Die IT im Industrialisierungsschub

Die IT befindet sich auf dem dornenreichen Weg von der Manufaktur zur industriellen Fertigung. Doch wie legt man diese Strecke erfolgreich zurück? Dazu gibt es bisher wenig umfassende Informationen. Nun ist eine erste zusammenfassende Darstellung erschienen.

Während derzeit viel von der „Industrie 4.0“ als mit IT angereicherten, intelligenten bis selbststeuernden Fertigungsprozessen die Rede ist, befindet sich die IT selbst häufig noch in einem weitaus früheren Stadium. IT-Produktionsprozesse erfolgen mehr oder weniger manufakturähnlich und als Projekte organisiert. Die Produktion und Lieferung neuer IT-Services an Endkunden kann Wochen oder Monate dauern. Mit einer zügigen Anpassung der IT-Infrastruktur an neue geschäftliche Anforderungen ist es deshalb meist nicht weit her. Die Konsequenz: hoher Zeitbearf, hohe Kosten und große Fehleranfälligkeit.

weg-zur-it-fabrikBibiliographische Informationen: Ferri Abolhassan (Hrsg.): Der Weg zur modernen IT-Fabrik. Industrialisierung – Automatisierung – Optimierung. Gebunden, 238 Seiten. Springer Gabler Fachmedien Wiesbaden 2013. ISBN 978-3-658-01482-7, 59,99 Euro.

Demgegenüber produziert die Fertigungsindustrie heute weitgehend automatisiert, hochzuverlässig und flexibel steuerbar stark individualisierte Produkte – Paradebeispiel ist das Auto mit seinen zig individuellen Ausstattungsmerkmalen. Modularisierung, Standardisierung und ständige Verbesserung gehören zu den Merkmalen erfolgreicher Produktionsprozesse. Personal, das in einem solchen Kontext arbeitet, muss sich ständig weiterbilden, um mitzukommen. Innovation ist der Motor des Geschehens.

Die IT steht nun, bedingt durch technologische Fortschritte wie Cloud, globalisierte Wirtschaftsabläufe und Effizienzdruck, von allen Seiten vor der Aufgabe, einen ähnlichen Industrialisierungsschub zu durchlaufen. Entstehen sollen perfekt an den Bedarf des Business angepasste „Fabriken“, die IT-Services mit der gleichen Präzision erzeugen wie die Fließbänder in den Automobilwerken die bestellten Fahrzeuge.

Praxiswissen zur IT-Transformation für CIOs

Doch wie macht man das im Detail? Soeben ist mit „Der Weg zur modernen IT-Fabrik“ ein Buch erschienen, das den Weg zur modernen IT-Fabrik von den Vorüberlegungen über Konzepte bis hin zur praktischen Umsetzung beschreibt. Initiiert und herausgegeben wurde es vom T-Systems-Geschäftsführer Dr. Ferri Abolhassan, der sich mit diesem Thema bestens auskennt. Schließlich gehört T-Systems zu den großen Anbietern standardisierter IT-Dienstleistungen weltweit, und in den Rechenzentren des Serviceunternehmens läuft so manche Technologie, an die sich andere, wenn überhaupt, nur in erheblich kleinerem Maßstab herantrauen.

Ferri Abolhassan, Geschäftsführer der T-Systems International GmbH (Bild: T-Systems).Ferri Abolhassan, Geschäftsführer der T-Systems International GmbH (Bild: T-Systems).

An den insgesamt 27 Kapiteln des Buchs haben aber außer diversen Mitarbeitern von T-Systems auch namhafte Wissenschaftler, beispielsweise vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen und der Stiftung Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung sowie Berater aus mehreren namhaften Consulting-Unternehmen mitgewirkt.

Einleitend untersuchen sie die kritischen Erfolgsfaktoren global agierender (IT-)Serviceunternehmen und –bereiche. Teil zwei analysiert die einzelnen Merkmale des Industrialisierungsschubes, der die IT erfasst hat. Hier geht es um die Transformation zu einer echten „Industrie“, die sich von der Projektorganisation verabschieden muss. Andere Organisationsformen, strengere Qualitätssicherung und hochgradige Automatisierung sind erforderlich. Besonders interessant ist dabei ein kurzes Kapitel, das die Unterschiede zwischen den übrigen herstellenden und der IT-Serviceindustrie beleuchtet – die extrem hohe Komplexität und prinzipielle Unvollständigkeit von Servicevereinbarungen etwa.

Teil drei befasst sich mit den Maßnahmen, um zur gewünschten Industrialisierung zu kommen – dem Setzen und Messen geeigneter Leistungsparameter, der permanenten Kostensenkung bei möglichst gleichzeitiger Effizienzsteigerung, geeigneten Governance-Strukturen und der ständigen Verfolgung des Transformationserfolgs durch ein geeignetes Reporting.

Der sehr umfangreiche vierte Teil beleuchtet die Elemente des strukturellen Wandels der IT. In elf Kapiteln geht es um Einzelaspekte wie konsequente Automatisierung und Standardisierung, Begrenzung auf Kernkompetenzen bei gleichzeitigem Desinvestment anderswo, die Steigerung der Auslastung, den Aufbau eines Produktportfolios, Nachhaltigkeit im Rechenzentrum, Sourcing und Make-or-buy, Lieferantenmanagement und den Umgang mit der eigenen, durch die ständigen Veränderungen strapazierten Belegschaft.

Der fünfte Abschnitt befasst sich ausführlich mit der Rolle von Innovation für den Geschäftserfolg und der Funktion der IT auf diesem Gebiet. Dabei empfehlen die Autoren die enge Kooperation mit internen und externen Akteuren. Der Herausgeber schließt das Buch durch einen Ausblick ab.

Das Buch hätte mehr Praxisbeispiele vertragen. Einzelne tauchen auf, doch mehr davon hätte das Gesagte noch anschaulicher gemacht. Zu loben ist die Verständlichkeit des Buches. Es kommt zwar nicht ohne Fachtermini aus (dafür gibt es ein Glossar), hebt sich aber wohltuend vom Ton der meisten IT-Fachpublikationen ab. Das Buch könnte deshalb ein Grundlagenwerk für CIOs und Cloud-Provider werden, die ihren Arbeitsbereich konsequent industrialisieren sollen.

Tipp: Was tut sich als Nächstes in der Enterprise-IT? Informieren Sie sich über Intels Ansicht zur Zukunft der Konsumerisierung in Unternehmen am 8. Oktober in München. Details erfahren Sie auf der Website der Veranstaltung.

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1 Kommentar zu Die IT im Industrialisierungsschub

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  • Am 12. August 2013 um 16:37 von sundowner

    ich sehe es so wie zu Beginn der Industrialiserung: der Mensch mit seinen Befürfnissen und Gefühlen stört etwas. es könnte schneller und zügiger gearbeitet werden, wenn Mitarbeiter affiner wären. Wie schafft man die Automatisierung in den Projektablauf? SAP hatte angekündigt „Autisten“ einzustellen, die sich bei weitem dem digitalen Ablauf optimaler anpassen können (so das gängige Bild, was vermittelt wird).

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