Nokia setzt künftig verstärkt auf sein Patentgeschäft

Aus historischen Zahlen leitet der finnische Hersteller ab, dass er ohne Handygeschäft seit Jahren profitabel wäre. Seine neue Sparte Advanced Technologies fasst Forschung und Patentverwertung zusammen. Ihre Einnahmen will Nokia auf 600 Millionen Dollar jährlich steigern.

Nach dem Verkauf seiner Gerätesparte an Microsoft will Nokia verstärkt auf sein Patentgeschäft setzen. Der finnische Hersteller hofft, die Einnahmen seiner neuen Abteilung Advanced Technology, die Forschung und Patentverwertung zusammenfasst, auf 600 Millionen Euro jährlich steigern zu können.

Nokia-Logo

Der Verkauf könnte schon in den nächsten Tagen oder Wochen abgeschlossen werden. Neben Advanced Technology (AT) bleiben Nokia als weitere Geschäftseinheiten der Netzwerkausrüster Nokia Solutions and Networks sowie der Kartendienst Here. Schon in seinem Bericht für das vierte Quartal wies Nokia keine Zahlen mehr für seine Lumia-Reihe mit Windows Phone aus. Mit historischen Zahlen versuchte es zugleich zu belegen, dass es ohne Handygeschäft sei Jahren profitabel wäre.

Bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen erklärte Nokia, es erwarte eine Steigerung der AT-Einnahmen von 500 Millionen Euro in diesem Jahr auf 600 Millionen Euro im folgenden Jahr. Die Hochrechnung stützt sich vor allem auf eine Abmachung, durch die sich Microsoft zur Lizenznahme vorhandener Schutzrechte für zehn Jahre zum Preis von insgesamt 1,65 Milliarden Euro verpflichtete. Zur Steigerung der Patentgewinne könne außerdem eine neue Vereinbarung mit Samsung führen, die nach Auslaufen des bestehenden Abkommens neu auszuhandeln sei.

Im Gespräch mit ZDNet.com gab Nokias CTO Henry Tirri bereits einen Ausblick auf das kommende Nokia ohne Handysparte. Das Unternehmen wird ganz andere Schwerpunkte, aber seinen Sitz noch immer in Finnland haben. Das Abkommen mit Microsoft untersagt Nokia mindestens in den nächsten zwei Jahren, erneut eigene Mobiltelefone anzubieten.

Die Sparte Advanced Technologies wird rund 600 Mitarbeiter beschäftigen und sich weiterhin auf Funktechniken konzentrieren. Daneben will sich Nokia aber auch bei anderen Formen von Konnektivität engagieren. Im Blickfeld der Nokia-Forscher sind weiterhin Sensortechnik, Imaging, Audio und Cloud.

Der Schwerpunkt auf Patentverwertung hat bereits die Aufmerksamkeit von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia erregt. Da Nokia sein Patentportfolio behält, gebe es Befürchtungen, dass das künftige Unternehmen ohne eigene Gerätesparte der Versuchung erliege, höhere Einnahmen aus diesem Portfolio zu pressen. „Wenn Nokia in Zukunft illegale Vorteile aus seinen Patenten ziehen sollte, dann werden wir eine kartellrechtliche Untersuchung einleiten“, warnte Almunia. „Aber ich hoffe, dass wir das nicht tun müssen.“

[mit Material von Liam Tung, ZDNet.com]

Themenseiten: Forschung, Microsoft, Mobile, Nokia, Patente, Quartalszahlen

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2 Kommentare zu Nokia setzt künftig verstärkt auf sein Patentgeschäft

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  • Am 25. Januar 2014 um 20:41 von Ettore Atalan

    Der Abstieg von einem Handypionier zu einem Patenttroll ist schon beachtlich und Fehlentscheidungen am laufenden Band zollen eben früher oder später ihren Tribut.

    Potential (fähige Mitarbeiter, gute Hardware, Qt, usw.) hatte Nokia mehr als genug, aber die Manager haben den Karren so dermaßen an die Wand gefahren, dass der Laden nur noch als Werkstatt für Microsoft taugt.

  • Am 26. Januar 2014 um 1:26 von Judas Ischias

    Die fähigen Mitarbeiter waren aber nicht in den höchsten Positionen. Ich habe vor ca.2, vielleicht sind es auch schon 3 Jahren, einen Bericht in einem Onlinemagazin gelesen, wo sich Mitarbeiter beklagt haben, dass in den obersten Führungspositionen keine Leute gesessen haben, die einen „Arsch“ in der Hose hatten. Da gab es schon vor Apple ein relativ gut entwickeltes Touchscreen-
    Handy. Aber die Leute, die zu entscheiden hatten ob das Gerät produziert wird, waren zu feige.

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