Eric Schmidt sorgt sich um Freiheit des Internets in Russland

Der Google-Chairman befürchtet, dass Russland das nächste China werden könnte. Zugleich wiederholt er auf dem Paley Center International Council Summit in New York aber seine These, Zensur innerhalb eines Jahrzehnts eliminieren zu können.

Google-Chairman Eric Schmidt hat auf dem Paley Center International Council Summit in New York Bedenken geäußert, dass Russland angesichts seiner verstärkten Internetzensur das nächste China werden könnte. Im Gespräch mit dem schwedischen Journalisten Pelle Tornberg über sein Buch „The New Digital Age“ betonte Schmidt aber zugleich, dass Chinas Zensur und Rechtebeschränkungen nicht von Dauer sein könne, weil sich das Land und die Technik weiterentwickelten.

Google-Chairman Eric Schmidt (links) mit Pelle Tornberg auf dem Paley Center International Council Summit in New York (Bild: Michael Priest Photography/Paley Center)

Russland hatte im Juli 2012 seine Gesetzgebung angepasst, um Websites auf eine schwarze Liste setzen und sperren zu können. Auf diese Weise wollte die Regierung nach eigenen Angaben gegen Kinderpornografie, Aufforderungen zum Drogenkonsum oder Anleitungen zum Suizid vorgehen. Allerdings wird dem Regime vorgeworfen, das Gesetz auch dafür zu nutzen, Informationen zu blockieren, die es als ungeeignet für die Bevölkerung ansieht.

„Wir sorgen uns darum, dass Russland auf einem Weg ist“ in Richtung der Art aktiver Filterung und Zensur, für die China bekannt sei, sagte Schmidt in New York. Der technische Fortschritt werde innerhalb der nächsten zehn Jahre jedoch einen Umsturz in China begünstigen.

In dem Land gebe es 600 Millionen Internetnutzer und Microblogging-Sites wie Sina Weibo seien extrem beliebt, so Schmidt weiter. In diesem Jahr würden dort zudem 400 Millionen Smartphones verkauft. In der nächsten Dekade werde diese Community sich darauf verständigen, mehr Rechte einzufordern, und sich in eine Richtung bewegen, die die Regierung nicht korrigieren oder kontrollieren könne. „Es gibt einfach zu viele Chinesen, um sie alle einzusperren“, sagte der Google-Chairman.

Eine ähnliche These hatte Schmidt schon vergangene Woche in einer Rede an der Johns Hopkins University vertreten. „Ich glaube, es gibt eine echte Chance, dass wir Zensur – und die Möglichkeit von Zensur – innerhalb eines Jahrzehnts eliminieren können“, erklärte er dort. Technischer Fortschritt – etwa beim Einsatz von Verschlüsselung – werde Regierungen langfristig entmutigen, den Internetzugriff einzuschränken.

[mit Material von Joan E. Solsman, News.com]

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Themenseiten: China, Google, Politik, Zensur

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3 Kommentare zu Eric Schmidt sorgt sich um Freiheit des Internets in Russland

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  • Am 25. November 2013 um 14:42 von Maddin

    Dass die Menschenrechtssituation in Russland nicht die beste ist, sollte allgemein bekannt sein (siehe den Fall Pussy Riot).

    Aber als US-Amerikaner die Situation in anderen Staaten zu kritisieren, obwohl die eigene Politik extrem kritisch zu betrachten ist, halte ich für mehr als zweifelhaft.

    • Am 25. November 2013 um 20:49 von Korb

      Dass Menschen einen Maulkorb tragen sollten, nur weil sie Angehörige einer bestimmten Nation sind, wäre dann nicht zweifelhaft? Soll er also seine Meinung äußern.

  • Am 26. November 2013 um 0:02 von Anonym

    Hier wird versucht seitens der USA Russland erneut als eine Diktatur darzustellen, soweit nichts Neues. Was mir allerdings Sorgen bereitet, ist der unscheinbare Satz vom technischen Vorsprung, welcher einen Umsturz innerhalb der nächsten zehn Jahre ermöglichen soll. Ein Umsturz einer Regierung in einem Staat mit einer Milliarde Einwohnern, bewaffnet mit atomaren Sprengköpfen würde eine humanitäre Katastrophe unvergleichbaren Ausmaßes bedeuten.Mich würde nicht wundern, wenn die CIA genau diese Ziele verfolgt und sich dabei des Werkzeuges „Google“ bedient.

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