America Movil zieht 7,2-Milliarden-Euro-Gebot für KPN zurück

Dabei hatte der mexikanische Telkokonzern von der niederländischen Finanzaufsicht gerade grünes Licht für die Akquisition erhalten. Eine unabhängige Stiftung von KPN konnte die feindliche Übernahme aber verhindern. Das Gebot lag mit 2,40 Euro pro Aktie 60 Cent unter KPNs Vorstellungen.

Der mexikanische Telekommunikationskonzern America Movil hat sein Übernahmeangebot für die ehemalige E-Plus-Mutter KPN zurückgezogen – just an dem Tag, an dem er von der niederländischen Aufsichtsbehörde für Finanzen grünes Licht für die Akquisition bekommen hat. Das Unternehmen des Multimilliardärs Carlos Slim Helu hatte im August insgesamt 7,2 Milliarden Euro geboten, um die Mehrheitskontrolle zu erreichen.

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Die Offerte stieß jedoch auf erheblichen Widerstand, weil America Movil damit eine geltende Vereinbarung mit KPN umging, seinen Anteil nicht über die 30 Prozent auszuweiten, die es schon an der E-Plus-Mutter hält. In einem erfolgreichen Versuch, das Gebot scheitern zu lassen, machte KPNs unabhängige Stiftung Stichting Preferenteaandelen KPN B – deren Aufgabe es ist, das Unternehmen im Fall einer drohenden feindlichen Übernahme zu schützen – von ihrem Recht Gebrauch, ihrerseits 4,3 Milliarden Sonderanteile an KPN ausgeben zu beanspruchen. Dadurch sicherte sich die Stiftung nicht nur über 50 Prozent von KPN und die Stimmrechte, sondern halbierte praktisch America Movils Anteil an der Firma.

Sobald die Stiftung glaubt, dass die Gefahr einer feindlichen Übernahme gebannt ist, wird sie ihren Anspruch auf die Aktien aufgeben, sodass die Aktienverteilung wieder dem ursprünglichen Wert entspricht. Allerdings hat sie noch nicht mitgeteilt, wann sie damit rechnet.

Nach diesen Ereignissen hielten sich sowohl KPN als auch America Movil mit Aussagen hinsichtlich der geplanten Übernahmen zunächst zurück. Gerüchten zufolge gingen die Verhandlungen zwischen den beiden aber weiter. Angeblich lag das Gebot von 2,40 Euro pro Aktie 60 Cent unter dem Preis, den sich KPN vorstellte. Später erklärten KPN-Aufsichtsratchef Jos Streppel und CEO Eelco Blok in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Wir haben uns nicht auf einen Angebotspreis sowie andere Bedingungen und Konditionen einigen können, die einen angemessenen Wert und Schutz für Minderheitsaktionäre widerspiegeln, um die Kontrolle über KPN abzugeben. Wir bekennen uns weiterhin dazu, unseren Kunden auf die bestmögliche Weise zu dienen und Werte für unsere Anteilseigner zu schaffen.“

Auch wenn America Movil sein Kaufangebot offiziell zurückgezogen hat, hält es weiterhin 30 Prozent an KPN. Es hat auch keine Pläne geäußert, seine Anteile zu verkaufen. Daher könnte es in Zukunft einen zweiten Versuch unternehmen, die Mehrheitskontrolle zu erringen.

[mit Material von Martin Gijzemijter, ZDNet.com]

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Themenseiten: E-Plus, Telekommunikation, Übernahmen

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