Eugene Kaspersky nennt Cyberspionage „extrem gefährlich“ für internationale Beziehungen

Eine Cyberabwehrstrategie ist dem Lab-Gründer zufolge nur nationenübergreifend sinnvoll. Deshalb braucht es internationale Abkommen. Cyberwaffen erweisen sich ihm zufolge als Bumerang und treffen am Ende auch den Werfer - wie im Fall von Stuxnet.

Eugene Kaspersky hat sich in einer Rede im australischen Canberra den Auswirkungen von Cyberspionage auf die internationale Politik beschäftigt. Der Gründer, CEO und Chairman von Kaspersky Labs hält es für „extrem gefährlich“, wenn sich Regierungen gegenseitig übers Internet ausspionieren: Vertrauen zwischen Staaten sei dann nicht mehr möglich.

Um Online-Spionage einzuschränken und eine „internationale Cyberabwehr-Strategie“ zu entwickeln, brauche es jetzt internationale Verträge, sagte Kaspersky. Nur so könne man beispielsweise die Gefahr von digitalen Angriffen auf kritische Infrastruktur abwenden.

Eugene Kaspersky (Bild: Alberto sd KL, CC 2.0)Eugene Kaspersky (Bild: Alberto sd KL, CC 2.0)

„Wenn sich Nationen im Cyberspace nicht vertrauen, ist es der nächste Schritt, ihn in zwei verschiedene Netze aufzuteilen. Ein öffentliches Netzwerk – und eines für Firmen und Regiergungsbehörden. Das ist naheliegend, und ich bin nicht der erste, der das erwähnt. Leider ist das eine sehr schlechte Option.“

Eine Begründung schob Kaspersky hinterher: „Regierungen und Firmen werden glücklicher sein, weil sie ein sicheres, nicht hackbaren Netz haben. Eine gute Nachricht? Nein. Erstens gibt es dann weit weniger Investitionen in den öffentlichen Bereich. Mit Regierungen und Firmen läuft auch das Budget davon. Zweitens, haben Sie hier in Australien genug Techniker, um ein nationales Netz aufzubauen?“

In einem globalen Netzwerk wie dem Internet aber bestehe immer die Gefahr von Kollateralschäden, wenn man Cyberwaffen einsetze. „Das Internet hat keine Grenzen, und in angegriffenen Gebieten – dem Nahen Osten, Pakistan oder Südamerika, ganz egal – setzen sie die gleichen Betriebssysteme ein, die gleiche Hardware. Darum ist es sehr gut möglich, dass Nationen zum Opfer von Cyberattacken werden, die gar nichts mit dem Konflikt zu tun haben.“

Als Beispiel nannte Kaspersky den von den USA gegen das Atomforschungsprogramm des Iran eingesetzten Wurm Stuxnet, der auch das Netzwerk des US-Ölkonzerns Chevron störte und kürzlich im Kontrollnetzwerk eines russischen Atomreaktors gefunden wurde. Neben solchen versehentlichen Infektionen sei Reverse Engineering möglich, um jede einmal kursierende Schadsoftware nachzubauen.

„Weil der Cyberspace für alle Nationen der gleiche ist, glaube ich, dass eine nationale Cyberabwehr keinen Sinn ergibt.“ Das Problem lasse sich nur zusammen lösen. Das Problem seien die unterschiedlichen Perspektiven innerhalb von Regierungen. „Die für nationale Sicherheit, für Verteidigung zuständigen Ministerien sind zu Tode erschrocken. Sie haben keine Ahnung, was sie tun sollen. Die für Angriffe zuständigen aber sehen das als Chance. Ihnen ist nicht klar, dass im Cyberspace alles zum Bumerang wird. Es kommt zu ihnen zurück.“

[mit Material von Stilgherrian, ZDNet.com]

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Themenseiten: Cybercrime, Kasperksy, Politik

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1 Kommentar zu Eugene Kaspersky nennt Cyberspionage „extrem gefährlich“ für internationale Beziehungen

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  • Am 16. November 2013 um 19:37 von Ettore Atalan

    Das Problem ist eigentlich nur die USA. Dummerweise wird aber das Internet von US-Behörden kontrolliert.

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