LTE-Wettlauf: Apple iPhone 5s gegen Sony Xperia Z1

Das iPhone 5S funkt noch mit einem LTE-Cat3-Modul mit einer maximalen Geschwindigkeit von 100 MBit/s. Das Sony Xperia Z1 unterstützt schon LTE-Cat4 bis 150 MBit/s. Kommt dieser Handy-Fortschritt im Cat4-Netz der Telekom schon zum tragen oder kann sich das 5S in der Praxis noch gegen ein Z1 behaupten?

LTE-Test: iPhone 5 gegen Xperia Z1Das iPhone 5S ist ganz ohne Frage ein sehr gutes Handy: Schickes und freundliches Design, rasantes Arbeitstempo dank A7 Prozessor, helles und sehr blickwinkelstabiles 4-Zoll-Display mit 1136 x 640 Pixeln, 8 Megapixel Kamera und Unterstützung für viele LTE-Frequenzbänder, auch die deutschen, bei 800, 1800 und 2600 MHz.

Nicht weniger beeindruckend klingen auch die Features des Sony Xperia Z1: Sehr elegantes Gerät mit schwarzen Glasflächen, ebenfalls rasantes Arbeitstempo dank Qualcomm Snapdragon 800 Quad-Core-Prozessor, sehr scharfes 5-Zoll-Full-HD-Display mit 1.920 x 1.080 Pixel, 20 Megapixel Kamera und ebenfalls viele LTE-Frequenzbänder, auch die deutschen, bei 800, 1800 und 2600 MHz.

Das schnellste Netz fürs schnellste Handy

LTE ist nicht gleich LTE: Das 4G-Modul von Apple entspricht der User-Equipment-Gattung LTE-UE-Cat3 und schafft unter optimalen Bedingungen bis zu 100 MBit/s brutto im Download und 50 MBit/s im Upload. Das Sony Z1 hat schon ein LTE-Cat4-Modul an Bord. Das zieht im besten Falle bereits 150 MBit/s brutto aus der Luft, sofern es Mobilfunknetze findet, die einen solche Geschwindigkeit bereits unterstützen.

Neben der Telekom bietet inzwischen auch Vodafone LTE-Unterstützung. Beide Netzbetreiber haben seit Herbst 2013 sogar schon erste LTE-Cat4-fähige Netze bis 150 MBit/s in der Luft. Das konnte ZDNet bereits mit einem LTE-Cat4-Phone der Marke Huawei Ascend P2 überprüfen. Die Testmessung im September 2013 ergaben 121 MBit/s im Download im Vodafone-Netz in München.

Doch so sporadische Einzelwerte sagen wenig über die Gesamtperformance in einem größeren Gebiet aus. Nach einigen Vortests im Großraum München war klar: Im Durchschnitt holen die zwei Handys von Apple und Sony im Netz der Telekom allerdings höhere Messwerte als in allen anderen Netzen. Somit dient das Telekom-Netz als Test-Parcours.

HIGHLIGHT

LTE-Status deutscher Mobilfunkprovider

Im Jahre 2004 hat UMTS in Deutschland mit 0,384 MBit/s Download-Speed gestartet. Seit 2010 funkt der UMTS-Nachfolger LTE mit bis zu 100 MBit/s durch deutsche Lüfte. Bald soll es dank LTE Advanced sogar noch mehr werden.

2G-3G-4G-Teststrecke: vom Flughafen bis zum Ammersee

Auf der Handy-Test-Strecke befinden sich 32 Bahnhöfe, davon acht unterirdische und 24 oberirdische. Auf dieser Strecke, durch Stadt und Land, gibt es noch keine lückenlose LTE-Versorgung. Vielmehr werden die Smartphones mit ständig wechselnden Funksorten konfrontiert: 2G, 3G, 4G, GPRS, EDGE, UMTS, HSDPA, HSUPA, HSPA, HSPA+, Dual Channel HSPA, LTE-800, LTE-1800, LTE-2600, LTE-Cat3, LTE-Cat4. In einsamen Land- und Waldgebieten funkt oft nur das langsame GPRS, EDGE oder UMTS. In vielen dicht besiedelten Strecken-Abschnitten dagegen funken alle Sorten gleichzeitig, bis hinauf zu LTE-Cat4 mit 150 MBit/s Brutto.

Manche Handys und Netze schaffen den ständigen Wechsel zwischen den alten und neuen Funksorten besser, andere quälen sich beim Umschalten sehr, bis zum gelegentlichen Funkabriss, der aber meist nur wenige Sekunden dauert.

In den Stoßzeiten ist die Bahn oft bis zum letzten Sitz- und Stehplatz voller Menschen, deren Körper die Funkleistung der Handys und der Netze teilweise absorbieren. Kurzum: Die gewählte Teststrecke fordert den Geräten, wie auch den Netzbetreibern, alles ab, was sie können, oder auch nicht können.

Der Start der Messungen beginnt bei der Einfahrt in den Bahnhof, egal ob oberirdisch oder unterirdisch. Nur am S-Bahn-Halt Marienplatz werden zwei Messungne durchgeführt: erst unterirdisch in der Bahn und dann oberirdisch im Freien. Der Platz mit Blick aufs Rathaus ist fast immer dicht mit Menschen inklsuive Smartphones bevölkert. Deshalb wird er auch meist mit den schnellsten Mobilfunksorten versorgt, zurzeit eben bis LTE-Cat4 bis 150 MBit/s. Oben auf dem Marienplatz ist die Chance auf Mobilfunk-Spitzenwerte somit größer als im Untergrund.

