Siemens-Chef Peter Löscher soll gehen

Der Aufsichtsrat will den Vorstandsvorsitzenden frühzeitig ablösen. Löscher küpft an sein Ausscheiden aber die Bedingung, dass auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme geht. Er sieht sich als Opfer eines Komplotts.

Der Siemens-Aufsichtsrat hat das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandvorsitzenden Peter Löscher gefordert. In seiner Sitzung am 31. Juli will er darüber abstimmen, wie es in einer knappen Mitteilung vom Samstag heißt. Außerdem werde man dann „über die Ernennung eines Vorstandmitglieds zum Vorstandsvorsitzenden beschließen“.

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme (links) und Vorstandsvorsitzender Peter Löscher auf der Siemens-Hauptversammlung 2013 in München (Bild: Siemens).Aufsichtsratschef Gerhard Cromme (links) und Vorstandsvorsitzender Peter Löscher auf der Siemens-Hauptversammlung 2013 in München (Bild: Siemens).

Löscher selbst will sich jedoch nicht so einfach vom Aufsichtsrat aus dem Amt drängen lassen. Nur wenn auch der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme seinen Posten räume, werde er seinen Hut nehmen, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Sollte Cromme dieser Forderung nicht nachkommen, wolle Löscher im Siemens-Kontrollgremium über seinen Rücktritt abstimmen lassen. Um den Kärntner des Amtes zu entheben, ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig.

Laut Süddeutsche Zeitung gilt es bereits als ausgemacht, dass der aktuelle Finanzvorstand Joe Kaeser Löscher als Vorstandssprecher ablöst. Der Aufsichtsrat habe sich am Wochenende auf diese Lösung verständigt. Der Führungswechsel soll dazu beitragen, den drittgrößten deutschen Industriekonzern aus der Krise zu führen.

Doch Löscher scheint das anders zu sehen. Er wirft Cromme vor, mit diesem Schachzug lediglich sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Der Vorstandsvorsitzende sieht sich als Opfer eines Komplotts. Sein Vertrag läuft noch bis 2017. Nun soll er zum Einlenken bewegt werden.

Noch zwei Jahre lang müsste Siemens bei einem vorzeitigen Ausscheiden das Gehalt Löschers bezahlen. Das wären mindestens rund 10 Millionen Euro. Löscher gehe es jedoch in erster Linie „nicht ums Geld, sondern um seine Ehre“, heißt es aus Konzernkreisen.

Aufsichtsratschef Cromme will sich auf der anderen Seite offenbar nicht erneut vorwerfen lassen, zu spät gehandelt zu haben. Seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssen-Krupp hatte er im März nach milliardenschweren Verlusten räumen müssen.

Bei Siemens hingegen verteidigt man das Vorgehen Crommes, der als treibende Kraft hinter der Absetzung Löschers gilt. Fehlende Visionen und die Führungsschwäche Löschers seien die Ursachen für Unmut in Belegschaft und Management.

Cromme, der Löscher 2007 selbst zum Vorstandsvorsitzenden von Siemens berufen hatte, ist offensichtlich nicht bereit, wie von Löscher gefordert als Aufsichtsratsvorsitzender zurückzutreten. Er setzt auf die Gunst der Aktionäre für sein hartes Durchgreifen, wie er gegenüber Siemensmitarbeiter geäußert haben soll. In jedem Fall wird er um seine letzte Spitzenposition in der deutschen Wirtschaft kämpfen.

Als potentieller Nachfolger Crommes ist seit Monaten der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Gespräch. Er gilt jedoch dem Arbeitnehmerflügel im Siemens-Aufsichtsrat als nicht vermittelbar. Zudem bezeichnete er selbst die angeblichen Ambitionen, Cromme abzulösen, als „frei erfunden“.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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