Technologist bei der ACLU. Google sammle via Android und Chrome Daten seiner Nutzer. Facebook habe die Privatsphäre seiner Mitglieder verletzt und sammle ebenfalls deren Daten. Apple warf er vor, sein Adressbuch unsicher gemacht zu haben, Yahoo habe zu spät Verschlüsselungstechniken implementiert und Mozilla seinen Browser nicht ausreichend abgesichert. „Unglücklicherweise wurde der größte Whistleblower aller Zeiten benötigt, damit diese Firmen der Sicherheit ihrer Kunden den Vorrang geben.“

Soghoian und Snowden waren sich jedoch einig, dass es einen Unterschied zwischen den Spähaktionen der Regierung und der Datensammlung durch Unternehmen gibt: Die Regierung könne man nicht verklagen. „Wenn Daten heimlich gesammelt werden und die Öffentlichkeit oder Gerichte keine Kontrollmöglichkeit haben, dann ist das ein Problem“, sagte Snowden.

Snowden befürchtet zudem, dass die Abhörprogramme eine effektive Bekämpfung des Terrorismus behindern könnten. Als Beispiel nannte er den Bombenanschlag auf den Boston-Marathon im vergangenen Jahr. „Tamerlan Tsarnaev war den Russen bekannt. Wenn wir uns auf traditionelle Geheimdienstinformationen konzentriert hätten, statt auf die massenhafte Überwachung, dann hätten wir ihn vielleicht stoppen können“, sagte Snowden über den mutmaßlichen Haupttäter.

Die erste Wortmeldung aus dem Publikum kam von Tim Berners-Lee, dem Erfinder von HTML und damit des World Wide Web. Er dankte Snowden und sagte, die Enthüllungen seien im grundlegenden Interesse der Öffentlichkeit. Er fragte Snowden zudem, was man tun könne, um die staatliche Überwachung zu verbessern.

Snowden antwortete, das Problem sei nicht das System an sich, sondern dessen Implementierung. Es fehle eine „Rechenschaftspflicht“. „Es kann nicht sein, dass Leute wie der nationale Geheimdienstdirektor James Clapper den Kongress belügen.“

Zum Schluss betonte Snowden erneut, er habe sich an die Presse gewandt, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, eigene Entscheidungen zu treffen. Er habe nicht versucht, im Alleingang die Regierung zu verändern. „Egal was mit mir passiert, das ist etwas, auf das wir ein Recht hatten. Ich habe geschworen, die Verfassung zu schützen, und ich habe gesehen, wie die Verfassung massiv verletzt wird.“

[mit Material von Seth Rosenblatt, News.com]

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Stefan Beiersmann
Autor: Stefan Beiersmann
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1 Kommentar zu Edward Snowden: Die NSA gefährdet die Zukunft des Internets

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  • Am 11. März 2014 um 18:20 von M.

    Der Mann opfert seine Zukunft und gefährdet sein Leben damit Merkel erfährt, dass sie abgehört wird und Merkel kriecht weiterhin in Obamas hintern. Was für ein Doppelmoral. Da brauchen Deutschland und Europa nicht über Demokratie und Menschenrechte reden. Politik „was für ein dreckiges geschäft“…

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