Nach GDK-Start: Glass-Entwickler sehen viele offene Fragen

Das Fehlen eines App-Store-Modells erschwert die Gründung eines Start-ups massiv. Auch vermissen viele Programmierer bestimmte Funktionen. Das Verbot von Gesichtserkennung beispielsweise verhindert für Alzheimer-Patienten nützliche Apps.

Nach der Veröffentlichung des Glass Developer Kit zeigen sich Programmierer eher unzufrieden. Sie wünschen sich von Google mehr Informationen und klarere Vorgaben – oder mehr Zugriffsrechte. Beispielsweise sagte Brandyn White, der Glass-Apps für Sehbehinderte entwickeln möchte, zu News.com: „Das GDK ist sehr klein, es ist sehr nützlich, aber ich glaube, dass noch tonnenweise Funktionen zurückgehalten wurden.“

Vivienne Ming würde gerne medizinische Apps für Google Glass entwickeln (Bild: News.com).Vivienne Ming würde gerne medizinische Apps für Google Glass entwickeln (Bild: News.com).

Vor Verfügbarkeit des GDK hatten Programmierer nur die Mirror API nutzen können, um Apps für Glass zu entwickeln, die aber lediglich Basisfunktionen enthalten konnten. Das GDK nennt Google nun eine Preview, und es scheinen wiederum einige Funktionen zu fehlen.

White bemängelt etwa, dass er mit der Glass-Kamera nicht ausreichend zoomen kann. So sei es unmöglich, kleinen Text im Sichtfeld zu erkennen und größer darzustellen, um Sehbehinderten zu helfen – etwa beim Einkauf im Supermarkt. 80 Prozent des Glass-Codes stammen nach seiner Schätzung von Android. Das lasse darauf schließen, dass eigentlich deutlich mehr möglich wäre.

Eine andere Entwicklerin, Winnie Tong, kritisiert das Fehlen eines Geschäftsmodells. Bisher können Glass-Apps nicht kostenpflichtig vertrieben werden. Ein App Store – oder Unterstützung für Google Play – fehlt. Tong hat eine Foto-Filter-App namens Glasstragram entwickelt, die Arbeit aber vorläufig zugunsten ihres Brotjobs eingestellt. „Bisher gibt es kein Geschäftsmodell, was die Gründung eines Start-ups massiv erschwert.“

Ein weiteres Problem ist für manche das Verbot von Gesichtserkennung, das Google wohl unter dem Druck von Datenschützern eingerichtet hat. Nicht berücksichtigt bleibt dabei allerdings eine Idee von Vivienne Ming von der Firma Gild. Sie würde Gesichtserkennung gerne in einer Glass-App nutzen, um Alzheimer-Patienten die Namen ihrer Kontakte ins Gedächtnis zurückzurufen. Und mit Gesichtserkennung ließe sich nach ihrer Einschätzung auch eine Funktion implementieren, die autistischen Kindern hilft, die Gesichtsausdrücke ihrer Gesprächspartner zu deuten.

Langfristig wird es Apps mit Gesichtserkennung für Glass wohl durchaus geben – in alternativen App Stores. Ein Vertrieb über den offiziellen App Store (oder das bisher genutzte Verzeichnis MyGlass) dürfte ausgeschlossen bleiben.

Auch GPS wollte Ming eigentlich nutzen, um vergesslichen Nutzern zu helfen – in diesem Fall, um ihr Auto wiederzufinden. Doch derzeit verzögert sich nach ihren Angaben die Aktualisierung von GPS-Daten für Fotos (Geotags) in Glass um bis zu zehn Minuten – entweder ebenfalls aus Datenschutzgründen oder technisch bedingt.

Offene Fragen lässt auch noch die Hardware. Ein Problem ist die Akkulaufzeit, die beim Aufnehmen von Videos auf eine einstellige Zahl an Minuten beschränkt sein soll. Wichtiges Zubehör kommt erst langsam, so wie die jetzt für 85 Dollar eingeführten Ohrhörer. Offene Fragen sind zudem UV-Schutz (etwa durch getönte Gläser) und Glass für Menschen, die schon eine Brille tragen. Dem Wall Street Journal zufolge hat Google aber zuletzt gerade im letzten Bereich einen Durchbruch erzielt. Es wird demnach mit dem US-Brillenhersteller VSP Global zusammenarbeiten, um Glass als Brille – mit zwei Gläsern und optischen Linsen – auch über Fachgeschäfte in den Staaten anbieten zu können.

[mit Material von Seth Rosenblatt, News.com]

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Themenseiten: Anwendungsentwicklung, Google, Google Glass

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