Nach E-Book-Urteil gegen Apple: Amazon-Aktie erreicht Allzeithoch

Der Kurs klettert erstmals über die Marke von 300 Dollar. Amazons Höhenflug erfolgt unmittelbar, nachdem Apple wegen illegaler Preisabsprachen mit führenden US-Verlagen verurteilt wurde. Apples Strategie zielte auf den Onlinehändler und seine niedrigeren E-Book-Preise.

Der Kurs der Amazon-Aktie hat gestern erstmals die 300-Dollar-Marke überschritten. Er erreichte 300,69 Dollar und schloss später mit 299,66 Dollar – ein Plus von 7,33 Dollar oder 2,51 Prozent. Die Kursbewegung erfolgte, nachdem ein US-Bundesgericht Apple wegen illegaler Preisabsprachen bei E-Books verurteilt hatte. „Wenn Apple diese Verschwörung nicht orchestriert hätte, dann hätte sie nicht gelingen können, wie es im Frühjahr 2010 geschah“, begründete Richterin Denise Cote ihre Entscheidung.

Amazon Kindle

Apples strategisches Handeln hatte sich gegen Amazon gerichtet, das den E-Book-Markt klar dominierte und auch Bestseller zum Preis von 9,99 Dollar anbot. Um dem iPad bessere Chancen als E-Readern zu geben, vereinbarte Apple mit den Verlagen ein Agenturmodell mit festgelegten E-Book-Preisen, bei dem es einen Anteil von 30 Prozent einbehält. Besondere Hebelwirkung entfaltete dabei eine Meistbegünstigungsklausel, die dem iPad-Hersteller garantierte, dass andere Anbieter keine besseren Konditionen erhalten konnten. In der Folge konnten die Verlage Amazon ebenfalls zu höheren E-Book-Preisen und der Übernahme des Agenturmodells zwingen.

Apple will zwar in Berufung gegen das Urteil gehen, hat damit aber offenbar nur geringe Aussichten auf Erfolg. Es muss außerdem mit einer hohen Strafzahlung rechnen, die noch festzulegen ist. Vor allem aber droht ihm erhöhte Aufmerksamkeit der Kartellabteilung des US-Justizministeriums, wenn es andere neue Geschäftsfelder zu besetzen versucht.

„Amazon tritt als Gewinner aus dem ganzen Geschehen um die E-Book-Preise hervor“, sagte gegenüber Bloomberg Tom Forte, Analyst der Telsey Advisory Group. „Das Unternehmen scheint völlig frei seine Preise bestimmen zu können, was es gewöhnlich aggressiv nutzt, um Marktanteile zu gewinnen.“

Auch Apples Aktie legte gestern um 1,56 Prozent zu und bewegte sich damit im Marktumfeld mit durchschnittlichen Kursverbesserungen zwischen 1 und 1,5 Prozent. Insgesamt verlor das Papier jedoch in den letzten 12 Monaten über 28 Prozent seines Werts – während die Amazon-Aktie sich im gleichen Zeitraum um 37 Prozent steigerte.

Mit 300 Dollar hat Amazons Kurs aber mehr als das 135-fache seines geschätzten Gewinns in den nächsten vier Quartalen erreicht, warnt Marketwatch. Das liege weit über dem üblichen Kurs-Gewinn-Verhältnis selbst von Internetfirmen. Google und Ebay kommen etwa auf den Faktor 18. Die Investoren scheinen trotzdem noch immer von Amazons Strategie überzeugt, auf kurzfristige Gewinne zugunsten einer weiteren Expansion zu verzichten. Laut Thomson Reuters geben die Analysten inzwischen 325 Dollar als mittleres Kursziel vor.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

Themenseiten: Amazon, Apple, E-Books, E-Commerce, Gerichtsurteil

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