Eric Schmidt hat nichts von NSA-Spionage mitbekommen

Keiner in der Geschäftsführung hat dem Chairman zufolge davon gewusst. Er deutet im Interview auch an, es gebe wenige NSA-Anfragen. Trotz Berechtigung nimmt er keine Einsicht: "Wenn ich das täte, müsste ich eine Menge Regeln einhalten."

Googles Executive Chairman Eric Schmidt hat in einem Interview erklärt, nichts von NSA-Spionage in Unternehmensdaten und Googles Rechenzentren gewusst zu haben, bevor dies durch Zeitungsberichte bekannt wurde. Hinterher habe er sich allerdings „ausführlich beschwert“.

Eric Schmidt (Bild: CNET)Eric Schmidt (Bild: CNET)

Dem britischen Guardian sagte Schmidt: „Ich habe die nötigen Berechtigungen, um von so etwas zu erfahren, wie auch andere Verantwortliche in der Firma. Keiner von uns wurde informiert. Hätte man uns informiert, hätten wir wahrscheinlich nichts tun können. Ich habe schon Instruktionsmeetings [mit Behördenvertretern] abgesagt, weil ich mich dadurch nicht einengen lassen will.“

Der Zeitung zufolge hat Schmidt auch „angedeutet“, dass Google nur wenige offizielle Datenanfragen der NSA enthält, wollte – und durfte – aber nicht ins Detail gehen. „Es ist verboten, die Öffentlichkeit zu informieren, wie viele Anfragen wir erhalten; wir haben einen Prozess eingeleitet, um die Summe nennen zu können.“ Er selbst nehme bewusst keinen Einblick in solche Anordnungen, obwohl er dazu berechtigt sei. „Wenn ich das täte, müsste ich eine Menge Regeln einhalten. Wir haben ein ganzes Team an Rechtsanwälten, die sich das ansehen.“

Erneut wies Schmidt darauf hin, dass Google seine Verschlüsselung nach den Veröffentlichungen verstärkt habe. Auf Nachfrage gab er zu, dass Google nicht von der Überwachung erfahren hätte, wenn Edward Snowden nicht zum Whistleblower geworden wäre. Eine Begnadigung Snowdens in den USA wollte Schmidt dennoch nicht befürworten. Er sei diesbezüglich unschlüssig, sagte er.

Noch Mitte September hatte sich der Google-Chairman auffallend zurückhaltend zur Überwachung von Internetkommunikation durch die NSA geäußert. Spionage „liegt in der Natur der Gesellschaft“, spielte er die Affäre zunächst herunter. Spionage wie Überwachung gebe es schon seit Jahren – er wolle darüber gar nicht urteilen.

Später sah er sich gezwungen, seine Zurückhaltung aufzugeben. Im November bezeichnete er die berichtete Abhörpraxis der NSA gegenüber dem Wall Street Journal als „ungeheuerlich“ und „möglicherweise gesetzwidrig“. „Es ist wirklich ungeheuerlich, dass die National Security Agency zwischen den Rechenzentren Googles gelauscht hat, wenn das zutrifft. Was diese Organisation ohne jedes gute Urteilsvermögen unternimmt, um ihre Aufgabe zu erfüllen und möglicherweise die Privatsphäre der Menschen zu verletzen, das ist nicht in Ordnung.“

[mit Material von Lance Whitney, News.com]

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Themenseiten: National Security Agency, Politik, Überwachung

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1 Kommentar zu Eric Schmidt hat nichts von NSA-Spionage mitbekommen

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  • Am 23. Januar 2014 um 0:59 von Olli

    Also: wenn der CEO eines der größten US Unternehmens von seinen Mitarbeitern nicht informiert wird, dass seine Kunden ausspioniert werden, dann hat er seinen Laden definitiv nicht im Griff.

    Wenn er dann besser nichts wissen will, scheint das eher nach ‚Kopf in den Sand stecken‘ auszusehen, als effektiv das Thema anzugehen, und für den Schutz der Kundeninteressen zu kämpfen.

    Ich kann mir das Stillhalten nur dadurch erklären, dass er sich davor gefürchtet hat, dass damit auch die Daten Sammelwut Googles zum Thema würde.

    Dann doch besser schweigen, ist einfacher

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