Frankreich „schockiert“ über neue NSA-Enthüllung

Innerhalb von 30 Tagen schnitt der US-Geheimdienst über 70 Millionen Telefonate von Franzosen mit. Auch SMS wurden schlüsselwortabhängig aufgezeichnet. Im Fokus standen laut Le Monde Politiker und Manager - also keineswegs nur Terrorverdächtige.

Die Zeitung Le Monde berichtet in ihrer Montagsausgabe über Aktivitäten des US-Auslandsgeheimdiensts NSA in Frankreich. Demnach wurden innerhalb eines Monats 70,3 Millionen Telefonate französischer Bürger ausgespäht. Politiker reagierten entrüstet und fordern nun von den USA Erklärungen.

NSA

Le Monde beruft sich auf durch Edward Snowden bekannt gewordene Unterlagen. Die 70,3 Millionen aufgezeichneten Telefonate sammelte die NSA demnach zwischen 10. Dezember 2012 und 8. Januar 2013. Das Material wurde automatisch gespeichert. Auch SMS soll die NSA in Frankreich gesammelt haben, wenn diese bestimmte Stichwörter enthielten.

Le Monde vermutet aufgrund der Dokumente, dass bewusst nicht nur Terrorismusverdächtige von der NSA ausspioniert wurden, sondern auch Politiker und Geschäftsleute.

Der französische Innenminister Manuel Valls nannte den Bericht der Zeitung gegenüber Reuters „schockierend“. Er sagte: „Wenn ein verbündetes Land Frankreich ausspioniert oder ein anderes europäisches Land, ist das vollkommen inakzeptabel.“

Auch Außenminister Laurent Fabius hat auf den Bericht reagiert. Sein Amt habe den US-Botschafter Charles Rivkin einbestellt, sagte er. Montagmorgen sollte es zu einem Gespräch kommen. Rivkin ließ allerdings vorab wissen, beide Länder unterhielten „die besten Beziehungen seit einer Generation“ auch „auf Geheimdienst-Ebene“. Frankreich hatte sich nach den ersten NSA-Enthüllungen im Juni auffällig gelassen gegeben.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

Themenseiten: National Security Agency, Politik, Privacy, Secure-IT

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Neueste Kommentare 

6 Kommentare zu Frankreich „schockiert“ über neue NSA-Enthüllung

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  • Am 21. Oktober 2013 um 20:32 von Hans

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß Politiker die Überwachung offiziell verteufeln, aber inoffiziell begrüßen, weil sie davon profitieren. Ansonsten hätte man der NSA schon längst den Saft abgedreht in Europa.

  • Am 21. Oktober 2013 um 22:04 von Judas Ischias

    Von den Politikern kommen Proteste und Beschwerden nur um das Volk im Glauben zu lassen, dass man total dagegen ist und wie schlimm das alles ist.
    Dabei hängen die meisten Politiker doch mit drin und wenn noch so ahnungslos und entrüstet getan wird.

  • Am 22. Oktober 2013 um 0:13 von wing

    … die Franzosen – es ist also nicht schlimm, wenn Andere ausspioniert wurden (z.B. die in D-Land), aber die Große Nation? …

