Silk-Road-Nachfolger mit Bitcoins im Millionenwert verschwunden

Sheep Marketplace hat den Betrieb eingestellt. Es behauptet, ein Nutzer habe über eine Sicherheitslücke 5400 Bitcoin gestohlen. Recherchen von Betroffenen deuten aber auf eine Schadenssumme von mindestens 96.000 BTC oder derzeit 107,8 Millionen Dollar hin.

Die nach der Schließung von Silk Road eingeführte anonyme Handelsplattform Sheep Marketplace hat den Betrieb eingestellt. Mit ihr sind allerdings 96.000 Bitcoins (BTC) von Anwendern verschwunden. In US-Dollar umgerechnet wären das nach aktuellem Kurs 107,8 Millionen – rund ein Prozent aller überhaupt im Umlauf befindlichen Bitcoins.

Bitcoins futsch

Sheep Marketplace zufolge wurde das Vermögen von einem Dritten gestohlen. Der unbekannte Administrator postete am Sonntag eine Nachricht: „Wir bedauern mitteilen zu müssen, dass uns der Händler EBOOK101 am Sonntag 23. November 2013 beraubt hat.“ Er habe eine Sicherheitslücke genutzt und 5400 BTC gestohlen – „Ihr Geld, unsere Provision, alles wurde entwendet.“ Der Markt ist seither geschlossen.

Allerdings gibt es Zweifel, dass diese Darstellung der Wahrheit entspricht. Schon in den Tagen zuvor hatten manche Händler Probleme, auf die Bitcoins in ihrem Wallet auf der Plattform zuzugreifen. Einige senkten die Preise für angebotene Waren deutlich. Sheep Marketplace verspricht eine Rückerstattung aller Gelder. Doch auf Reddit, wo der Großteil der Händlerkommunikation stattfindet, berichtet bisher noch kein einziger Händler, tatsächlich Geld zurückbekommen zu haben.

Die weitaus höhere Schadenssumme von 96.000 BTC hat Business Insider nach Recherchen ins Spiel gebracht. Es verweist auf zwei Nutzer mit den Reddit-Nutzernamen „SheepReloaded2“ und „NodManOut“, die nach eigenen Angaben dem Dieb auf der Spur sind. Sie konnten über die Blockchain – die alle Bitcoin-Transaktionen enthält – die genannte Zahl von 96.000 BTC zu dem Betrüger zurückverfolgen.

Die Bitcoins in großer Menge in echte Währung zu tauschen dürfte dem Dieb nun schwerfallen, da große Wechselbörsen in solchen Fällen einen Identitätsnachweis fordern, um Geldwäsche zu verhindern. SheepReloaded2 schreibt dazu: „Es ist schwer, mehr als 4 oder 5 BTC auf einmal zu tauschen. Dieser Kerl hat aber ein Prozent aller Bitcoins weltweit.“

Dass eine Rückerstattung unwahrscheinlich ist, erklärt indessen Reddit-User „kyerussell“. Anders als bei Kontoüberweisungen oder Kreditkarten gebe es bei Bitcoin-Transaktionen eben kein Sicherheitsnetz, keine Rücknahmemöglichkeit für Transaktionen. „Bitcoin hätte einen grundsätzlichen Fehler, wenn man irgendwie sein Geld zurückbekommen könnte.“

[mit Material von Eileen Yu, ZDNet.com]

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Themenseiten: Bitcoin, Cybercrime, E-Commerce

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