PRISM-Informant Edward Snowden kündigt weitere Enthüllungen an

In einem Brief an den Präsidenten Ecuadors bedankt er sich für die Hilfe bei seiner Flucht nach Moskau. Russland liegt inzwischen auch ein Asylantrag Snowdens vor. Der Whistleblower wirft der US-Regierung indes Täuschung und Rechtsbeugung vor.

Der PRISM-Informant Edward Snowden hat erstmals seit seiner Flucht von Hongkong nach Moskau sein Schweigen gebrochen. In einem Brief an die Regierung Ecuadors, der der Agentur Reuters vorliegt, kündigt er an, er werde weitere Details zum geheimen Abhörprogramm des US-Geheimdiensts National Security Agency (NSA) veröffentlichen. Zudem dankt er Ecuador für die Hilfe bei der Vorbereitung seiner Reise nach Russland.

Edward Snowden (Screenshot: News.com, via The Guardian)

„Ich bleibe frei und bin in der Lage, Informationen herauszugeben, die dem öffentlichen Interesse dienen“, zitiert Reuters aus dem Brief an Präsident Rafael Correa. „Egal wie lange ich noch lebe, ich widme mich weiter dem Kampf für Gerechtigkeit in dieser ungleichen Welt. Sollte die mir verbleibende Zeit zu etwas Gutem beitragen, dann muss die Welt der Regierung von Ecuador danken.“

Der US-Regierung wirft er zudem Rechtsbeugung vor. Sie habe auf seine Enthüllungen mit einer „außergerichtlichen Menschenjagd reagiert, die mich meine Familie, meine Reisefreiheit und mein Recht auf ein friedliches Leben ohne Angst vor illegalen Übergriffen gekostet hat.“

Snowden, der sich weiterhin im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhalten soll, hat Reuters zufolge nun auch in Russland Asyl beantragt. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte demnach bei einer Pressekonferenz in Moskau, sein Land wolle Snowden nicht an die USA ausliefern. „Wenn er hier bleiben will, gibt es eine Bedingung: Er muss, so seltsam sich das aus meinem Mund auch anhören mag, seine Arbeit einstellen, die das Ziel hat, unseren amerikanischen Partnern zu schaden“, sagte Putin.

In einer zweiten Stellungnahme, die auf der Wikileaks-Website veröffentlicht wurde, unterstellt Snowden US-Präsident Obama, die Öffentlichkeit zu täuschen. Obama habe erklärt, er werde im Fall Snowden keine diplomatischen Tricks erlauben. „Trotzdem wird nun berichtet, er habe seinen Vizepräsidenten angewiesen, auf die Regierungen der Länder, bei denen ich Asyl suche, Druck auszuüben, damit sie meine Anträge ablehnen.“ Diese Art der Täuschung sei nicht gerecht. „Ihr Zweck ist es, abzuschrecken – aber nicht mich, sondern die, die nach mir kommen.“

Inzwischen sind jedoch Zweifel aufgekommen, ob diese Erklärung tatsächlich von Snowden selbst verfasst wurde. Wie TechDirt berichtet, taucht dort die Formulierung „The United States of America have been …“ auf, die ein Amerikaner nicht benutzen würde. Vielmehr sei es typisch für Europäer, an der Stelle den Plural „have“ zu verwenden. Inzwischen sei „have“ in der Mitteilung durch den Singular „has“ ersetzt worden.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

Themenseiten: Datenschutz, National Security Agency, Politik, Wikileaks, Überwachung

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