Apple-Zulieferer Pegatron nach ungeklärten Todesfällen in der Kritik

Ein 15-Jähriger stirbt nach einem Monat Arbeit in einem Werk, in dem das iPhone 5C produziert wird. Eine ärztliche Untersuchung bescheinigte ihm zuvor gute Gesundheit. Die Arbeitsschutzorganisation China Labor Watch wies schon im Juli auf Missstände bei Pegatron hin, darunter ungesetzlich lange Arbeitszeiten.

Erneut ist ein Apple-Zulieferer für Missstände in die Kritik gekommen, die die Gesundheit seiner Angestellten gefährden. Der 15-jährige Shi Zhaokun starb an Lungenentzündung, nachdem er einen Monat lang in einem Werk von Pegatron arbeitete, in dem Apples iPhone 5C hergestellt wird. Eine ärztliche Untersuchung hatte ihm zuvor gute Gesundheit bescheinigt. Die chinesische Arbeitsschutzorganisation China Labor Watch (CLW) berichtet außerdem von mindestens fünf ähnlichen Todesfällen in den letzten Monaten, die bislang nicht aufgeklärt werden konnten.

Shi hätte aufgrund seines Alters gar nicht beschäftigt werden dürfen, legte aber vor seiner Einstellung im September einen gefälschten Ausweis vor, der ihm ein Alter von 20 Jahren bescheinigte. Pegatron erklärte, die Arbeitsbedingungen des Werks in Shanghai hätten seine Krankheit nicht verursacht. Eine Untersuchung der Arbeitsbedingungen habe zu keinem besonderen Ergebnis geführt, es seien dabei weder giftige Chemikalien noch andere Gefahrenquellen gefunden worden. Sie bestritt aber nicht, dass innerhalb der letzten Monate mehrere junge Arbeiter in dieser Fabrik starben.

Pegatron-Werk in Shanghai mit einem Banner mit der Aufschrift "Unsere Firma stellt Mitarbeiter ohne Zusatzgebühr ein" (Bild: Jay Greene/CNET).Pegatron-Werk in Shanghai mit einem Banner mit der Aufschrift „Unsere Firma stellt Mitarbeiter ohne Zusatzgebühr ein“ (Bild: Jay Greene/CNET).

Apple erklärte inzwischen ebenfalls, die Lungenentzündung Shis stehe in keinem Zusammenhang mit der Arbeit in der Fabrik oder der Herstellung von Apple-Produkten. „Im letzten Monat beauftragten wir unabhängige medizinische Experten aus den USA und China mit einer Untersuchung des Werks“, heißt es in der Erklärung. „Während sie keine Hinweise auf jegliche Verbindung zu den Arbeitsbedingungen dort fanden, ist uns bewusst, dass das nur ein geringer Trost für die Familien ist, die ihre Liebsten verloren haben.“

Nach von seiner Familie vorgelegten Arbeitsprotokollen arbeitete Shi im letzten Monat seines Lebens fast 280 Stunden, sechs Tage in der Woche und häufig zwölf Stunden täglich. In der ersten Woche waren es 79 Stunden, in der zweiten 77, in der dritten 75 – und damit regelmäßig viel länger als die in China maximal zulässigen 49 Wochenstunden. Pegatron bestritt die langen Arbeitszeiten, da möglicherweise die Pausen nicht verrechnet worden seien.

Die Arbeitsschützer von CLW hatten schon im Juli explizit auf eine Reihe von Misständen bei Apple-Zulieferer Pegatron aufmerksam gemacht. Dazu gehörten die Verletzung von Sicherheitsbestimmungen, das Vorenthalten von Ausweisen der Mitarbeiter sowie schlechte Unterbringung. Außerdem lasse Pegatron regelmäßig länger als 60 Stunden pro Woche arbeiten und verletze damit Apples Verhaltenskodex für Zulieferer.

Pegatron versuchte, die Familie von Shi Zhaokun durch eine Zahlung von rund 15.000 Dollar zu besänftigen, wie sein Onkel Yang Sen gegenüber der New York Times berichtete. Er bestand darauf, dass das Geschehen noch nicht geklärt sei. Es müsse etwas bei Pegatron falsch gelaufen sein, da sein Neffe bei einer Gesundheitsprüfung vor der Einstellung als gesund erklärt wurde.

Mit der Verpflichtung von Pegatron versucht Apple, sich weniger vom Skandalkonzern Hon Hai alias Foxconn abhängig zu machen, der zudem mit Geräten wie dem iPhone 5S bereits stark ausgelastet ist. Pegatron wurde ebenso wie Foxconn schon mehrfach für seine Arbeitsbedingungen gerügt. Im Dezember 2011 gab es eine Explosion in einem seiner Werke, bei der über 60 Arbeiter verletzt wurden. Und Anfang 2013 informierten die Arbeiterschützer von SACOM, bei den drei Apple-Zulieferern Foxlink, Pegatron und Wintek würden weiter Schüler eingesetzt – und auch sonst hätten sich die Bedingungen durch den Apple-Boom zuletzt eher verschlimmert: „Apples Produktabsatz erreicht neue Höhen, jedes Jahr erscheinen neue Modelle und Geräte. Damit ihre Arbeiter die täglichen Produktionsziele erreichen, setzen die Zulieferer unmenschliche Praktiken ein und verweigern etwa Grundbedürfnisse wie Toilettengänge, ausreichende Pausen und Zugang zu vernünftiger Nahrung.“

[mit Material von Lance Whitney, News.com]

Themenseiten: Apple, IT-Jobs, Pegatron, iPhone

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