  • Am 22. Oktober 2013 um 1:04 von rudi

    Nach dem die Amerikaner in weniger als 200 Jahren Ihr eigenes Land hingerichtet haben, gelang ihnen Anfang des letzten Jahrhunderts der sagenhafte Clou als Alliierte in zwei Weltkriegen groß zu Trumpfen. In der heutigen Darstellung der Geschichte sehen sich die Amerikaner gerne als die wahnsinn´s Superhelden die wie Ihr Superman überall Freiheit und Gerechtigkeit sorgen wollen. Seit nunmehr spätestens 1945 führen sie sich zunehmend als Weltpolizei auf, als hätte man sie dazu ernannt. Die Wahrheit sieht doch leider eben ganz anders aus! Überlegt man sich einmal, welchen Aufwand sie betreiben und in welchem Verhältnis er zum Nutzen steht, dann muß man sich fragen, weshalb heute auch nur ein Terroranschlag verüben kann. Die Überwachungsdichte ist ja größer, als die des MfS der ehemaligen DDR. Wenn man Kriege mit dem Gameboy und Drohnen führen kann, weil es die Technik erlaubt muß sich doch nicht wundern, wenn Geheimdienste das Internet zu Spionage nutzen. Terroristen wurden in den letzten Weltkriegen Partisanen genannt, so sie auf der passenden Seite standen. Egal wie man sie nennt, es sind Personen die Ihre Meinung vertreten und nicht erschrocken am Stammtisch diskutieren, welche Gemeinheiten sich irgend ein Geheimdienst als nächstes austüftelt. Im Zeitalter der globalisierten Wirtschaft, ist das Internet einmal mehr nur ein weiteres Mittel zum Zweck. Der wahre Krieg wird in der Wirtschaft geführt und selbst die scheint eher langsam zu begreifen wie schlecht ihr eigener Schutz vor Wirtschaftsspionage ist. Wirtschaftssabotage über das Internet ist gerade ein hoch brisantes Thema. Wie kann ich die Wirtschaft andere Länder zu meinen Gunsten beeinflussen? Was brauch man heute? Einen Freund der eine geniale Idee hat und selbst den besten Anwalt des Landes und schon ist man selbst bald der angesagt Milliardär. Die Geschichte hat es hunderte mal bewiesen, wer die wirtschaftliche Macht verliert der verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Und das ist mit dem riesigen Ego der Amerikaner nicht vereinbar. Die Angst der Amerikaner vor der Welt muß unermesslich sein. Die Welt steht vor einer ökologischen Katastrophe. Uns geht die Puste aus und das ist ein Thema was uns eigentlich beschäftigen sollte. Wir werden wohl nicht gleich von der NSA verhaftet werden, nur weil wir ein paar Silvesterknaller kaufen wollen.
    PS,: Hans hat Recht! Politiker sind die Handpuppen der Wirtschaft. Wer das noch nicht erkannt hat, braucht sich über NSA-Spionage erst recht keine Gedanken zu machen!
    Hier ein echten Denkanstoß! Gerade wurde durch deutsche Politiker die neuen CO²Werte für Neufahrzeuge in der EU verhindert. Ich meine man sollte jedem SUV oder 150Ps-Auto auf die Motorhaube drucken, welchen Schaden sein Auto in den Urwäldern, bei den hungernden in Armut lebenden Menschen und bei den aussterbenden Tierarten anrichtet. Ich plädiere für großformatige Bilder auf die Haube wie es bei den Zigaretten schon üblich ist. Und die Grünen fetten nur noch die Diäten ab und lassen eine halb ausgegorene Idee nach der anderen vom Stapel.

  • Am 22. Oktober 2013 um 5:32 von Judas Ischias

    Politiker mit Rang und Namen, die irgendwann aus der Politik ausscheiden, falls man sich von der Macht trennen kann, arbeiten doch schon während der „Arbeitszeit“ an der späteren „wirtschaftlichen“ Karriere. Siehe Schröder, Schilly und weil gerade die Grünen erwähnt wurden, Rezzo Schlauch, der mittlerweile einer der größten Atomlobbyisten geworden ist.

  • Am 27. Oktober 2013 um 2:50 von Mr.Hyde

    Das ist gelebte Demokratie. Hier darf das Volk die wenigen Wählen, die das Volk im nach hinein daran hindern sein eigenes Recht wahr zu nehmen. Nein vielmehr, bereiten Sie von Anfang an den Weg für eine außer politische Karriere. Mann zeige mir einen Politiker der nicht irgend einen Finger eines Unternehmen oder Lobbyisten im Ar*ch hat und nur auf einen Fingerzeig der Wirtschaft wartet. Jedes Land hat die Politiker die es verdient!!! Einmal haben wir erlebt was gelebte Demokratie wirklich bedeuten kann. Im Herbst 1998. Und dann verkauften sie Ihr Land für eine D-Mark und bekamen eine Ossi-Bundeskanzlerin die es besser wissen müßte was totale Überwachung heißt. Und so es stimmen mag, sind die brisantesten Fakten noch gar nicht veröffentlicht. Fazit ist, daß besonders die Amerikaner jeglichen Anstand und jegliche Moral scheinbar nun zu Gänze verloren haben. Freunde sind das auf keinen Fall mehr! Verbündete nicht wirklich! Ich denke Sie sind ebenso von uns abhängig wir wir von ihnen und somit werden wir bei ihnen, wie sie bei uns, spionieren was das Zeug hält. Was uns fehlt ist ein Vulkanier als Bundeskanzler. Deren Logik wäre eine gute Grundlage für eine vernuftbetonte Politik. Eine Konsequenz wäre eine ausgeglichene Wirtschaft bei der alle Nationen eine faire Chance auf Erfolg haben. Terroristen würde die Grundlage entzogen Attentate zu verüben. Keiner würde ihnen folgen . Wer satt und glücklich ist, bombt keine Wolkenkratzer weg. Und die total verängstigten Amerikaner können in der Nacht wieder in Ruhe schlafen, weil einige ihnen millionen Menschen weniger nach dem Leben trachten. Das einzige was es dann noch zu spionieren gäbe, wäre das Geheimrezept von Oma´s Weihnachtskekse. Und das Rezept hat Google schon Längste ausspioniert und an Facebook weitergereicht. Amazon wird sie dann in Form des NSA-Logos, 4 Wochen vor Weihnachten anbieten.

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