Die folgenden Messwerte sind keine Höchstwerte, sondern Durchschnittswerte, die aus mehreren Messfahrten vom 1.11.2013 berechnet und gemittelt wurden.

Das Beste gleich mal vorne weg: An keinem der 33 Messpunkte gab es Verbindungsprobleme, weder mit dem Apple, noch mit dem Sony. In allen anderen Netzen von E-Plus, O2 sowie Vodafone gab es auf der gleichen Teststrecke aber sehr wohl einige unversorgte Stellen. Die Telekom hat in München und Umgebung offenbar das beste Netz.

iPhone-5S-gegen-Xperia-Z1: DL-MittelwerteDownload-Wettlauf zwischen Apple iPhone 5S (weiße Linie und weiße Zahlenkolonne) sowie dem Sony Xperia Z1 (schwarze Linie und schwarze Zahlenreihe) am 1.11.2013 im Netz der Deutsche Telekom. Das Apple war fast immer schneller als das Sony (Quelle: Harald Karcher).

Bei den Downloads war das Apple mit einem Mittelwert von 29,85 MBit/s über alle Messpunkte hinweg um den Faktor 1,26 schneller als das Sony mit 20,76 MBit/s. Besonders eklatant war der Vorsprung auf dem Marienplatz: Dort zog das 5S bei einem Dutzend Messungen einen Schnitt von satten 89,56 MBit/s aus der Luft. Damit war es auf dem Marienplatz um den Faktor 3,45 schneller als das Sony Z1 mit 25,93 MBit/s. Zudem waren auch die Pingzeiten beim Apple signifikant kürzer als beim Sony.

Nun zu den Uploads: Da lag das Apple-Handy mit einem Schnitt von 6,62 MBit/s quer über alle 33 Messpunkte in Stadt und Land „nur“ um den Faktor 1,28 vor dem Sony Z1 mit 5,17 MBit/s. In bestversorgter Lage auf dem Marienplatz lag das Sony mit gut 19 MBit/s sogar vor dem Apple mit knapp 15 MBit/s, und zwar im Schnitt, nach einem Dutzend Messungen, sonst wären es ja bloße Zufallswerte.

iPhone 5S gegen Xperia Z1: Upload-MittelwerteUpload-Wettlauf zwischen Apple iPhone 5S (weiße Linie, weiße Zahlenkolonne) und Sony Xperia Z1 (schwarze Linie, schwarze Zahlenreihe) am 1.11.2013 im Netz des rosaroten Riesen Deutsche Telekom. Das Apple war fast immer etwas schneller als das Sony, nur am sehr gut versorgten Marienplatz war es umgekehrt (Quelle: Harald Karcher).

Fazit

Die Erwartung, dass das Sony Xperia Z1 dank LTE-Cat4-Modul im echten Leben schneller surft als das Apple iPhone 5S mit seinem LTE-Cat3-Modul hat sich am 1.11.2013 also nicht bestätigt: Nicht bei den Downloads, nicht bei den Uploads, und auch nicht bei den Pingzeiten.

Über die Gründe kann man nur spekulieren: Wird das Apple-Phone vom Telekom-Netz her bevorzugt behandelt? Hilft der rasante A7-Prozessor oder das Betriebssystem iOS 7.0.3 am Ende auch beim raschen Datendurchsatz? Oder lief die neue LTE-Cat4-Technik in den ersten Wochen nach dem Cat4-Netz-Rollout noch nicht so rund, dass das Sony-Cat4-Handy mit Android 4.2.2 schon voll davon profitieren konnte?

Beim nächsten Test kann alles schon ganz anders aussehen. Die Netze aller vier Betreiber, E-Plus, O2, Telekom und Vodafone, entwickeln sich ja täglich weiter, um das rasante Datenwachstum der User zu bewältigen. Zudem dürften modernere Android-Versionen ebenfalls besser mit der LTE-Technik klarkommen.

HIGHLIGHT

LTE: Warum kommen keine 100 Megabit/s?

Das mobile Surfen über LTE fühlt sich zackig an, doch die vollen 100 MBit/s kommen fast nie. Ralf Koenzen,  Geschäftsführer des deutschen Netzwerk-Spezialisten Lancom Systems, erklärt im ZDNet-Interview, von welchen Faktoren der LTE-Speed beeinflusst wird.

Themenseiten: Android, Apple, Deutsche Telekom, LTE, Sony, iOS, iPhone

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1 Kommentar zu LTE-Wettlauf: Apple iPhone 5s gegen Sony Xperia Z1

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  • Am 25. November 2013 um 8:14 von Mac-Harry.de

    BLANKE THEORIE

    Ich bin nicht wenig unterwegs, aber wenn ich LTE nutzen kann, was übrigens kein Standard ist, dann ist die Leitung zwar schneller, aber 100 Mbit sind wohl eher noch Marketing als Realität. Geräte mit 150 Mbit sind so gut, wie Geräte mit 500 Mbit.

    Mir reicht es, wenn LTW mit 75 Mbit flächendeckend angelten wird. Wir sind noch lange nicht bei 100 angekommen. Das ist eher die Ausnahme, denn Wirklichkeit. Leider.

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