Kommentar: Big Data bleibt

Big Data ist ein Dauerbrenner – allerdings nicht immer positiv besetzt. Viele Unternehmen sind noch zögerlich, wie sie das Thema angehen sollen, die Bürger sind verunsichert und die Politik fordert Restriktionen. Steht es wirklich so schlimm um die schöne neue Datenwelt, oder handelt es sich in erster Linie um die Angst vor dem Neuen? Drei drängende Fragen liefern Aufklärung und eine zentrale Antwort.

Big Data (shutterstock)Für die meisten Unternehmen war das Jahr 2013 ein Jahr der Trendbeobachtung und anschließenden Strategieentwicklung in Bezug auf das Big-Data-Phänomen. Wie will man sich den neuen Anforderungen stellen, welche Geschäftsvorteile sind möglich, wie kann man sich vom Wettbewerb abheben? Die Hersteller – auf der anderen Seite – sind dabei, sich zu konsolidieren. Übernahmen und Marktbereinigungen prägen das derzeitige Bild, und das wird sich auch im kommenden Jahr fortsetzen.

Sind Unternehmen mit Big Data überfordert?

Big Data ist ein reales Phänomen. Die Unternehmen haben gar keine andere Wahl, als über entsprechende Lösungsszenarien nachzudenken. Noch sind allerdings viele Unternehmen unsicher, welche Strategie sie wählen und welche Produkte sie kaufen sollen, was derzeit die Nachfrage drückt. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Mit dem vielbeschworenen „Internet of Everything“ wird sich das Datenvolumen weiter vergrößern und auf alle Branchen übergreifen. Ohne die Erfassung, Speicherung und Verarbeitung dieser Datenvolumen in der geforderten Zeit und Qualität werden die Unternehmen massive Wettbewerbsnachteile erleiden. Und das funktioniert nur mit der richtigen Technologie und dem nötigen Know-how. Anwender werden sich also zwangsläufig mit dem Thema auseinandersetzen müssen, wenn sie im Wettbewerb überleben wollen.

Schadet die NSA-Debatte dem Geschäft mit Big Data?

Dr. Wolfram Jost, Technologie-Vorstand der Software AGDr. Wolfram Jost, Technologie-Vorstand der Software AG: „Big Data ist keine Option, sondern ein Muss.“

Sicherlich wird auch im kommenden Jahr die Debatte um den Datenmissbrauch und die Datensicherheit ein Unsicherheitsfaktor für viele (deutsche) Nachfrager sein und bleiben. Allerdings hindert das die Daten nicht daran, sich weiter zu vermehren – somit ist jedes Unternehmen gefordert, eigene Entscheidungen in dieser Hinsicht zu treffen und zum Beispiel hybride Clouds zu etablieren, in denen geschäftskritische Daten eben nicht das Unternehmen verlassen. Die Skepsis gegenüber der Public Cloud ist primär ein deutsches Phänomen. Initiativen wie das „German Internet“ werden weiter diskutiert werden, aber das Problem nicht wirklich lösen. Das Internet ist nicht nach Nationalitäten gegliedert. Die strikten Datenschutzrichtlinien, die es bereits jetzt in vielen Ländern gibt, werden zunehmend in den Fokus des öffentlichen Interesses gelangen. Wie strikt sie dann aber umgesetzt werden können, liegt am jeweiligen Land, aber generell wird es schwierig bleiben, eine allumfassende Antwort auf das Sicherheitsthema zu finden. Transformative Technologien, zu denen Big Data ohne Zweifel gehört, werden sich auf Grund ihres riesigen Innovationspotentials durchsetzen. So wie das mit allen anderen Technologien auch der Fall war. Je früher man das erkennt, desto besser.

Big Data ist keine Option, sondern ein Muss!

Daher ist zu vermuten, dass Unternehmen zwar vorsichtiger mit ihren Daten umgehen werden und sich den Technologien zuwenden, die ihnen am zuverlässigsten erscheinen. Aber sie werden immer stärker in dieses Thema eintauchen. Eine positive wirtschaftliche Entwicklung ist für diesen Prozess sicherlich sehr hilfreich – gibt sie doch den Unternehmen den notwendigen Spielraum, um Investitionen in neue, innovative Technologien rechtzeitig durchzuführen. Und wie bereits gesagt, Big Data ist keine Option, sondern ein Muss.

AUTOR

Dr. Wolfram Jost ...

... ist seit August 2010 Mitglied des Vorstandes der Software AG und verantwortlich für Forschung und Entwicklung. Er ist Autor zahlreicher Fach- und Zeitschriftenartikel sowie (Mit)-Herausgeber von mehr als zehn Fachbüchern. Bis zur Übernahme durch die Software AG war Dr. Jost Vorstandsmitglied der IDS Scheer AG 2000.

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4 Kommentare zu Kommentar: Big Data bleibt

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  • Am 26. November 2013 um 20:23 von litfas

    Kann ein Vorstand der Software AG sich kritisch zu dem Thema äußern? Angesichts der Cracker-Angriffe, die mehrmals monatlich veröffentlicht werden, sehe ich z.Z. mehr Risiken als Vorteile.

    Ein Cracker kann sich EINEN Angriffspunkt suchen, wenn er hier nicht erfolgreich ist sucht er sich den nächsten und übernächsten und … Ein Verteidiger muss ÜBERALL GLEICHZEITIG auf einen Angriff gefasst sein. Hat er eine realistische Chance? Was ergibt sich daraus bezüglich BIG DATA?

    • Am 27. November 2013 um 9:56 von WJ

      Niemand verschweigt die „Risiken“, die mit dem Thema verbunden sind. Aber Tatsache ist, dass neue „Technologien“ immer mit dem sogenannten „dual use dilemma“ auf die Welt kommen. Man kann sie zum Guten und man kann sie zum Schlechten einsetzen. Mit einem Hammer kann man einen Nagel in die Wand schlagen oder einem Menschen den Kopf einschlagen.

      Big Data Technologien kann man im Gesundheitwesen, im Energiemanagement, im City Management, im Handel usw. zum Nutzen vieler Menschen einsetzen. Auch können Unternehmen ihre Wettberwerbsfähigkeit stark verbessern und somit neue Arbeitsplätze schaffen.

      Aber man kann auch Mesnchen und Unternehmen ausspionieren. Keine Frage. Es geht somit darum, das eine zu tun und das andere durch die Mittel eines Rechtsstaates wikrsam zu unterbinden.

      Diese Technologien auf Grund der damit verbundenen Risiken zu ignorieren, wäre mit Sicherheit der falsche Weg. Dann gäbe es noch heute keine Autos oder Raketen.

      WJ

      • Am 9. August 2014 um 0:21 von Christopf

        Was passiert eigentlich, wenn ein terroristischer Anschlag, sagen wir auf einen zentralen Internetknoten (z.B. DE-CIX) stattfindet? Wie hoch wäre der Impact? Welche Strategien müsste man entwickeln, um ein solches Szenario covern zu können?
        Ich bin mir sicher, dass solche Angriffe aktuell geplant werden. Damit wären die „westlichen Staaten“ ganz leicht sehr hart zu treffen. Big Data kann ebenso wie Cloudcomputing eine Möglichkeit darstellen, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Allerdings bergen diese auch viele Risiken, die m.E. aufgrund der großen Geschäftsvolumina für große Anbieter gerne unter den Tisch gekehrt werden.
        Einer meiner Kunden wurde vor Kurzem mit Hilfe eines Baggers von der Außenwelt getrennt. Es war ein Unfall, dass die Leitungen des Providers versehentlich bei Erdarbeiten ausgegraben wurden. Der Kunden konnte jedoch mehrere Tage nicht auf seine Clouddienste zugreifen…
        Ich möchte damit sagen, dass es unberechenbare Faktoren gibt, die die Nutzung solcher Services unsicherer machen. Als Unternehmer muss ich aber dafür Sorge tragen, dass mein Business immer läuft… nur wie?

        • Am 9. August 2014 um 8:41 von Hmm

          Das Internet ist ja aus dem Arpanet hervorgegangen, einem militärischen Netzwerk, das explizit so ausgelegt war, dass es auch Ausfälle einzelner Netzknoten verkraften konnte. Durch geschicktes Routing kann ein Ausfall effektiv umgangen werden – sofern es auf den alternativen Routen ausreichend Kapazitäten/Bandbreite gibt.

          Daher: ein terroristischer Anschlag kann immer nur einzelne Gebiete betreffen. Es kann allerdings aufgrund des ungleichmäßigen, durch unterschiedlich viel verfügbare Bandbreite Aufbau des Internet zu erheblichen regionalen Engpässen kommen, wenn eine der großen Leitungen beschädigt/unterbrochen wird.

          Als vor einigen Jahren in Ägypten eines der zentralen auf dem Meeresgrund gelegten Glasfaserkabel unterbrochen wurde, war der gesamte Datenverkehr in Richtung Asien/Indien für einige Monate nur deutlich langsamer möglich – die alternativen Routen reichten nicht aus.

          Wenn ein zentrales Big Data Rechenzentrum in einer Betroffenen Region liegt, ist es dann entsprechend langsamer, oder auch gar nicht erreichbar.

          Aber: globale Unternehmen mit wichtigen Datenzentren setzen eh auf Ausfallsicherheit – das geht von der direkten multiplen Anbindung an das Internet (mehrere Leitungen, die das Datacenter an verschiedenen Stellen mit dem Internet verbinden, unterschiedliche Carrier) bis hin zu mehreren Rechenzentren auf den unterschiedlichen Kontinenten, die dieselben Daten verfügen, und für die regionale Datenversorgung verantwortlich sind – im Problemfall aber auch eine andere Region kurzfristig mit abdecken können.

          Man kann sehr viel in Richtung Ausfallsicherheit machen, je nach Einsatzzweck und vertretbaren Aufwänden/Kosten. Terroristen haben da kaum Chancen langfristigen Schaden anzurichten.

          Von staatlicher Seite sieht das anders aus – ein Gesetz, eine richterliche Anordnung, und das Internet wird eingeschränkt, gekappt, zensiert, etc. Über die zentralen DNS ließe sich einiges an Schindluder treiben, dass die Nutzung des Internet deutlich erschwert.

          Aber das ist eine andere Frage …

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